Zehn Jahre NordCon

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Vom 20. bis zum 21. Mai 2006 fand im Hamburg-Haus Eimsbüttel bereits zum zehnten Male der traditionelle NordCon statt, seines Zeichens "der unter den Fantasyspiele-Cons größte Event seiner Art in ganz Europa". Seit drei Jahren wird diese Veranstaltung ja von einer bewährten Crew aus den vier wohl bekanntesten Rollenspielvereinen Norddeutschlands (siehe Textkasten) organisiert und für das Jubiläum hatte man sich natürlich etwas ganz besonderes vorgenommen. Ob sie dabei Erfolg hatten und die Kosten und Mühen auch gelohnt haben, sollte sich nun an einem einzigen Wochenende entscheiden. Bereits im letzten Jahr, beim NordCon 2005 hatte man auf der Rückseite des Programmheftes ja stolz den Termin für die Folgeveranstaltung präsentieren können. Es soll tatsächlich nicht wenige begeisterte Rollenspieler geben, die sich dieses Datum bereits Monate vorher dick im Kalender eintragen und dann die Tage zählen, bis es endlich wieder NordCon-Zeit ist. Und so vergingen die letzten Tage vor der Veranstaltung auch quälend langsam, bis das Hamburg-Haus um 10 Uhr am Vormittag des 20. Mai 2006 seine Pforten öffnete.

Neben den "Störtebekers Erben" und der "Loge", die bereits seit zehn Jahren den NordCon auf die Beine stellen, sind seit einigen Jahren auch die Jungs und Mädels des SDNV (Sodalitas Dei Nomine Vacantis) und unsere Mitstreiter aus Schleswig-Holstein vom RSCT 94 (Rollenspielclub Tornesch) federführend an der Organisation des NordCons beteiligt. Im Laufe der Jahre hat sich ein eingespieltes Team aus engagierten Leuten zusammengefunden, welche es sich zum Ziel gesetzt haben, einmal im Jahr eine gelungene Convention auf die Beine zu stellen. Doch auch abseits des NordCons sind diese vier Vereine in der Szene sehr aktiv. Ihr interessiert euch also für das Rollenspiel, unternehmt gerne etwas mit Fantasy-Interessierten oder wollt einfach mal gerne in dieses Hobby hereinschnuppern? Dann seid ihr bei den Erben, den Logisten, den "Anhängern des namenlosen Gottes" (Übersetzung des Vereinsnamens, auch wenn das viele nicht mehr gerne hören...) oder den Torneschern genau richtig! Nähere Informationen zu den Vereinen und weitere Veranstaltungen gibt es auf den jeweiligen Homepages.

Inhaltsverzeichnis

Die Location: Das Hamburg-Haus

Zentral im Stadtteil Eimsbüttel gelegen, bietet das Hamburg-Haus seit nunmehr zehn Jahren dem NordCon eine Heimat. Den meisten Gästen ist dieses Gebäude inzwischen sehr vertraut und rollenspielerisch fast schon eine zweite Heimstatt geworden, für alle anderen sei die Location noch einmal kurz beschrieben: Die zentrale Anlaufstelle bildet eine große Halle, in der zahlreiche Händler ihre Stände aufgebaut haben. Ob man nun die neuesten Erscheinungen aus dem Pen&Paper-Bereich begutachten wollte, sich für LARP-Zubehör, Bücher, Brettspiele oder die Unmengen an Accessoires und Zubehör interessierte, der "mystische Markt" (so die Bezeichnung) bietet jedes Jahr wieder eine große Auswahl. Direkt daneben liegt ein großer Saal, der die meiste Zeit von den Tabletoppern genutzt wird und am Sonntag abend für die große Abschlußveranstaltung eine gelungene Bühne bietet. Daneben findet man zahlreiche, teilweise ein wenig versteckte Räume für Rollenspiele, Workshops und Vorlesungen. Abgerundet wird das ganze durch ein Café, welches von den Winterhuder Werkstätten betrieben wird und den hungrigen Besucher zu relativ zivilen Preisen mit Chili, Nudeln Brötchen und kleinen Snacks versorgt.

Direkt vor dem Hamburg-Haus befindet sich der Wehbers-Park, eine große Rasenfläche, auf der in jedem Jahr der Mittelalter-Markt mit etlichen Zelten aufgebaut ist und die LARPer ihrem Hobby nachgehen. Erstmals war hier in diesem Jahr auch eine große feste Bühne für Live-Auftritte von Bands aus der Szene aufgebaut. Direkt hinter dem Park: Ein Kindergarten, die "Villa", die seit einigen Jahren für zusätzliche Rollenspielrunden genutzt werden kann und im Gegensatz zum Hamburg-Haus auch in der Nacht geöffnet ist.

Und wie wurde dieser ganze Platz nun genutzt?

Mit dem Programm hatten sich die Veranstalter in diesem Jahr besondere Mühe gemacht, denn gerade zum zehnjährigen Jubiläum wollte man einen Event auf die Beine stellen, der seine Vorgänger in den Schatten stellen sollte. Vorab kann ich vielleicht schon einmal sagen, dass dieses Vorhaben leider nicht ganz geglückt ist, was aber gewiß nicht an den vielen Highlights lag, die ihren Weg in den dicht gedrängten NordCon-Zeitplan gefunden hatten.

Wer sich für Lesungen bekannter Autoren aus der Fantasy-/Science-Fiction-Szene interessierte, der konnte aus einem wirklich reichhaltigen Angebot wählen: Bekannte Autoren wie z.B. Karl-Heinz Witzko ("Die Gezeitenwelt"), Tom Finn ("Der Funke des Chronos"), Markus Heitz ("Die Rache der Zwerge"), Christian Günther ("Rost"), Monika Felten ("Die Feuerpriesterin") oder Boris Koch ("Einmal Jenseits und zurück") lasen aus ihren Werken und standen auch für Gespräche mit ihren Fans zur Verfügung.

War eine solche Lesung beendet, konnte man eigentlich gleich auf seinem Platz sitzen bleiben und sich danach einen der dreißig Workshops ansehen. Auch hier war quasi für jeden Geschmack etwas vertreten: Von den obligatorischen Info-Veranstaltungen zu den Systemen DSA, Shadowrun und Cthulhu einmal abgesehen, gab es Workshops zum Schreiben von eigenen Abenteuern, Rhetorik, Werwölfen, mittelalterlichen Waffen und vieles mehr. Selbst exotische Themen wie historische Kochbücher, Nähen und Töpfern oder "Pimp my campaign" wurden angeboten und sorgten für rappelvolle Veranstaltungsräume. Außerdem wurde auf dem NordCon erstmals exklusiv das neue DSA-Computerspiel "Drakensang" präsentiert.

Doch stehen wir ein wenig auf und vertretens uns die Beine auf der Wiese, wo uns Gaukler, verschiedene Bands, die stets auffälligen Jugger und LARPer über den Weg laufen. Noch nicht genug? Wem das nicht reichte, der konnte an einem der Schaukampfturniere teilnehmen, sich bei der Dice-Challenge die Würfel um die Ohren hauen oder abends der spektakulären Feuershow zusehen. Oder man nahm am spaßigen Zamonischen Lügenduell teil, welches sich gerüchteweise ein gewisser Walter Moers auch schon einmal inkognito angesehen hat und welches nach Aussage aller Besucher ein echtes Highlight darstellte.

Auch die "Klassiker" durften natürlich nicht fehlen: Insgesamt wurden über 180 verschiedene Rollenspielrunden in mehr als 60 Systemen angeboten - eine Auswahl, die wirklich für jeden etwas bereit halten sollte. Die Spielrunden wurden wie gehabt immer erst 2 Stunden vor Beginn zum Eintragen ausgehängt, so dass man zu jeder vollen Stunde eigentlich immer etwas finden konnte und nicht bereits alles belegt war. Alternativ konnte man sich auch zu einem gemütlichen Brettspiel wie etwa dem Klassiker "Hero Quest" (in einer stark überarbeiteten Variante) zurück ziehen. Außerdem hatte der NordCon in diesem Jahr erstmals die Jungs und Mädels der Kieler Gruppe Green Abyss zu Gast, die am Samstag ein Cthulhu-Live-Abenteuer anboten und ihre Sache wie immer phantastisch machten.

Nun könnte man meinen, der erschöpfte Rollenspieler würde nach diesem Programm erschöpft abend die Schlafplatzaktion in der nahegelegenen Christuskirche nutzen und dort todmüde in seinen Schlafsack fallen? Gelächter. Wem der Sinn danach stand, der konnte nachts mit dem kostenlosen Bus-Shuttle in den "Headbanger's Ballromm" zur Mittelalternacht fahren oder seine Spielrunde im urgemütlichen "Zaubertrank" auslagern.

Alles in allem wurde den Besuchern ein buntes und abwechslungsreiches Programm geboten, bei dem wohl jeder auf seine Kosten kommen sollte.

Der Haken an der Sache: Das Wetter

In den letzten Jahren lachte am NordCon-Wochenende ja stets die Sonne, so dass man fast schon vom "traditionellen NordCon-Wetter" sprechen konnte. Ausgerechnet zu diesem Jubliäum sah es aber anders aus, denn der Frühling hatte noch keinen Einzug in unsere norddeutschen Gefilde gehalten. So erwarteten die Besucher anstatt strahlenden Sonnenscheins zumindest am Samstag graue Wolken und zum Teil heftige Regenfälle. Erst am Sonntag wurde das Wetter dann besser. Die Folge: Im Vergleich zum letzten Jahr, wo sich an beiden Tagen zusammen etwa 7.000 Besucher auf dem NordCon tummelten, war es an diesem Wochenende deutlich lehrer. Meine Schätzungen liegen bei etwa 4.000 bis 5.000 Besuchern, wobei der NordCon immer noch die mit Abstand größte Fantasy-Convention Deutschlands wäre. Ein wenig schade war es allerdings, da natürlich das Programm auf der Wiese unter den Witterungsbedingungen zu leiden hatte und viele Besucher sich vermutlich garnicht erst auf den Weg zum Hamburg-Haus gemacht hatten. Diejenigen, die dort waren, hatten aber trotzdem ihren Spaß, denn "kleinere" Widrigkeiten (z.B. eine Bühne mit 15.000 Euro teurem Equipment, welches abzusaufen droht) können einen echten Rollenspieler ja bekanntlich nicht umhauen.

Fazit und Ausblick

Der NordCon 2006 war trotz der äußeren Umstände eine gelungene Veranstaltung. Wäre der Wettergott uns gnädiger gewesen, hätte sie sogar eine grandiose Veranstaltung werden können, doch zumindest der vom Wetter her bessere Sonntag wußte dann halbwegs wieder zu entschädigen. In einigen Teilen wirkten sich die geringeren Besucherzahlen auch durchaus positiv aus: Der mystische Markt war nicht ganz so überfüllt wie im letzten Jahr, so dass man besser an den Ständen der einzelnen Händler stöbern konnte, ohne dabei von vorbeigehenden Menschen angerempelt zu werden. Programmpunkte und Spielrunden, die im Gebäude stattfanden, erhielten natürlich einen viel besseren Zulauf und waren zum weitaus größten Teil voll ausgelastet. Das Feedback zum NordCon war mit kleinsten Ausnahmen sehr positiv und läßt hoffentlich auf ein ebenso erfolgreiches NordCon-Jahr 2007 hoffen - dann aber mit 25 Grad und einer sanften Frühlingsbrise...

Sven

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