Weihnachtsfeier (16. Dezember 2006)
Aus RSCT94
|
Bericht - Bildergalerie |
Wir schreiben das Jahr 2994. Fast lautlos gleitet der pangalaktische Zerstörer "Disruptor I." durch die Leere zwischen den Sternen der äußeren Galaxie. Sogar das gewaltige Dröhnen der vier Ionenantriebe, welchen den stählernen Koloss bewegen, ist nur als leises Rauschen im Hintergrund zu hören. Dies ist die zerstörerischste Waffe der Universums, das Flaggschiff der Raumflotte des allmächtigen Imperiums. An seiner Spitze: General Morgul der Grausame. Eben jener General Morgul, dem in diesem Moment eine Ader auf der Stirn zu platzen droht und dessen Gebrüll durch das Raumschiff gellt:
"IGOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOORRRR!"
Der vor Zorn lodernde Blick General Morguls streift durch die Brücke der Disruptor, welche einem altertümlichen Thronsaal gleicht. Nachdem er zahlreiche schwarzuniformierte Männer und Frauen gestreift hat, die allesamt vor Angst zusammenzucken, bleibt er schließlich an einem kleinen Kerl in einem hellen Anzug und mit einem Strohhut auf dem Kopf kleben. Igor, sein Scherge.
"J-ja, Herr und Meister?"
"WIE KONNTE ES GESCHEHEN, DASS DIE REBELLEN SCHON WIEDER DREI UNSERER SCHIFFE VERNICHTET HABEN? WARUM WURDE DIE ERDE NICHT SCHON LÄNGST ZERBRÖSELT, SO WIE ICH ES BEFOHLEN HABE?!?"
"Äh... na ja..."
Aus dem Hintergrund schiebt sich eine weitere Gestalt hervor: Der namenlose Scherge, seines Zeichens Mann für alles - auch, seinen Mitschergen aus so manch peinlicher Situation zu helfen.
"Die Rebellen nennen sich Rollenspielclub Tornesch 94. Sie haben uns überrascht. An Zahl und Bewaffnung sind sie uns weitaus unterlegen, aber sie kämpfen mit einer derartigen List und Tücke, dass man meinen könnte, sie hätten sich seit eintausend Jahren darauf vorbereitet..."
Für General Morgul eine wenig zufriedenstellende Antwort. Er zwirbelt seinen imposanten Schnurrbart zwischen den Fingern und hebt brüllend den Kopf.
"UND WIE WERDEN WIR DIESES PROBLEM LOS?!?"
Betretenes Schweigen. Schließlich schälen sich drei weitere Gestalten aus der verschüchterten Menge hervor. Oder, um es anders auszudrücken: Sie waren nicht schnell genug, um wie die anderen einen Schritt zurück zu treten: "Hau" und "Druff", die beiden "Minister für handfeste Angelegenheiten und deren Lösung". An ihrer Seite ein weiterer Scherge, genannt "Die Stimme", der Verantwortliche für "Propaganda und semi-freie Meinungsbildung".
"Wie wäre es, wenn wir mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zurück reisen? Damals war dieser Rollenspielclub Tornesch noch nicht so mächtig und es wäre ein leichtes, ihn zu vernichten..."
Ein diablisches Grollen ist aus General Morguls Kehle zu vernehmen. Ihm scheint dieser Plan zu gefallen.
"GENAU SO MACHEN WIR ES. EIN GRANDIOSER PLAN VON MIR!!!"
"Ja, General Morgul! Ihr seid wie immer genial!"
"Meister, was für eine Meisterleistung eures durch und durch bösen Verstandes!"
"Ich bereite dann schon einmal die Zeitmaschine vor..."
So oder so ähnlich mag sich diese Szene als Vorgeschichte zu unserer Weihnachtsfeier zugetragen haben - oder besser gesagt: Wird sich in der fernen Zukunft noch zutragen. General Morgul und seine Schergen steigen also in ihre Zeitmaschine und lassen sich in die Vergangenheit zurück versetzten, um dort knapp eine Woche vor Weihnachten 2006 die zukünftige Rebellengruppierung und letzte Hoffnung der Menschheit zu vernichten...
... und damit wären wir auch schon umgehend bei unserer Weihnachtsfeier 2006.

Wer kennt sie nicht, diese herrlichen alten Science-Fiction-Streifen mit klangvollen Titel wie "Invasion from outer space" oder "Nazi-aliens attack the world". Filme, in denen schlechte Schauspieler in noch viel schlechteren Alienkostümen durch Pappkulissen stolpern und Oberfieslinge zum Teil erstaunliche Ähnlichkeit mit politischen Führern des Ostblocks haben. Eines haben all diese Oberbösewichte gemein: Sie machen selten kurzen Prozeß mit ihren Opfern. Nun, auch General Morgul ist ein Vertreter dieser Gattung, denn als passionierter Spieler gibt er sich natürlich nicht damit zufrieden, seine Feinde einfach so umzulegen und dann wieder in der Zukunft zu verschwinden. Nein, er (na ja... schreiben wir ihm diesen Plan einfach mal zu...) hat sich etwas viel perfideres ausgedacht: In dem Wissen, dass sie es aufgrund ihres minderen Intellekts sowieso nicht schaffen werden, teleportiert er die Mitglieder des Rollenspielclubs nacheinander in ihre eigenen Phantasiewelten, die sie mit ihrem Hobby selbst erschaffen haben. In jeder dieser Welten gilt es, ein Teil eines uralten Artefakts zu bergen und somit vielleicht eine winzige Chance auf Rettung zu erhalten. Ihr Versagen wird ihnen um so deutlicher zeigen, dass sie nichts als Würmer sind im Vergleich zu seinem wahnsinnigen Genie. Natürlich werden sie versagen.
Oder etwa nicht...?
|
Cast Mitspieler |
Nun, genau diese Frage sollte während unserer diesjährigen Weihnachtsfeier geklärt werden. Immerhin 20 Spieler hatten sich an diesem Tag eingefunden, um in unterschiedlichen Szenarien jeweils die Chance zu erhalten, ein Bruchstück einer alten Steinplatte zu ergattern. Die Bandbreite dieser Abschnitte war dabei sehr breit: Eine Gruppe fand sich unversehens in den 20er Jahren wieder, nur um zu erkennen, dass man sich offensichtlich im Cthulhu-Universum befand und selbst eine Gruppe mordlüstiger Psychopathen war. Eine andere Gruppe reiste in das Aventurien der Vergangenheit zurück und spielte eine zünftige Variante des Abenteuers "Borbarads Fluch" inklusive einem beinahe explodierenden Atomreaktor, freundlichen Aliens und einem nicht ganz so klassischem Dungeon. Doch auch andere Bereiche unserer Vereinsaktivitäten wurden abgedeckt: Eine Partie Tischkicker gegen Daniel stand ebenso auf dem Programm wie eine Runde Roborallye gegen Walter oder ein Simultan-Schach gegen Merten. Da General Morgul ein Oberbösewicht der alten Schule ist, hatte er (na ja... ihr wißt schon...) sich noch etwas besonders perfides ausgedacht: Die Zusammensetzung der Gruppen wechselte nicht nur zwischen den einzelnen Runden, sondern auch während der laufenden Sitzungen. So konnte es vorkommen, dass ein Spieler während eines Abenteuers auf einmal dematerialisierte und durch einen anderen ersetzt wurde. Spaßig wurde das ganze dann, als z.B. Chrissy bei einem Risus-Abenteuer, bei dem es darum ging, den Titel der "Miss Tornesch" zu gewinnen, auf einmal verschwand und durch Timo ersetzt wurde... und dann kein einziges Mädel in der Runde verblieb...
Zudem standen die Spieler unter einem enormen Zeitdruck, denn nach exakt anderthalb Stunden wurden sie wieder aus der jeweiligen Welt heraus teleportiert - egal, wo sie sich gerade befanden. So kam es auch vor, dass das gesuchte Artefakt bereits in Reichweite war, aber genau in diesem Moment die so wichtige Zeit ablief und die Spieler mit leeren Händen zurückkehren mußten...
Nachdem dann jeder Mitspieler an insgesamt drei Durchgängen teilgenommen hatte, stand das furiose Finale bevor, an dem dann alle Spieler gleichzeitig teilnahmen. Zunächst einmal galt es, die Schergen "namenloser Scherge" (Carsten) und "Igor" (Walter) im Twister zu besiegen, um weitere Artefaktteile zu erobern. Dies verlief auch mehr oder weniger erfolgreich - es mußte niemand danach ins Krankenhaus eingeliefert werden, was bei Rollenspielern in Verbindung mit körperlichen Aktivitäten ja schon eine Menge bedeutet. Außerdem wurde Mirko von den Spielern erwählt, eine Runde "Wer wird Millionär?" zu spielen, wobei er sich sehr wacker schlug. Für jeden Joker, den er einsetzte, wurde ein Mädel aus der Schar der Mitspieler an General Morgul ausgeliefert, der sich - auf seine eigene Art - mit ihnen vergnügen konnte. Außerdem gab es eine Runde "Vier gewinnt" und eine Suche nach einem im Stadtwerkehaus versteckten Teil der Platte.
|
Wer vermutet, dass ein derart verzwickt-genialer Plot nur das Ergebnis wochen-, wenn nicht gar monatelanger Arbeit kreativer Genies sein kann, der hat natürlich recht. Nur böse Zungen behaupten, dass die Idee und Umsetzung dieser Weihnachtsfeier das Ergebnis einer feucht-fröhlichen Planungsrunde im "Down Under" und vielleicht einer Handvoll Mails war... |
Gegen 21.30 Uhr hatten die Spieler dann die gesamte Platte zusammen und konnten nach einigem Rätseln auch tatsächlich die Lösung auf die darauf befindliche Rätselfrage herausfinden. Die Welt war also wieder einmal gerettet und General Morgul mußte sich mit seinen Schergen wieder zurück ziehen... aber mit einer Zeitmaschine kann man es ja einfach irgendwann noch einmal probieren, nicht wahr?
Alles in allem lief unsere Weihnachtsfeier einmal wieder sehr gut und wir glauben, dass es unseren Spielern sehr viel Spaß gemacht hat. Gerade die Kombination aus vielen verschiedenen Spielwelten, Live-Elementen und Gesellschaftsspielen erntete ein recht positives Echo. Zusätzliche Spannung entstand dadurch, dass sich die Spieler stets bewußt waren, dass die einzelnen Runden nach spätestens anderthalb Stunden enden würden und sie somit unter einem gewissen Zeitdruck standen. Dies unterband potentielle Regeldiskussionen, Raucherpausen oder unnötige Aktionen schon im Keime - eine willkommene Erfahrung für jeden Spielleiter.
Ein großer Dank geht an: Daniel für das Basteln der Steinplatte, Chrissy für's Schminken, Ian für's Geschminkt-werden ("Nehmen wir Ian dafür, der macht jeden Scheiß mit...") und natürlich an alle Mitspieler, die so gut mitgemacht haben.
