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Kleine Ängste

Um es vorweg zu sagen: Ich habe Kleine Ängste bisher nicht gespielt, nur das Regelwerk gelesen. Kleine Ängste ist ein niedliches Rollenspiel, nicht nur die Aufmachung als kleiner Hardcover-Band mit 115 Seiten sondern auch das Thema. Die Spieler übernehmen die Rollen von kleinen Jungen und Mädchen, welche im Gegensatz zu den "Großen" die Schreckgestalten des "Landes unter dem Bett" sehen können. Das Land unter dem Bett ist die Heimat all jener Monster, die es auf die Unschuld der Kinder abgesehen haben. Es wird von dem Demagogen beherrscht; ihm zur Seite steht Branxis der Sklavenhalter, der die Arbeitslager mit den leeren, gebrochenen Hüllen von Kindern kontrolliert. Weiterhin existieren noch die Sieben Könige, welche alle über eine große Zahl von Monstern gebieten, welche den Kindern um die Seele und die Unschuld trachten. Aber auch Menschen in der realen Welt stehen unter dem Einfluss der Könige. Sie machen den Kindern das Leben in Form von Missbrauch und anderen schrecklichen Dingen schwer.

Missbrauch ist natürlich ein sehr schreckliches Thema mit dem sehr vorsichtig umgegangen werden sollte. Die Regeln von Kleine Ängste sind sehr einfach gehalten. Die Charaktere haben fünf Eigenschaften (Muskeln, Füsse, Köpfchen, Hände und Geist). Diese müssen bei Proben einfach mit einem W6 unterwürfelt werden, um erfolgreich zu sein. Hat man einen passenden Vorteil oder Nachteil darf ein weiterer Würfel geworfen werden, bei einem Vorteil wird dann einfach der beste bei einem Nachteil der schlechteste gewertet.

Des weiteren gibt es Werte für Unschuld und Seele, welche von Kreaturen des Landes unter dem Bett verringert werden. Bei einem vollständigen Verlust der Seele ist das Kind nicht mehr aus den Klauen des Demagogen zu befreien und der Körper ist zerfallen. Ist die Unschuld verloren, ist das Kind für den Demagogen nicht mehr von Interesse und das Kind verliert die Fähigkeit die Kreaturen wahrzunehmen. Unschuld ist aber auch ein Maß für den Glauben des Kindes, denn mit diesem Glauben nimmt es nicht nur die Wesen des Landes unter dem Bett war, sondern kann diese auch in die Flucht schlagen. Diese Glaubenmagie setzen Kinder meist unbewusst ein, indem sie Rituale vollziehen, um sich gegen Angst zu wappnen. Ein Teddybär gibt den Kindern vertrauen und wächst zu einem großen Teddy heran und schlägt das Monster in die Flucht; eine Taschenlampe schenkt nicht nur Licht im Dunkeln, sondern verscheucht auch Schreckgestalten.

Das Regelbuch ist mit schönen Zeichnungen und Bildern versehen. Es behandelt zuerst die Charaktererschaffung und Regeln, es folgen in Kapitel zwei die Tugenden Seele und Unschuld sowie die Glaubenmagie. Ein drittes Kapitel versucht zu erklären, wie Geschichten in "Kleine Ängste" erzählt werden. Hier sind auch Regeln für Erwachsene angegeben. Das Kapitel Vier behandelt das Land unter dem Bett: Möglichkeiten es zu erreichen und die Bewohner des Landes. Den Abschluss bildet das Kapitel "Gruselgeschichten", in dem Abenteuervorschläge gemacht werden. Was ein wenig negativ auffällt, ist das einige Dinge -insbesondere die Glaubenmagie- nur in Beispielen erklärt sind, ansonsten ist das Regelbuch aber liebevoll aufgemacht.

Ob ich es jemals spielen werde, weiß ich noch nicht. Mal sehen.

Carsten

Technische Daten
Titel:       Kleine Ängste
Untertitel:  Ein Erzählspiel um Kindheitsängste
Autor:       Jason L. Blair
Übersetzung: Oliver Graute
Verlag:      Feder und Schwert
Preis:       22,95 Euro