Tag des ungespielten Rollenspiels 2005
Aus RSCT94
Als wir den 'Tag des ungespielten Rollenspiels' zum letzten Mal veranstalteten, bewegten sich die Temperaturen etwa um den Gefrierpunkt - kein Wunder, hatten wir dies doch anläßlich unserer Weihnachtsfeier 2003 gemacht. Von derart frostigen Umständen waren wir an diesem Tag meilenweit entfernt, denn es war ja schließlich Anfang Juli und wir hatten strahlenden Sonnenschein. Ungeachtet des schönen Wetters ließ es sich knapp ein Dutzend Verwegener nicht nehmen, im Stadtwerkehaus aufzutauchen und einmal unser kleines Alternativprogramm auszuprobieren. Gespielt wurden dabei ausschließlich Systeme, die wir im Verein bisher noch nie angeboten hatten. Doch seht selbst:
Inhaltsverzeichnis |
Hyperborea - Meister des Stahls
- Spielleiter: Carsten
- Beginn: 14 Uhr
- Mitspieler: Daniel, Daniel K., Markus, Mirco
Bei Hyperborea übernehmen die Spieler gleich zwei Rollen: zum einen eine göttliche Waffe, welche besondere Kräfte und eine eigenen Willen besitzt, und zum anderen den Waffenträger. Die Welt ist ein ziemlich übler Ort, wo das Recht des Stärkeren noch sehr viel zählt. Überall herrscht Gewalt und Brutalität vor. Unter diesen Umständen ist das Tragen einer göttlichen Waffe ein besonderes Privileg und ein guter Schutz. Die Waffen ziehen aber auch Neider an, welche die Waffe für sich erbeuten woll. Somit sich die göttlichen Artefakte sowohl Segen als auch Fluch in einem.
Perry Rhodan
- Spielleiter: Merten
- Abenteuer: Die Tage des Ungeheuers
- Beginn: 14 Uhr und 19 Uhr (zwei Abenteuer)
- Mitspieler (ab 14 Uhr): Johannes, Adrian, Walter, Sebastian
- Mitspieler (ab 19 Uhr): Carsten, Daniel, Daniel K., Mirco
Das Perry Rhodan Rollenspiel spielt in der Welt (bzw. Galaxis) der gleichnamigen Heftromanserie. In den letzten 40 Jahren sind über 2200 Hefte erschienen. Die Serie ist nach dem Haupthelden benannt und spielt im Jahre 4919 n.Chr. Gespielt werden können nicht nur Terraner oder terranerähnliche Völker sondern auch z. B. die katzenartigen Kartanin oder die Jülziish mit ihren Tellerköpfen. Bei den Berufen ist die Auswahl vielfältig, z.B. Priester, Schriftsteller, Agent oder Navigator. Einige Charaktere besitzen sogar Psi-Kräfte, die aber nicht unbedingt leicht zu kontrollieren sind.
Extreme Vengeance
- Spielleiter: Walter
- Abenteuer: Maximum Damage
- Beginn: 19 Uhr (zweiter Block)
- Mitspieler: Johannes, Adrian, Markus, Timo
Dies ist ein Actionfilm. Kein zweitklassiger Hongkong-B-Movie, sondern ein richtiger Hollywood Blockbuster. Große Stars, Szenen, die Filmgeschichte schreiben werden, coole Typen so weit das Auge reicht, ein ausgeklügeltes Drehbuch, perfekter Soundtrack - kurzum: Ein Film mit sicherer Oscarnominierung.....und du bist mittendrin.
Da der Spielleiter dieses Abenteuers seiner Gruppe versprechen mußte, genauere Infos zu dem vergnüglichen Abend hier auf die Website zu setzen, tut er das hiermit mal, beginnend mit dem Fazit: Extreme Vengeance ist eines dieser Rollenspiele, daß man nur einmal im Jahr leiten kann, denn derart hemmungsloses, kreatives Herumblödeln ist auf die Dauer einfach anstrengend. Aber einen Abend lang (Hier: siebeneinhalb Stunden) ist das mehr als nur auszuhalten. Alle vier Spieler erwiesen sich als durchaus geeignete Actionfilmdarsteller und füllten ihr Rollen mit reichlich Leben. Als Überblick über das Abenteuer hier mal der Kinotrailer, so wie der Regisseur ihn aus den Filmszenen zusammengeschnitten hätte:
Ein schwarzer Bildschirm, man hört Wellen rauschen, dann setzt bedächtig und leise 'I believe I can fly' von R. Kelly ein. In einem Zeitraffer geht die Sonne über dem Strand von L.A auf. Bedächtige Kamerafahrt zurück, der Zoom wird immer kleiner. Zuerst sieht man einen Blick über das morgendliche L.A., dann fährt die Kamera zurück über Hochhausdächer und durch ein Fenster, daß offensichtlich zum L.A. Police Department gehört, hinein in ein Großraumbüro. Dort verharrt das Bild auf einer großen Uhr, die nach schier endlosen Sekunden auf Punkt 9 Uhr morgens umspringt. In diesem Moment verstummt R. Kelly und es ertönt in voller Lautstäre ACDC mit 'Highway to Hell'.
Eine Bürotür genau unterhalb der Uhr wird aufgerissen und es erscheint ein brüllender, hochroter Danny DeVito. 'Booooonk!' schallt es als erstes durchs Büro. Mehrere der dort tätigen offensichtlichen Polizisten zucken zusammen und ducken sich hinter ihren Computer. Die Kamera nimmt einen durchtrainierten Mittdreißiger ins Bild, der bleich im Gesicht nach seiner Jacke greift und den Raum verlassen will. Als Untertitel wird 'Big Bonk' eingeblendet. Schnitt zurück auf DeVito. 'Striiiker!' schreit er in den Raum und sieht dabei aus, als würde er gleich einen Herzinfarkt bekommen. Schnitt auf einen breitschultrigern Muskelprotz, der an seinem Schreibtisch sitzt und eine AK47 poliert. Einblendung: Sly Striker. Wieder DeVito. 'Derriiiiiiick'. Die Stimme überschlägt sich. Schnitt auf einen drahtigen Typen mit Kopfhörern, der an seinem Schreibtisch sitzt und verzweifelt vorzugeben versucht, er würde nichts hören. Untertitel 'ABC Derrick'. DeVito: 'Doubleyouooooo!' Die Stimme ist nur mehr ein heiseres Krächzen. Ein Typ in einem schwarzen Nadelstreifenanzug, mit Gehstock und Melone, der auf seinem Schreibtisch eine obskure Konstruktion aus Reagenzgläsern und Kolben aufgebaut hat, kommt ins Bild. Untertitel: 'Dr. W'. Wieder DeVito: 'Iiiiiin meiiiin Büroooooo! Aber Sofooooort!'
Umschnitt wieder auf den Strand. Friedliche Szene, überall hübsche Frauen im Bikini. Striker heizt mit einem Jetski auf den Strand, springt elegant ab, schnappt sich dabei mit einer Hand eine AK47 aus einer Halterung und brüllt 'L.A.P.D - Sie sind verhaftet', bevor er quer über den Strand zu feuern beginnt. Derrick springt mit einem Flickflack und einem Salto über drei Schwarze hinweg, die gemeinsam aussehen wie 1000 Jahre Knast, landet direkt neben einem Mafiosi im weißen Anzug und drückt ihm ein Messer an die Kelle, wobei er lässig in die Kamera lächelt. Dr. W schießt aus seinem Gehstock mit einer Schrotladung etwa ein halbes Dutzend Gangster über den Haufen, während er lässig an einer Zigarre nuckelt. Bonk, im klassischen Rettungsschwimmer-Outfit, wehrt mit seiner roten Boje eine Gewehrsalve eines Schwarzen ab, streckt diesen dann mit einem Kick nieder und erwischt in der Drehung noch einen zweiten mit einem Handkantenschlag direkt zwischen die Beine. Dabei reißt sein Muscle-Shirt auf und man erhascht einen Blick auf seine stahlharte Brust.
Schnitt zurück ins Büro. Man hört DeVito schreien, kann durch die laute Musik aber nur Worte wie '...öffentlicher Strand...Chaos....wenn das so weitergeht....Drogenfahndung' vernehmen. Wieder ein Umschnitt. Diesmal auf einen Nachtclub. Von der Seite rast ein MiniVan ins Bild, fährt fast den Türsteher über den Haufen und rammt durch die Wand mitten hinein in den Laden. Am Steuer: Derrick. Aus der offenen Schiebetür heraushängend und mit seiner AK feuernd: Striker. Hunderte von Flaschen hinter einer Bar werden zerschossen, Striptänzerinnen kreischen. An einem Tisch in dem Club sitzen Dr. W, Bonk und Marlon Brando, der die beiden gerade unter Feuer nimmt. Umschnitt auf den explodierenden Wagen. Umschnitt ins Büro. Die Uhr springt wieder auf 9 Uhr um. 'In meiiiiin Büroooooooo!'. DeVito wirft ein paar Herzpillen ein, ascht in seinen Kaffeebecher und man hört 'Ich hab sie auf dem Kieker....'.
Umschnitt auf vierzig Harleys, die vor einer Rockerkneipe stehen und auf die eine brennende Benzinspur zuhält. Plötzlich springt ein Rocker aus dem Fenster und schnappt sich die vorderste. Drinnen wilde Schüsse, ein Zischen und dann explodieren alle anderen Harleys. Schnitt in die Kneipe. Striker drischt mit zwei Billard-Queues auf diverse Rocker ein. Bonk springt in Matrix-ähnlicher Zeitlupe in die Luft und erledigt mit akrobatischen Kicks weitere Rocker. Umschnitt auf eine wilde Verfolgungsjagd in den Hügeln von L.A. Bonk am Steuer eines hoffnungslos unterlegenen Wagens, der keine Chance hat, die vorausfahrende Harley einzuholen und daher anstatt hinterherzufahren und den Serpentinen zu folgen, den direkten Weg den Hang hinunter nimmt. Eine wilde Kamerafahrt den bewaldeten Abhang hinunter, haarscharf an einer verständnislos guckenden Kuh vorbei, durch Dornenbüsche und über eine Buckelpiste ist zu sehen. Es ertönt immer noch 'Highway to Hell'. Der Wagen schießt über einen Buckel hinaus, fliegt über die Straße und während die Insassen des Wagens laut schreien, verstummt ACDC und R. Kelly ertönt wieder: 'I believe I can fly...' ....
Wieder Umschnitt, wieder Büro, wieder 9 Uhr. DeVito brüllt, Bonk brüllt zurück (trägt einen Arm in der Schlinge und einen Kopfverband), Cameron Diaz betritt im atemberaubend kurzen Rock, aber streng zugeknöpfter weißer Bluse und mit hochgesteckten Haaren den Raum. Wieder Umschnitt: Wieder fliegt ein Van. Diesmal über einen Pool durch ein Terassenfenster in eine Villa hinein. Im Hintergrund explodiert ein Hubschrauber. Striker und Derrick springen von der Kante des Wagens ab, fliegen wrestlingmäßig durch die Luft und die Kamera folgt direkt ihren Ellenbogen, bis diese schließlich im Gesicht von Marlon Brando landen. Ein widerliches Knacken ist zu hören. Weiterhin: 'I believe I can fly'. Schnitt. Dr. W im Bild, in der Hand ein Lineal, daß er zurückgebogen hat. Darauf liegt ein Kugelfisch und man hört ihn sagen 'Du und ich - David gegen Goliath. Und wieder wird die Schleuder siegen. Umschnitt auf den in Zeitlupe fliegenden Fisch, im Hintergrund das entsetzte Gesicht von Jim Carrey.
Wieder ein Schnitt. Bonk, Striker, Dr W und Derrick gehen gemütlich aus einem Lagerhaus raus, daß im Hintergrund explodiert. Der Bildschirm wird schwarz. Große, flammende Buchstaben erscheinen. 'MAXIMUM Damage'. Etwas kleiner da drunter: 'Demnächst im Kino.
Alternativprogramm: HSV im UI-Cup
Man kann den 'Tag des ungespielten Rollenspiels' auch wörtlich nehmen und tatsächlich die Würfel im dazu passenden Beutel lassen. Für diejenigen, die lieber draußen das schöne Wetter genießen wollten (Mirko, Mona und der Autor dieses Textes), ging es um 16.30 Uhr zum UI-Cup-Spiel des HSV gegen Pobeba Prilep aus Mazedonien. Trotz eines 4:1-Sieges ein eher mittelprächtiges Spiel.
Alles in allem vier sehr nette Spielrunden mit Systemen, die wir sicher nicht zum letzten Mal gespielt haben. Wäre der getreue Autor dieses Textes nicht vom Kaiserkeller-Besuch am Vorabend noch ein wenig platt gewesen, hätte er sicherlich auch an einer der Runden teilgenommen. Trotzdem bleibt mir als 'Außenstehender' das Fazit: Es ist immer wieder spannend, auch einmal über den Tellerrand hinaus zu gucken und andere Systeme auszuprobieren - denn meistens ergeben sich daraus sehr witzige Spielrunden.
Sven
Einige Eindrücke gibt unsere kleine Fotogalerie:
