Zu Besuch bei Freunden
Aus RSCT94
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Bericht - Fotos |
Liebes Tagebuch,
da sind wir wieder: Die wackeren Rollenspieler vom RSCT 94, die in einem regelmäßigen Abstand die eine oder andere Convention unsicher machen. Die "Saison" des Jahres 2006 wurde durch eine im wahrsten Sinne des Wortes "abenteuerliche" Veranstaltung eröffnet, die uns nach Hamburg-Eidelstedt führte: Den Adventure Con. Nicht oft haben wir ja das Glück, eine solche Veranstaltung quasi vor der Haustür zu haben, demzufolge ließen wir es uns auch nicht nehmen, dort in entsprechend großer Anzahl aufzuschlagen. Also machte sich am Freitag, Samstag und Sonntag eine Karawane aus dem beschaulichen Tornesch (und einigen kleineren unbedeutenden Vororten) in die große weite Welt auf, um... ja, warum eigentlich? DSA und Konsorten kann man ja eigentlich auch daheim zocken, möge dem einen oder anderen jetzt vielleicht in den Sinn kommen. Aber wir Rollenspieler sind nun einmal ein geselliges Völkchen und Kontakte wollen gepflegt werden. Nicht nur die netten Jungs und Mädels vom SDNV (neben dem Zauberstein der Veranstalter des Adventure Con) hatten mal wieder einen Besuch verdient, sondern auch die vielen anderen Besucher, die einen Großteil der (aktiven) norddeutschen Rollenspielszene bilden. In meinem Bericht aus dem letzten Jahr hatte ich ja von der "geistigen und moralischen Elite" gesprochen, die aus unseren Reihen den Adventure Con besucht hatte. Dazu wollte sich diesmal offenbar mehr als eine Handvoll Leute zählen, so dass wir in diesem Jahr mit sage und schreibe 20 Leuten im Bürgerhaus Eidelstedt vertreten waren.
| Ein Dank für die rege Beteiligung geht an dieser Stelle an: Regina, Lilli, Chrissy, Mona, Maren (Ladies first), Ian, Adrian, Timo, Gianni, Carsten, Mirko, Mirco, die beiden Daniels, Stefan, Merten, Walter, Ove und Hanni, die neben dem Autor dieses Textes wohl allesamt ihren Spaß auf dem Adventure Con hatten. Super, dass ihr unseren Verein so würdig vertreten habt! |
Doch laßt mich meinen Bericht chronologisch aufbauen, damit ich auch ja nichts vergesse:
Inhaltsverzeichnis |
Der Freitag
Gegen 17 Uhr machte sich eine erste kleine Delegation - ein Voraustrupp sozusagen - mit der Bahn auf den Weg nach Hamburg. Diese bestand aus dem kleinen Daniel, Timo, Gianni, Ian, Adrian und dem Autor dieser Zeilen. Nach nicht allzu langer Zeit erreichten wir das verkehrsgünstig gelegene Eidelstedt Center, hinter dem sich das Bürgerhaus verbirgt, in dem der Adventure Con wie auch in den letzten Jahren stattfinden sollte. Doch bevor wir das Gebäude betreten konnten, mußten wir - oh Graus - erst einmal an den grimmigen Torwächtern in Form von Jörg und Miriam vorbei. Diese hatten wir jedoch vorher mit einigen gewagten Versprechungen ("Klar kommt ihr beim ConTor auch umsonst rein!") dazu bewegt, uns allen freien Eintritt zu gewähren. So konnten wir unsere Geldbeutel erst einmal stecken lassen und in aller Ruhe des Gebäude inspizieren. En Detail muß ich auf das Bürgerhaus nicht eingehen, dem auswärtigen Leser sei nur gesagt, dass es ausreichend Platz für zahlreiche Spielrunden gab und die Räume zum Teil auch sehr liebevoll mit Stoffbahnen oder Alufolie (das "Holodeck" für SF-Rollenspiele) dekoriert waren. Auf solche Dinge kann man eigentlich auch verzichten, allerdings tragen sie ungemein zu einer guten Atmosphäre bei.
Ebenfalls sehr wichtig ist natürlich die Verpflegung. Auch hier wurde ganze Arbeit geleistet. Zur Auswahl gab es leckere (und von Björn lautstark angepriesene) Hot Dogs für 1,20 Euro das Stück, eine große Auswahl an Schokoriegeln für 0,50 Euro, verschiedene Suppen und selbstgebackene Muffins. Neben dem Spielrundenaushang im Eingangsflur war der Küchentresen also immer ein gerne frequentierter Anlaufpunkt.
Die erste Zeit verbrachten wir erst einmal damit, die bereits erwähnten bekannten Leute zu begrüßen und uns unter das Volk zu mischen, eine schnelle Partie Karten zu spielen oder bereits das eine oder andere Mal nach einer eventuellen Spielrunde Ausschau zu halten. Die Veranstaltung war bereits recht gut besucht, so dass dies kein Problem darstellte. Ich selbst suchte mir ein ruhiges Örtchen und leitete dort bis 2 Uhr in der Nacht eine DSA-Runde. Nach und nach trudelten dann noch weitere Vereinsmitglieder ein, die mit ihren orangefarbenen T-Shirts meist nicht zu übersehen waren.
Ein wenig später in der Nacht fuhren dann diejenigen von uns, die nicht vor Ort im Schlafsack übernachten wollten, wieder mit der Bahn nach hause, um dort das heimische Bett genießen zu können.
Der Samstag
Mein Wecker klingelt. Ein kurzer Blick auf die Digitalanzeige sagt mir: Es ist 8 Uhr, du hast gerade einmal dreieinhalb Stunden geschlafen und es ist Zeit aufzustehen, denn in Kürze fährt deine Bahn nach Hamburg. Aber was einen Rollenspieler nicht tötet, härtet ihn ab! Auch die anderen sahen am Bahnhof noch etwas verschlafen aus. Noch bevor das Bürgerhaus offiziell um 10 Uhr seine Zugbrücke wieder herunterließ, wurden wir eingelassen und gönnten uns erst einmal ein leckeres (und sehr preiswertes) Frühstück mit Brötchen und Kaffee. Wenig später hallten dann erstmals Sätze wie "Ich brauche noch eine Frau, dann gibt's einen Gangbang!" oder "Der Superdildo hat mir gerade noch gefehlt!" durch das Gebäude. Wer jetzt schlüpfriges vermutet, der liegt gar nicht einmal so falsch, ohne dabei aber den wahren Hintergrund zu kennen: Wir hatten das Kartenspiel "Project Pornstar" ausgepackt und spontan einige Partien gespielt. Dieses witzige Kartenspiel sorgte schnell für einige amüsierte Zuschauer, die dann nach und nach auch einmal mitspielten.
Gegen Mittag wurde es dann immer voller, so dass das Angebot an Spielrunden auch stark anstieg. Insgesamt schätze ich die Besucherzahl auf etwa 150 - 170 Leute. Neben den klassischen Rollenspielen wurden auch Brettspiele, Tabletops und Sammelkartenspiele geboten - für jeden war also etwas dabei. Ich selbst fand mich schnell in einer Earthdawn-Runde wieder, genau wie auch alle anderen Vereinsmitglieder eine sinnvolle Beschäftigung fanden. Unser Meister machte seine Sache sehr gut und so vergingen die knapp sechs Stunden auch fast wie im Fluge.
Gegen 19.30 stand dann das nächste Highlight auf dem Programm. Die Crew von Green Abyss leitete das gut vierstündige Live-Cthulhu-Abenteuer "Succeeding Henry Belmont". Wer meine äußerst positiven Kritiken dazu vom letzten Adventure Con oder vom Uni Con des Jahres 2005 gelesen hat, der weiß, dass ich das Wort "Highlight" nicht umsonst gebrauche. Mehr als 20 Leute wollten daran teilnehmen (darunter ganze 9 aus den Reihen unseres Vereins), was Martin (Jungeblut) überrascht, aber sichtlich zufrieden zur Kenntnis nahm.
Das Abenteuer an sich bot wieder einmal die gewohnt gute Unterhaltung: Wir wurden allesamt zu einer mysteriösen Testamentseröffnung in eine Lagerhalle eingeladen. Bei dieser stellte sich heraus, dass unser verstorbener Vater nicht nur ein alter Schwerenöter mit Kindern in aller Welt war, sondern auch irgendwie in den Besitz einer geheimnisvollen afrikanischen Statue gekommen war. Diese wurde sogleich von einem Bewaffneten gestohlen, der sich jedoch nicht allzu lange daran erfreuen konnte, da er selbst Opfer eines Mordanschlages wurde. Doch wie gewonnen, so zerronnen, denn nur kurze Zeit später setzten sich einige falsche Erben mit der Statue ab. Nach und nach fanden wir dann heraus, dass es sich hierbei um ein mächtiges Artefakt handelte. Unsere Suche führte uns nach und nach in einen Pub, eine Irrenanstalt, ein Polizeipräsidium und die Straßen Liverpools. Letzten Endes mußten wir dann feststellen, dass unser Vater doch nicht tot, dafür aber etwas ganz anderes war...
Auch wenn die "Special Effects" (Geräusch- und Lichteffekte) vielleicht nicht ganz so ausgefeilt waren wie im vergangenen Jahr, so wußte der Plot wieder einmal vollends zu überzeugen. Ein ganz großes Lob geht auch die NSCs, die ihre Rollen wieder einmal hervorragend spielten und neben den liebevoll gestalteten Requisiten für eine großartige Atmosphäre sorgten. Es gab am Ende keinen einzigen Mitspieler, der nicht seinen Spaß an der Sache hatte.
| Eine ausführlichere Zusammenfassung des Cthulhu-Live-Abenteuers und ein großer Stapel Fotos befindet sich übrigens auf der Homepage von Green Abyss. |
Gegen 1 Uhr nachts ging es dann für mich und einige andere wieder Richtung Heimat zurück.
Der Sonntag
Mein Telefon klingelt. Ich krabbele aus dem Bett und erkenne am Telefon Ians Stimme, der fragt, ob ich heute auch wieder mit zum Adventure Con komme. Nun, denke ich mir, da ich eh schon wach bin, ist das eigentlich eine sehr gute Idee. Ein paar Anrufe später ist eine Fahrgemeinschaft in Walters blitzendem Ferrari organisiert und wir befinden uns auf dem Weg nach Hamburg, wo wir gegen 14 Uhr auch eintrafen.
Das Bürgerhaus hatte sich - das ist wohl Schicksal aller Conventions - merklich geleert. Wir ließen es erst einmal ganz ruhig angehen und holten erneut die "Project Pornstar"-Karten heraus, um einige Runden zu spielen. Schnell fanden sich dazu auch die nötigen Mitspieler. Nachdem wir danach noch ein wenig bei den anderen Rollenspielrunden vorbei geschaut hatten, ging es gegen 17 Uhr wieder zurück. Dieser Sonntag fiel somit eindeutig in die Kategorie "Entspannter Ausklang" - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Fazit
So einiges habe ich in meinem Bericht ja schon gesagt. Ich denke, es ist bezeichnend, wenn fast die Hälfte unserer aktiven Vereinsmitglieder sich dazu bereit erklärt, eine Convention (viele davon zum allerersten Mal) zu besuchen und am Ende niemand dabei ist, der sich irgendwie gelangweilt hat. Den Veranstaltern sei an dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Lob ausgesprochen: Über die Jahre hinweg hat sich der Adventure Con zu einem Prunkstück unter den norddeutschen Conventions gemausert - nicht zu klein, aber auch nicht zu groß, um nicht mehr als "gemütlich" durchgehen zu können. Dazu trägt auch viel die familiäre Atmosphäre bei - man kennt sich eben und weiß, dass man willkommen ist.
Sven
