Typischer Ablauf

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RatCon 2002
Ein typischer Ablauf


Dies soll ein Bericht sein, über den meiner Ansicht in etwa typischen Verlauf einer RatCon anhand einer Begleitung meiner durch diese achtundvierzig Stunden. Er soll exemplarisch für alle Besucher stehen, auch wenn jeder natürlich seine individuelle Art und Weise hat, eine Con zu genießen und ihre Möglichkeiten zu nutzen. Viele werden ihre Stunden dort ganz anders verbracht haben, aber ich glaube, das Grundprinzip eines RatCon-Aufenthaltes und einige Beobachtungen sowie der hineinzuinterpretierende Gesamteindruck werden annähernd identisch sein. Viel Spaß damit.

Walter

Zum Abschluss einer zweiwöchigen Urlaubsodyssee mit wenig Schlaf und viel Spaß ausgerechnet die RatCon aufzusuchen, bedarf schon eines gewissen Maßes an Verrücktheit und völliger Unterschätzung der eigenen körperlich-geistigen Möglichkeiten. Und doch habe ich es überlebt. Sogar mit einem breiten, zufriedenen Grinsen im Gesicht.

Ankunft, Freitag den 6.9.02: Altbekanntes Bild ungeduldig schlangestehender Rollenspieler und sonstiger Verrückter, die den Eingang des Fritz-Henßler-Hauses blockieren.

Etwa 20 Minuten später: Nach hartem Kampf in der Menge mit dem überbreiten Rucksack endlich im Gebäude angekommen und sogleich zwecks Schlafplatzsicherung in die Gymnastikhalle gestürzt. Dort der schon vertraute, alljährliche, muffelige und sonntags auch meist schon ins faulige spielende Geruch von Hunderten verschwitzten Conteilnehmern. Schnell das Gepäck hingeworfen, Isomatte und Schlafsack ausgebreitet, mit den wichtigsten Utensilien (Wasserflasche, ein W20, ein W6, Kuli, zwei Helden) den Raum verlassen und auf ging es: Con-Atmosphäre schnuppern - und zwar bessere als in der Gymnastikhalle.

18.55 Uhr: Erster Abstecher in den Battle-Tech-Kellerraum. Überwiegende Anzahl der Anwesenden trägt Militärklamotten oder war eindeutig in Wacken. Merkwürdigen Blicken begegnet, die aussagten "Du willst hier also mal reinschauen? ...nun gut....aber gern gesehen bist du hier nicht, Fremder....du in deinem rot-orange-gelben Shirt....."

19.00 Uhr: Anmeldetisch für das multiparallele DSA-Abenteuer entdeckt. Wer mit drei W20 die niedrigsten Zahlen würfelt, gehört zu den sechsunddreißig Auserwählten des heutigen Tages. Mit großer Souveränität (Stichwürfeln) in den erlauchten Kreis eingezogen. Beginn 20.00 Uhr.

19.10 Uhr bis 19.55 Uhr: Rundgang durch das gesamte Gebäude. Siebzig Prozent der Conbesucher tragen schwarze bzw. dunkle Kleidung, die meisten davon stehen offensichtlich auf Heavy Metal oder Drachen. Beliebt auch der Militärlook. In Keller, Erdgeschoss und draußen auf dem Zeltplatz hauptsächlich "Shadow Run" und andere SF-Runden, im ersten bis dritten Stock hauptsächlich DSA- und andere F-Runden. Zufall?... Einige alte Bekannte aus den Vorjahren selbst gesichtet, von anderen angesprochen worden. Mein gutes Personengedächtnis erwies sich mal wieder als ungeheurer Vorteil ("ähm....hallo.....du.....ähm...natürlich erinnere ich mich noch.....das war doch letztes Jahr als wir....vorletztes? ....ja, genau.....jetzt wo du es sagst....hätte ich eigentlich auch selber darauf kommen können...."). Das Gebäude ist wie immer vollgepfropft bis auf den letzten Platz, nun ja, vielleicht nicht ganz so voll wie letztes Jahr. Standardstände im Eingangsbereich und vor dem Kinosaal. Cafeteria dieses Jahr perfekt ausgestattet. Warmes Essen sogar bis drei Uhr nachts erhältlich. Morgenkaffee/tee allerdings leider erst ab acht. Trotzdem großes Lob, auch wegen der Preise.

20.00 Uhr: Beginn MPA. Allgemeine Erläuterungen. Inhalt: Regatta von Drol (Start) über die Zyklopeninseln (genau: Lyios) nach Grangor (Ziel) bei der die Helden drei Weinamphoren abholen und an den erst dann verkündeten Zielort bringen müssen. Sportsegler mit der Größe 2,5 x 9 m, zwei Masten, sechs Helden als Besatzung. Zusammensetzung: zwei Krieger, ein Söldner, ein Magier, eine Nivesen-Schamanin und ein Zwergenkavalier (ich).

20.15 Uhr: Anheuerung durch Handelshaus Terilion aus Belhanka. Bei anschließenden ersten Segelversuchen beinah den Ausbilder ertränkt. Hierbei stellt sich heraus, dass der Magier von allen am besten segeln kann, die einzige Frau ausgerechnet für das Steuer/Ruder geeignet ist und der Zwerg eine natürliche Begabung fürs Segeln zu haben scheint oder aber unsägliches Würfelglück.

20.25 Uhr: Wir verbringen mit der Chefin des Hauses Terilion, die sehr eng mit der Hüterin des Kelches, der obersten Geweihten der Rahjakirche, verbandelt ist, mehrere Tage im Rahjatempel auf Paradiso zur optimalen Vorbereitung auf die Regatta.

20.35 Uhr: Der Startschuß. Wir kommen erstaunlich gut weg, versenken kaum eins der Zuschauerboote und halten uns im Vorderfeld auf, bis wir irgendwann die anderen Boote aus den Augen verlieren. Jedes hat einen anderen Kurs gesetzt.

20.40 Uhr: Wir fischen das Wasserfass eines anderen Bootes aus dem Wasser. Kann hier etwa jemand noch nicht segeln?

20.50 Uhr: Machen gute Fahrt als uns Rahja in einer Vision erscheint und uns auffordert, ihr zu helfen, indem wir zur Insel Phenos segeln und dort eine alte, weise Frau aufsuchen, die der Hüterin des Kelches schmerzen bereitet. Lassen die Regatta Regatta sein und drehen ab.

21.20 Uhr: Nach mehreren kreativen und nicht gerade von Erfolg gekrönten Manövern, einem Auflaufen auf den Strand einer anderen Insel und einer nächtlichen Irrfahrt wird schließlich Phenos erreicht. Besonders der Krieger am Focksegel zeichnet sich in dieser Zeit durch überraschende Aktionen aus, während der Zwerg durch sein schwache Blase zu bestechen weiß.

23.30 Uhr: Auftrag auf Phenos beendet. Die alte, weise Frau, die wir erst nach langem herumirren inmitten eines Feenwaldes und nach diversen Begegnungen mit dessen Bewohnern fanden, war schließlich eine Hexe, die mittels einer Art "Voodoo" die Rahjageweihte quälte. Wir überredeten sie das zu unterlassen und reisten wieder ab. Mein Zwerg konnte noch beim Treffen mit einem Zyklopen, für einen Liebestrank, den er im Rahjatempel bekommen hatte, ein frisch geschmiedetes wundervolles Schwert ertauschen.

24.00 Uhr: Ankommend in Lyios kann festgestellt werden, dass die anderen nicht viel schneller waren und so schöpfen wir neue Siegeshoffnung, wenn nicht die zu transportierenden Amphoren pro Stück etwa 150 Stein wiegen würden. Samstag, der 7.9.02 beginnt.

1.30 Uhr: Nach diversen weiteren Ereignissen wird schließlich Grangor erreicht und zwar (selbstverständlich) von allen sechs Gruppen gleichzeitig, so dass ein "Formula De"-artiges Endrennen veranstaltet werden muss. (Was für ein Zufall, die Meister waren doch tatsächlich auf so was vorbereitet......)

1.50 Uhr: Nur eine andere, außer unserer, Gruppe hat daran gedacht für die rasante Fahrt durch die Kanäle von Grangor seine Masten zu kappen und so werden vier Teams bereits von der ersten Brücke deutlich zurückgeworfen.

2.30 Uhr: Wir erreichen als Erste die Landestelle und da die anderen Vier beim Rudern fast zusammengebrochen sind vor Anstrengung, müssen nun der Zwerg und die Nivesin die Amphoren ausladen und einen Hügel hoch schleppen, was sich für diese beiden aufgrund mangelnder Körpergröße bzw. beschränkter Muskelkraft als äußerst schwierig erweist.

2.50 Uhr: Wir stehen zwei Schritte vorm Ziel und werden von den anderen Gruppen eingeholt, die größere und stärkere Leute einsetzen können. Spiele mit dem Gedanken auf meinem W20 herum zu springen, da er einfach nicht das tut, was ich will.

2.55 Uhr: Kann man einen W20 eigentlich auch essen?

3.00 Uhr: Die Mannschaft aus Festum erreicht das Ziel als Erster. Schade. Barbecue-Sauce oder Senf?

3.05 Uhr: 250 AP und 200 D versüßen die Niederlage ein wenig. Die Freudengesänge der Festumer nerven. Verzeihe meinem W20. Alles in allem ein sehr ordentliches Abenteuer mit einer Gruppe entspannter Rollenspieler.

3.10 Uhr: Treffe auf Carsten und die anderen anwesenden Vereinsmitglieder, die bis auf Julia alle keine Runde zum Spielen gefunden haben, da sie erst gegen kurz nach zwanzig Uhr ankamen, und bis hierhin eher ziellos umher gestreunt sind.

3.30 Uhr: Die meisten der anderen gehen ins Bett (Carsten, Sven, Sandra: Fußboden Kinosaal; Julia, Mirko: Sandkiste), Niki und ich zu McDoof am HBF zum verspäteten Abendessen. 4.30 Uhr: Rückkehr. Niki schläft auf Kellergang. Irre umher.

4.50 Uhr: Einige alte Bekannte, die im Kreis sitzen und sich unterhalten, entdecken mich. Sie haben Sangria dabei. Erinnere mich, sie auch zu kennen.

6.45 Uhr: Suche die Gymnastikhalle auf. Wecke bei dem Versuch in meinen Schlafsack zu krabbeln nur wenige auf.

7.30 Uhr: Schlafe direkt neben der Eingangstür, die von den langsam wieder aufstehenden Personen gerne lautstark geschlossen wird.

8.00 Uhr: Unter meinem Pullover ist es nur noch halb so laut und die Luft ist sogar besser.

10.00 Uhr: Überdenke aufgrund der Anwesenheit des deutschen Meisters im Laut- und Kreativschnarchen meine grundsätzliche Einstellung zum Pazifismus.

12.00 Uhr: Erwache orientierungslos, schlurfe in die unter Wasser stehenden Waschräume. Habe meine Zahnpasta vergessen und muss mir welche schnorren. Die Dusche kann sich nicht entscheiden, ob Kalt- oder Heißwasser. Wenigstens wird man wach davon.

12.30 Uhr: Entdecke die anderen und wir gehen in die Stadt. Ich zum Frühstück, die zum Mittag.

14.30 Uhr: Kehre stolz mit gefülltem Magen, vier Flaschen Wasser und einem Kilo frischen Zwetschgen zurück. Laufe umher und sehe mich nach Interessantem um.

15.15 Uhr: Spiele zwei Stunden lang Night over Europe.

17.15 Uhr: Nach einem verzweifelten Kampf gegen die Massen an Narren, die ewig vor dem FanPro Glücksrad anstehen, um dort wundervoll langweilige und unnütze Preise hinterhergeworfen zu bekommen, treffe ich die anderen wieder. Nach längerer Diskussion entschließen wir uns zu folgendem Programm für die nächsten Stunden: Erst setzen Carsten und ich uns zusammen, um unser Blaue-Mappe-Abenteuer mit dem Untertitel "organisches MPA mit Duplex-Showdown" für die Weihnachtsfeier zu besprechen. Die anderen gehen Abendessen. Danach Anlaufpunkt Cocktailbar zur Happy Hour. Anschließend für einige (Carsten, Niki, Mirko) ein Clix-Turnier, für andere (Sandra, Sven, ich) "Shrek" im Kinosaal und für vereinzelte (Julia) Fortsetzung einer Rollenspielrunde.

22.45 Uhr: Obige Punkte zur eigenen Zufriedenheit erfolgreich abgearbeitet.

23.00 Uhr: Finde Anschluss an eine Rollenspielrunde (DSA) im Keller. Thema: Flucht aus den Arenen von Al'Anfa. Teilnehmer: Zwei Magier, ein Krieger, ein Streuner und ein Waldelf (ich).

23.10 Uhr: Ruiniere der Meisterin ihren Anfang durch einen "Wehe Walle Nebula", der die gesamte Arena verhüllt. Geplanter Kampf gegen die Gladiatoren gerät zur Chaosveranstaltung.

23.30 Uhr: Flucht aus der Arena misslingt. Wir werden eingekerkert.

0.05 Uhr: Der Sonntag beginnt erfreulich: ein vermutliches Mitglied der BT-Orga versucht, uns und die beiden anderen Gruppen im Raum rauszuschmeißen, da dies eigentlich ein reiner Schlafraum wäre, der jetzt benutzt werden soll. Wir weisen ihn freundlich darauf hin, dass wir nicht daran denken zu gehen, die Con-Orga hätte uns diesen Raum schließlich zugeteilt. Mit weinerlichem Gesichtsausdruck und schwer beleidigt verlässt der arme junge Mann den Raum.

0.30 Uhr: Die Con-Orga schmeißt uns raus und wir ziehen in einer langwierigen Aktion und schwer beleidigt in einen Raum in den dritten Stock um.

1.30 Uhr: Das Abenteuer geht weiter, kommt aufgrund voranschreitender Müdigkeit einiger sowie paranoider Schizophrenie und rollenspielerischer Bruchlandungen mit Peinlichkeitscharakter einzelner aber nicht so richtig zügig voran.

3.00 Uhr: Die Flucht gelingt. Verfolgungsjagd durch Al'Anfa. Finden Unterschlupf bei einem Bewunderer unseres unorthodoxen Arenakampfstils.

4.30 Uhr: Finden raus, dass dieser uns nur als persönliche Anschauungsobjekte behalten will, daher erneute Flucht, diesmal durch die Kanalisation.

5.00 Uhr: Mein Waldelf wird aus einer unmotivierten, schwachsinnigen Aktion eines anderen heraus kopfüber in die Kloake geschubst. Rollenspielerische Glanzleistung gepaart mit großer Intelligenz und Einfühlungsvermögen......

7.30 Uhr: Das Abenteuer endet, als wiederum eine bestimmte Einzelperson auch den letzten Informanten und Helfer, den wir finden können, mit angreift und niederschlägt. Frustriert lässt uns die Meisterin auf einfachem Wege entkommen. Leicht unbefriedigendes Abenteuer, aber immerhin.

8.00 Uhr: Nach der Feststellung, dass quer über meinen Schlafsack in der Gymnastikhalle hinweg drei Leute pennen, zerre ich unter diesen leicht grummelig meine Klamotten raus und mache es mir neben Mirko und Julia in der Sandkiste gemütlich. Carsten setzt sich dazu und unterhält sich mit den beiden. Döse ziemlich schnell weg.

9.00 Uhr: Muss meinen Schlafplatz räumen, da die ersten Liverollenspieler damit beginnen, um mich herum die morgendlichen Schwertvorkämpfe zu eröffnen.

9.15 Uhr: Finde einen kuscheligen Platz auf dem Kellerflur in angenehm berauschender Hörweite des morgendlichen BT-Würfelgeklappers.

11.20 Uhr: Wache auf, als jemand neben mir steht und lautstark Mitspieler für eine Space Gothic Runde sucht. Hebe den Arm, damit er endlich ruhig ist.

11.30 Uhr: Schließe mich nach duschen und wiederum erfolgreichem Zahnpasta schnorren der Gruppe an. Lassen drei Stunden lang absolut die Sau raus und haben richtig viel zu lachen.

14.45 Uhr: Höre mir das Ende eines Vortrages von Hadmar von Wieser, Tom Finn und Bernhard Hennen an zu ihrem neuen Buchprojekt an. Klingt ganz nett.

15.00 Uhr: Finde Mirko, der mir erzählt, dass Niki, Carsten und er SR-Multi-User spielen, wo der Rest ist, ist nicht zu erfahren.

15.30 Uhr: Finde einen guten Sitzplatz bei der DSA-Podiumsdiskussion und höre interessiert zu.

15.50 Uhr: Sandra, Sven und Julia gesellen sich zu mir. Verbringe den Rest der Zeit außer mit Zuhören noch damit, Julia wach zu halten. Ihre Begeisterung darüber hält sich in Grenzen.

17.00 Uhr: Will eine Frage stellen und komme sogar dran. Tom Finn deutet auf mich und sagt "Der in dem blauen brasilianischen Fußballtrikot da." Gucke an meinem gelb-grün-schwarzen jamaikanischen Trikot hinunter, stelle beleidigt meine Frage und ziehe mich in den Schmollwinkel zurück. Julia muss es ausbaden.

17.30 Uhr: Ende der Diskussion. Müssen noch bis etwa 19.30 Uhr überbrücken, bis der Zug nach Hause fährt.

19.24 Uhr: Nach nochmaligem Besuch bei McDoof steigen wir ein und fahren los. Unterwegs wird die Piratenkampagne noch ein wenig fortgesetzt. Kurz nach Mitternacht: Komme endlich zur wohlverdienten Ruhe in meinem Bett. Die Con ist zu Ende. War wieder mal schön. Wie eigentlich immer.

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