Uni Con 35
Aus RSCT94
Wir hatten verschlafen.
Genau das eben. Der Freitag war mit Phileasson derart ausgefüllt gewesen, dass uns das Aufstehen am Samstag sichtlich schwer fiel. Mirco und meine Person (Marie) quälten uns förmlich zur Tür und fuhren dank Svens Motivationsarbeit gänzlich ohne Erwartungen in Richtung UniCon. – Tatsächlich glaubten wir, ohnehin keine Runden mehr zu bekommen, geschweige denn überhaupt welche zu entdecken. Nach einer Stunde akribischen Suchens („Hier sind keine Schilder!“ – „Klar.“ – „Aber die sind ja gelb!“) fanden wir das Gelände der Con.
Die Räumlichkeiten der Christian-Albrecht-Universität Kiel präsentierten sich als groß. Wir hatten sowohl Samstag als auch Sonntag einen Raum, der ganz und gar uns gehörte. Sehen wir von dem leichten Hallen in den Räumen ab, hätte man sie als Traum bezeichnen können. – Neben Platz, Abgeschiedenheit und Ruhe, gab es Tafeln und wenige Stühle, die sogar gepolstert waren. Für die anspruchsvolleren Spieler, meine ich.
Samstag, 09.08.2008
Nach genannten Schwierigkeiten erreichten wir jenen Teil des weitläufigen Unigeländes, der die UniCon beherbergte. Der Mann an der Kasse war ein komischer Kauz, aber unheimlich nett, genau wie der Rest der Helfer. Ein Aushang in der Mitte des „Empfangsraumes“ verkündete, es gäbe LARPs in Hülle und Fülle. Ein Vampire-LARP und ein kleines Fantasy-LARP sind mir im Gedächtnis geblieben. Die Räumlichkeiten der Brettspieler erstreckten sich über einen sehr langen Flur. Wenngleich ich keine Ahnung von der Materie habe, behaupte ich, sie waren sehr glücklich mit dem Platz, den man ihnen gelassen hatte. Etwas schläfrig begannen sie, ihre Platten aufzubauen und über den Ernst ihres Hobbys zu diskutieren.
Als fanatische Rollenspieler steuerten wir derweilen den Rundenaushang an. Diverse Stände, die allerlei Regelsysteme, Würfel und Ähnliches anpriesen, fielen uns ins Auge. Auch ein etwas persönlicherer Stand, der dem freien Regelsystem Elrador, einer Kreation einiger mutiger Rollenspielpioniere, gehörte, fiel uns ins Auge. Der Rundenaushang überraschte uns. Was auch immer wir erwartet hatten, es war falsch gewesen. – Zuerst einmal aufgrund der Menge der Meister, die ihre Runden feilboten, zum anderen jedoch, da die Runden größtenteils recht leer waren. Ich mutmaßte daraufhin, dass wir Kieler einfach zu kreativ seien und Inga, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, stimmte mir zu. Inga war – oder ist – eine Abgesandte Elradors, zuständig dafür, Spieler wie uns für das fremde System zu motivieren. Da unsere DSA-Runde erst um 15:00 Uhr beginnen sollte (und wir bisher die einzigen, eingetragenen Spieler waren), ließen wir uns dazu hinreißen, mit Inga Charaktere für ihr System zu erstellen.
Dieses war unkonventionell, einfach in der Handhabung, zeigte sich farbenfroh und facettenreich. Trotz Versprechungen blieb uns ein tieferer Blick auf dieser Con verwehrt. – Was Schade war. Das Conwochenende hätte ruhig länger sein können.
Nichts desto trotz war der Samstag damit noch nicht beendet. Wir trudelten frohen Mutes bei Rico ein, einem Materialkundler aus dem Süden des Landes, der uns und Frank (kurioser Typ, was nicht unbedingt positiv ist), bis 23:00Uhr unterhalten sollte.
Ricos Abenteuer war nett und er selbst hatte einen makellosen Stil, was das Leiten anbelangte. Seine Beschreibung der schwarzen Lande verursachte bei einem jeden eine Gänsehaut und die Tragik, die hinter der Geschichte steckte, ging zu Herzen. Im Groben geschah Folgendes:
Wir, eine Fasarer Magierin, ein maraskanischer Schwertgeselle und ein mehr als hochadliger Krieger-Baron mit einem angeblichen Sozialstatus von 17 (!!!), wurden festgenommen. In Perainefurten, Weißtobrien. Nach einem kurzen, verbalen Gerangel ergaben wir uns unseren disziplinierten Häschern und wurden zu Weibel Wenzelhaus geführt, der uns erklärte, dass dies eine List sei. Er wollte unseren Ruf ruinieren, um uns ins Feindesland zu schicken. Wir sollten Oberst Künne finden, einen tobrischen Helden, der die Truppen an der Front befehligte und als eine Art Hoffnungsträger erschien. Wir stimmten zu passablen Konditionen zu und wurden prompt ins Gefängnis geworfen. Ein kleiner Geheimgang führte in Richtung Wald, der wiederum einen Weg in Richtung jener Stadt offenbarte, die direkt an der schwarztobrischen Grenze lag und unseren Kontaktmann beinhaltete. Derweilen Mirco in Gestalt von Saidoran einige äußerst amüsante Versuche benötigte, sein Pferd anzutreiben, schlug meine Magierin sich mit unserem dritten Mann, jenem völlig überkandierten Hochadligen, herum. – Dieser hatte übrigens zu Anfang des Abenteuers ein Schwert, welches spontanen Blutrausch auslöste, 2W6 Extraschaden machte, magische Boni hatte, die den Führer von Siebenstreich hätten erblassen lassen und auch sonst sehr D&Disch war. Nichts dagegen, Freunde, aber der war übertrieben. Etwas mehr und er hätte Borbarads Halbgöttlichkeit Konkurrenz gemacht. Im Übrigen hat er nie eine Probe vermasselt, was mich aufgrund seiner gewürfelten Zahlen daran zweifeln ließ, dass er überhaupt darauf achtete, was er tat. „Ich habe bisher online gespielt.“, erklärte er uns in einer Essenspause. Auf die Frage hin, ob sein Charakter erfahren sei, erwiderte er, er wisse es nicht. Mirco las anhand seiner AP-Anzahl, dass er etwa halb so erfahren war wie unsere Charaktere. Sehr komisch.
Weiter im Text: In Ebelried fanden wir heraus, dass Oberst Künne einen mysteriösen Brief erhalten hatte. Dieser wurde vom Stalljungen überreicht, der Stein und Bein schwor, dass das Siegel zu dem Zeitpunkt, als er den Brief in der Hand hielt, noch geschlossen war. Ein „Blick in die Gedanken“ offenbarte, das er log. In dem Brief stand (und in seinen Gedanken auch), dass Oberst Künne (bezeichnet als „Vögelchen“) von einem „Schmied“ in ein schwarztobrisches Wäldchen befohlen worden war. Selbstverständlich machten wir uns sofort auf den Weg dorthin, überquerten mit Mühe den Fluss und fanden den gefolterten Oberst Künne. Dieser war gar kein Oberst, wie er offenbarte, sondern ein Hochstapler. Ein Barde. – Trotz allem müsse er leben, entschied ich, für Weißtobrien, für den Widerstand! Er versprach mir mitzukommen, wenn wir ihm das von Ingerimm gesegnete Artefakt beschafften, welches ihm sein Bruder entwendet hatte. Das taten wir, denn der Agrimoth-Paktierer war uns ohnehin unsympathisch.
Wir kehrten zurück und waren Helden. Unser Ruf ist mittlerweile bereinigt und so verbrannten uns die Bannstrahler auch nicht aufgrund häretisch Handlungen. – Schöne Sache. Wir waren zufrieden.(Marie)
Sonntag, 10.8.2009
Obwohl wir uns am Vortag lose mit den Leuten vom Rollenspiel Elrador verabredet hatten, wenn schon nicht Samstag, dann wenigstens am Sonntag an einer ihrer Runden teilzunehmen, haben wir uns mit unserem Spielleiter so gut verstanden, dass wir beschlossen, mit ihm und zwei anderen Mitspielern, Katja und Kristian, eine weitere DSA-Runde zu verbringen.
(Wir hatten Inga von den Elrador-Leuten gegenüber angemerkt, dass unser Verein im Oktober eine Convention abhält und sie gerne erscheinen könnten. Mit ein bisschen Glück sind sie uns nicht böse und wir kommen schließlich doch noch in den Genuss einer Proberunde) Marie hatte sich diesmal zum Spielleiten bereit erklärt und verbrachte noch einen geraumen Teil der Nacht mit der Vorbereitung ihres Abenteuers. Das kam zwar dem Schlafpensum nicht zugute, der Qualität des Abenteuers aber sehr wohl. Das ist zumindest meine - nicht zwangsweise objektive - Meinung. Aber auch meine Mitspieler schienen ihren Spaß zu haben.
Ich wurde verpflichtet, nicht allzu viel über die Handlung des Abenteuers zu verraten, damit Marie es noch im Verein und bei vielen weiteren Conventions leiten kann. Grob gesagt geht es jedoch um eine laufende Truhe, die seinem Besitzer abhanden kommt, nachdem er sie losgeschickt hatte, einen Gegenstand zu überbringen. Zudem kamen mindestens eine maraskanische Familie, Dämonen und ein sehr suspekter Büttel darin vor. Wir hatten wieder einen großen Raum für uns alleine, in dem vier Spielrunden hätten stattfinden können. Ich hatte den Eindruck, dass die Strategiespieler stärker vertreten waren als die Rollenspieler. Vielleicht kommen nächstes Jahr mehr Vereinsmitglieder mit, um das Verhältnis ein wenig zu ändern. Möglicherweise ist nicht alles optimal gelaufen. Ich hörte von Frank (unser Mitspieler am Samstag), dass die Shadowrun-Runde, für die er sich eingetragen hatte, 3 Stunden früher als geplant (und ohne ihn) begann. Aber wenn es ansonsten wird wie in diesem Jahr, erwartet euch eine sehr entspannte Con mit netten Leuten und Spielrunden, die noch ein paar Spieler vertragen können. (Mirco)
