There and back again

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Nord Con 2003
There and back again


Dies ist der Bericht über eine Convention von jemanden, der diese Veranstaltung eigentlich gar nicht richtig besucht hat - "besucht" jetzt im Sinne einer "klassischen Con", bei der man am ersten Tag hinfährt, die Nacht über durchmacht und am zweiten Tag total übermüdet wieder nach Hause zurück torkelt. Warum ich diesen Bericht trotzdem verfasse?

Geltungssucht. Pure Geltungssucht.

Los ging es am Samstag, den 14. Juli 2003 frühmorgens. Diesmal hatte sich kein Fußballspiel oder sonstige wichtige Veranstaltung auf dem selben Termin breitgemacht, so dass ich mehr oder weniger pünktlich gegen 9.15 Uhr auf dem Minimal-Parkplatz in Tornesch aufschlug, wo ich mich mit Olaf verabredet hatte, der mit dem Auto fahren wollte. Als erste Überraschung wartete dann Mona auf der Rückbank des Wagens auf mich, die kurzfristig zugesagt hatte und mehr oder weniger durch Zufall von der Mitfahrgelegenheit erfahren hatte. So fuhren wir also zu dritt nach Eimsbüttel, wo im dortigen Hamburg-Haus alle Jahre wieder der Nord Con abgehalten wird. Dort erwartete uns kurz vor 10:00 Uhr das gewohnte Bild: Draußen bereits Zelte und Stände aufgebaut, einiger LARPer, die sich mit ihren Polsterwaffen gegenseitig eins auf die Rübe gaben und wieder einmal eine laaaange Schlange vor dem Eingang.

Tja aber wen kümmert dies, wenn man über die richtigen Connections verfügt?

Wohl dem, der sich bei der Auswahl seiner Kontakte den Konzern-Manager gestrichen und stattdessen "1 Walter" in sein Heldendokument eingetragen hat... den eben jener erwartete uns bereits vor dem Gebäude. Olaf und ich bekamen also erst einmal die fürchterlich wichtigen weißen Mitarbeiter-Armbänder und wurden an der Schlange vorbei ins Gebäude geschleust. Mona musste leider anstehen, da sie sich nicht als Helferin im Brettspiele-Bereich angemeldet hatte, den Walter mitorganisierte.

Kurze Zeit später fanden wir uns dann in der großen Eingangshalle wieder, wo wie immer etliche Händler ihre Stände aufgebaut hatten. Auch Carsten war bereits anwesend, genau wie Stephan, der kurze Zeit später erschien. Ich erwarb also erst einmal ein paar Würfel (die hoffentlich bessere Resultate erzielen als meine alten) und einen Dork-Comic und machte mich dann mit Mona zusammen daran, auf der großen Pinwand eine Spielrunde auszusuchen. Wir entschieden uns spontan für eine Runde aus dem Projekt "Odysee", und zwar für das System "Chroniken von Baal", welches Walter bereits auf der "Hannover spielt" ausprobiert und für gut befunden hatte. Beginnen sollte diese Runde um 11.00 in der Villa, die neben dem Hamburg-Haus liegt. Leider wurden wir dort nicht von der in Walters Bericht erwähnten adretten Meisterin empfangen, sondern vom Autor selbst, der sich aber als wirklich witziger und vor allem kompetenter Spielleiter entpuppte. Außer Mona und mir nahmen noch drei andere Spieler an dem Abenteuer teil.

Ein paar Worte zum Plot: Unsere Charaktere befanden sich gerade auf der Durchreise, als sie von den aufgebrachten Bürgern eines kleinen Dorfes ungewohnt festlich empfangen werden. Diese hielten sie nämlich für die per Boten herbeigerufenen Helden, die das Dorf von einem gar fürchterlichen Schrecken befreien sollten. Wie Helden nun einmal so sind, nahmen wir erst die Gastfreundschaft der Dorfbewohner in Anspruch und taten dann einfach so, als wären wir diese Helden... auch wenn der Auftrag zunächst etwas groß für unsere Anfänger-Charaktere erschien. Das Dorf hatte folgendes Problem: In den letzten Wochen seien wiederholt einige wankende Gestalten erschienen und hätten junge Frauen mit dunklen Haaren, darunter auch die Tochter des Dorfvorstehers, entführt. Wir sollten also herausfinden, wer dahinter steckte und wenn möglich die Entführten wohlbehalten wieder zurückbringen.

Wir trafen also erst einmal Sicherheitsmaßnahmen und brachten alle jungen Frauen, auf welche die Beschreibung passte, im Keller der Dorfschenke in Sicherheit. Unserer Magierin, gespielt von Mona, wurden kurzerhand die Haare dunkel gefärbt und sie verbrachte die Nacht (äußerst widerwillig) als Lockvogel auf dem Marktplatz. Wir wollten sie dann "entführen" lassen und uns in weite Kutten gehüllt einfach unter die Zombies mischen, um sie zum Versteck der anderen Geiseln zu verfolgen.

Aber... was nützt ein Plan, wenn man so eine Situation auch blutig angehen kann?

Kaum waren also in der Nacht die ersten Zombies erschienen, da griffen einige unserer werten Mitstreiter zum Schwert und stürzten sich mit einem beherzten "Hackt sie in Stücke!" auf die Zombies. Mein Dieb zog sich daraufhin in die Schmollecke zurück und verfolgte das ganze Geschehen, indem er sich auf eine Regentonne setzte und eine grimmige Miene machte.

Doch wir hatten Glück und es gelang uns, die Spuren der Zombies zurückzuverfolgen und so landeten wir außerhalb des Dorfes bei einem verfallenen Anwesen. Dort trafen wir auf einen kleinen gnomartigen Diener namens Igor (den der Spielleiter wirklich sehr gut herüberbrachte), der uns einige wichtige Infos vermittelte. Sein Herr war nämlich ein mächtiger Magier, der seine geliebte Frau bei einem Experiment aus Versehen tötete. Um eine Möglichkeit zu finden, sie wiederzubeleben, machte er sich selbst zu einem Untoten und entführte Frauen, die ihn an seine Frau erinnerten. Er selbst versetzte sich mittels eines magischen Trankes immer wieder in einen komaähnlichen Zustand, in welchem er eine Art Traumwelt erlebte, in der seine Frau noch lebte.

Da wir gegen den Magier im Wachzustand nicht den Hauch einer Chance hatten, beschlossen wir, ebenfalls diesen Trank einzunehmen und so in die Traumwelt des Magiers einzudringen. Dort stellte er sich als sehr freundlicher alter Mann heraus, den wir mühsam davon überzeugten, dass diese Träume kein Ersatz für die Realität seien und er seinen ewigen Frieden nur durch den Tod finden könne. Diese Taktik erwies sich als richtig und wir konnten das Anwesen wieder verlassen und dabei auch eine der Geiseln - die anderen waren bereits getötet worden - befreien. Damit endete das Abenteuer.

Insgesamt gesehen haben mir "Die Chroniken von Baal" sehr viel Spaß gemacht. Das einfache Regelwerk samt des an Freizauberei grenzenden Magiesystems waren sehr durchdacht und waren im Handumdrehen verinnerlicht. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die wirklich guten Illustrationen auf den Heldendokumenten und im Regelwerk selbst. Auch das Abenteuer an sich sowie der Meister sorgten für etwa fünf Stunden guter Unterhaltung.

Gegen 15:30 Uhr ging es für Mona und mich dann wieder zurück in das Hamburg-Haus. Zwischenzeitlich waren uns auch Mirco, Mirko und Christin über den Weg gelaufen, außerdem sollen auch Julia, Markus und Simon bei den LARPern gewesen sein.

Da wir im Anschluss nicht direkt eine weitere Spielrunde ausfindig machen konnte, beschlossen wir (Mona, Christin, Mirco und ich), erst einmal in die naheliegende Osterstraße zu fahren, um eine Kleinigkeit zu essen. Eine Pizza und eine verpatzte Orientierungs-Probe auf dem Rückweg später trafen wir gegen 17:00 Uhr wieder auf dem Nord Con ein. Da keine interessanten Spielrunden mehr aufzutreiben waren und Olaf sowieso nach Hause wollte, beschlossen wir, den heutigen Con-Tag damit ausklingen zu lassen und machten uns - in der selben Besetzung wie am frühen Morgen - auf den Heimweg. Meine Schwester Sandra hatte ich damit komplett verpasst, aber laut ihren Berichten soll es bis um Mitternacht noch recht interessant zugegangen sein... so "interessant", dass einmal sogar die Polizei von besorgten Anwohnern alarmiert wurde.

C'est la vie.

Am Sonntag fuhren Sandra und ich dann gegen 11.00 Uhr mit der Bahn ab Tornesch ab. Unterwegs gabelten wir dann noch Julia auf und erreichten den Con gut eine Stunde später. Ich verabschiedete mich dann in Richtung Brettspiele-Bereich, wo am heutigen Tage allerdings nicht allzu viel los war. Gemeinsam mit einigen anderen spielten Carsten, Daniel und ich eine Partie Robo-Rallye. Danach hörte ich mir noch einen Vortrag der gut aufgelegten Momo Evers zum Thema "Wie werde ich Nachwuchs-Autor?" an, der sich als recht interessant erwies. Zwischenzeitlich war ich auch auf einen etwas verschlafen aussehenden Walter gestoßen, der die Nacht über durchgemacht hatte und am frühen morgen im nahe gelegenen Freibad geduscht und etwas gedöst hatte.

So verging die Zeit eigentlich recht schnell. Gegen 16:00 Uhr ging es für mich dann wieder zurück nach Hause, da ich an diesem Tag noch einen kompletten Wohnzimmerschrank zusammensetzten musste.

Wie bereits eingangs erwähnt, habe ich somit vom Nord Con 2003 nicht soviel mitbekommen, wie vielleicht üblich. Aber auch so hat es wieder einmal sehr viel Spaß gemacht. Somit erwies sich die dritte Convention in diesem Jahr für Mitglieder des RSCT wieder einmal als echter Volltreffer.

Sven

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