Sven über die RatCon 2008
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Die RatCon - eine alte Bekannte
Alle Jahre wieder eröffnet im August die RatCon in Dortmund ihre Pforten und Rollenspieler aus ganz Deutschland strömen pflichtbewußt herbei, um dieser Veranstaltung beizuwohnen. Da ich nach dem Besuch der Conventions in Leipzig (LindenCon) und Berlin (Odyssee) noch in guter Con-Laune war, ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, es diesen Leuten gleichzutun. Das vergangene Jahr, bei dem ich nicht nach Dortmund gefahren war, sollte somit eine Ausnahme bleiben. Mit mir unterwegs waren aus den Reihen unseres Vereines noch Carsten, Merten, Mischa, Marie, Mirco und Lilli - allesamt erfahrene RatCon-Besucher. In diesem kleinen Bericht möchte ich meine Eindrücke des gesamten Wochenendes festhalten, sowohl als Erinnerung für die Zukunft als auch zum Zwecke der Informationen für alle diejenigen, die (leider) nicht mit dabei sein konnten.
Die Basics: Was ist die RatCon eigentlich?
Zuerst einmal einige Fakten: Die RatCon wurde in diesem Jahr bereits zum 13. Male veranstaltet und stellt damit fast eine Art "Dinosaurier" unter den großen Conventions dar. Als Location setzte man wieder auf das altbewährte Fritz-Henßler-Haus, welches nur einen Katzensprung von der Dortmunder Innenstadt entfernt ist. Über die Jahre hinweg hat die RatCon sich als Plattform hauptsächlich für die Systeme des Veranstalters, namentlich "Das Schwarze Auge" und "Shadowrun" etabliert. Diese Rollenspiele werden auf der RatCon mit Abstand auf häufigsten angeboten, allerdings findet man immer wieder auch einige Exoten im Angebot. Bei den Spielrunden setzt die RatCon auf ein freies System ohne vorgegebene Blöcke; die Aushangzettel können - anders als z.B. beim NordCon - nach Anmeldung bei der Spielrundenorganisation jederzeit an das schwarze Brett angehängt werden, auch wenn die Spielrunde erst einen oder sogar zwei Tage später stattfindet. Dieses System mag Vor- und Nachteile haben - mir persönlich gefällt es nicht so gut, weil man nie vorhersagen kann, wann neue Spielrunden ausgehängt werden und daher häufiger mal einen Blick auf die Aushänge werfen muss. Generell hatte ich allerdings den Eindruck, dass relativ viele Runden angeboten wurden und daher jeder die Möglichkeit hatte, an einigen davon teilzunehmen.
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Ein Einwurf: Preisgestaltung |
Gespielt wurde an zahlreichen, kreuz und quer im Gebäude verteilten Räumen und Fluren, in denen meist Bierzeltgarnituren (Tische und Bänke) aufgebaut waren. Einige Runden fanden auch draußen in extra aufgebauten Zelten statt. Die Geräuschkulisse war - wie auf fast allen Conventions üblich - leidlich hoch, so dass man gelegentlich etwas lauter sprechen mußte, damit einen die Mitspieler am anderen Ende des Tisches noch verstehen konnten. Wen so etwas stört, der sollte auf derartigen Veranstaltungen nicht an Rollenspielrunden teilnehmen oder sich auf die Nachtstunden beschränken, in denen die Belegung der Räume natürlich weitaus geringer war.
Ergänzt wurde das Rollenspielprogramm durch einige Workshops (hauptsächlich von Mitgliedern der DSA-Redaktion), Lesungen und natürlich den Händlerständen, die sich nicht großartig vom Angebot der letzten Jahre unterschieden. Einzig Pegasus war diesmal nicht anwesend, da man am gleichen Wochenende das firmeneigene Jubiläum mit einer eigenen Veranstaltung feierte. Hier wäre eine Terminabstimmung sinnvoll gewesen, da es für Außenstehende immer schade ist, wenn zwei sicherlich lohnenswerte Events parallel zueinander stattfinden.
Für das leibliche Wohl sorgte die Caféteria im Erdgeschoss, in der es u.a. belegte Brötchen, Bockwurst und weitere warme Speisen gab. Zur Preisgestaltung siehe auch den neben stehenden Textkasten. Aufgrund der Lage bot es sich natürlich auch an, zum Essen in die Innenstadt zu gehen, was viele der Besucher auch taten.
Eine "Besonderheit" auf dem RatCon sind immer die Schlafmöglichkeiten: Diese sind nämlich (Gymnastikhalle im Kellergeschoss) viel zu knapp bemessen, so dass man zu fortgeschrittener Stunde nahezu im gesamten Gebäude, in jedem Flur und jedem noch so unbequemen Eckchen schlafende Gäste mit ihren Isomatten, Luftmatratzen und Schlafsäcken antrifft. Wirklich gut schlafen kann man dabei nicht. Als ich 2006 das letzte Mal in Dortmund war, wurde wegen der Umbauarbeiten eine benachbarte Turnhalle als weitere Option angeboten - schade, dass man in diesem Jahr darauf verzichtet hat.
Soviel erst einmal zu meinen allgemeinen Eindrücken. Aber gucken wir doch mal, wie mein Wochenende insgesamt - und aus einer höchst subjektiven Sicht - verlaufen ist.
Freitag: Anreise und erster Con-Abend
Angereist sind wir in diesem Jahr mit zweu Autos, wobei die Besatzung des ersten Wagens zunächst aus Mirco, Marie und mir bestand. Nachdem wir bei Mircos Eltern zunächst noch ein Navigationsgerät abgeholt hatten und dabei auch gleich noch mit leckeren Frikadellen versorgt worden sind, fuhren wir erst einmal nach Hamburg-Neugraben, wo wir Mischa abholten. Entgegen seines Rufes war er auch in diesem Jahr wieder vorbildlich pünktlich, so dass wir uns schon kurze Zeit später auf der Autobahn in Richtung Süden befanden. Gegen 17 Uhr trafen wir in Dortmund ein, fanden einen guten Parkplatz und musterten erst einmal die bereits vor dem Fritz-Henßler-Haus wartenden Con-Besucher. Da wir noch fast eine Stunde Zeit bis zur Eröffnung hatten und noch keine vertrauten Gesichter erspähen konnten, gingen wir noch kurz in die Innenstadt, um uns beim Australier die Zeit zu vertreiben. Kurz vor 18 Uhr waren wir dann wieder zurück, wo wir dann auf Carsten, Merten und Lilli trafen, die ein wenig später losgefahren waren als wir. Gemeinsam reihten wir uns in die quälend langsam voran schreitende Schlange am Einlass ein, während es munter vor sich dahin regnete. Schon einmal kein guter Start. Einige Minuten später, versorgt mit Eintrittskarte, -bändchen und einer Übersicht über das Propgramm, konnten wir dann endlich das Gebäude betreten. "Übersicht"? - ja, richtig gelesen: Ein auf anderen Cons übliches Programmheft gab es auf dem RatCon wie in den Vorjahren wieder nicht, dafür aber wenigstens einen Zettel in der Größe DIN A 4 mit den wichtigsten Zeiten. Damit kann man notfalls leben.
Wir (in diesem Falle Merten, Mischa, Lilli und ich) haben uns nach Inspektion des Gebäudes schließlich dazu entschieden, das Ende eines Kellerflures zu unserem Schlafbereich zu machen und breiteten unsere Sachen dort aus. Keine ideale, aber durchaus eine passable Wahl, wie sich später herausstellte. Danach ging's dann mit allen außer Marie und Mirco zum traditionellen Freitag-abend-und-es-ist-RatCon-Essen beim Pizza Hut.
Es war schon ein wenig später, als wir in das Fritz-Henßler-Haus zurück kamen. Ein Blick auf den Spielrundenaushang offenbarte mir, dass derzeit zwar ein ganzer Stapel an interessant klingenden Runden angeboten wurde, diese aber allesamt bereits voll belegt waren. Also beschloss ich, selbst eine Runde DSA anzubieten. Die Mädels von der Spielrundenorganisation machten nicht nur optisch einen guten Eindruck, sondern machten ihren Job auch freundlich und kompetent, so dass ich kurze Zeit später einen Aushang in Händen hielt, der schnell von sechs Spielern ausgefüllt wurde. Anfangs hatte ich ein wenig Bedenken, da vier der Spieler noch relativ jung war, allerdings erwiesen sich diese als durchaus gute Rollenspieler. Verstärkt wurde diese Runde durch zwei Spieler aus der Schweiz. Ich leitete ein spontan improvisiertes Abenteuer in der Grenzregion zu den Schwarzen Landen. Nach einer gefährlichen Überlandreise wurde die Gruppe am Ende schließlich vor eine nicht ganz leichte moralische Entscheidung gestellt, welche sie nach einiger Diskussion zufriedenstellend löste. Diese Runde ging bis etwa 4 Uhr morgens, wobei die Zeit wie im Flug verging. Zufrieden meldete ich mich am Orgastand ab - der inzwischen als krasses Kontrastprogramm von drei älteren Herren besetzt war - und tigerte ein wenig durch das Gebäude, wo ich unter anderem auf Lilli und Mischa traf. Gemeinsam beschlossen wir, noch ein wenig durch die Innenstadt und dann zu McDonald's am Bahnhof zu gehen, wo wir ein kleines nächtliches Mahl einnahmen. Erst gegen 5 Uhr war es dann Zeit für den Sandmann und ich führte meinen Schlafsack seinem Benutzungszweck zu. Doch, oh Graus - direkt in unserer Nähe hatte sich ein extremer Schnarcher postiert, der in dieser Nacht doch glatt versuchte, den aktuellen Dezibel-Rekord zu brechen. Es dauerte fast eine Stunde, bis ich schließlich eingeschlafen war.
Samstag: Die RatCon geht weiter
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Neuigkeiten auf dem RatCon |
Es war etwa 9 Uhr, als ich die Augen aufschlug. Da ich sowieso nicht mehr schlafen konnte, stand ich auf und stapfte leise vor mich dahin brummelnd in Richtung der Duschen. Danach war ich schon eine ganze Ecke munterer und guckte mich erst einmal im Innenhof um, wo um 10 Uhr das Würfeln um einen Platz im großen MPA der Alveraniare stattfindet. Ich lege jedoch eine äußerst unsouveräne 32 hin und kann mir einen Platz in dieser Runde daher abschminken. Also ging's mit Lilli in die Innenstadt, wo wir uns im Alex am großen Frühstücksbuffet bedienten. Danach: Ein weiterer Blick auf die Spielrundenaushänge, erneut leider nichts für mich dabei. Ich nutze die Chance, um mir die Händlerstände und damit auch einige Neuerscheinungen anzusehen (siehe Einschub). Später höre ich mir kurz einen der angebotenen Workshops an, bevor ich beschloss, meine zweite Runde für dieses Wochenende zu leiten und damit die Hälfte des Eintritts erstattet zu bekommen. Erneut wurde es das altvertraute DSA, diesmal ging es um einen mysteriösen Mordfall in einem kleinen Dorf im Bornland. Die Runde war recht kurzweilig, allerdings machte die Gruppe am Ende einen Fehler, als sie beschloss, angesichts der dämonischen Bedrohung in der nächstgrößeren Stadt die Obrigkeit zu informieren. Dies gab dem Erzschurken die Möglichkeit, das Weite zu suchen, bevor ein Trupp Praioten sich um die Bedrohung vor Ort kümmerte.
Knappe vier Stunden später, also pünktlich gegen 16 Uhr, war die Runde vorbei und wir suchten erneut die Dortmunder Innenstadt auf, um uns beim Australier und einem leckeren Glas Strongbow die zweite Hälfte des Spiels der Dortmunder Borussia gegen die Bayern aus München anzusehen. Dieses endete mit einem halbwegs akzeptablen 1:1 und da der HSV gleichzeitig gegen Karlsruhe gewann, war der restliche Tag gerettet. Zurück auf der RatCon trat ich meinen bereits einige Stunden zuvor reservierten Platz in einer Unknown-Armies-Runde kurzerhand an Merten ab, da ich gerade keine große Lust auf Rollenspiel verspürte. Also verbrachte ich die nächsten Stunden damit, mich mit einigen Leuten zu unterhalten, mich erneut kurz in einen Workshop zu setzen. Einige Stunden später wurde der durchaus chillige Abend dann leider jäh unterbrochen, da Lilli sich irgendwie den Rücken verrenkt und starke Schmerzen hatte. Als moralische Unterstützung fuhr ich also ins Krankenhaus mit, von wo wir - wieder eingerenkt und mit Schmerztabletten versorgt - erst gegen Mitternacht wieder zurück kehrten. Dazu läßt sich allerdings sagen: Das Wartezimmer der Notaufnahme ist an einem Samstag abend durchaus ein spannender Ort, denn randalierende Betrunkene oder Typen mit Einschusslöchern im Kopf bekommt man auf einer Convention normalerweise - glücklicherweise - nicht zu Gesicht.
Inzwischen machte der Schlafmangel vom Vortag sich deutlich bemerkbar und sorgte schließlich dafür, dass ich gegen halb zwei bereits wieder meinen Schlafsack aufsuchte. Der Schnarcher vom Vortag hatte sich leider ebenfalls dafür entschieden, relativ früh schlafen zu gehen - na klasse. Trotzdem schaffte ich es irgendwie, ihn in dieser Nacht zu ignorieren und schlummere relativ schnell weg.
Sonntag: Letzter Tag & Abreise
An diesem morgen hieß es relativ früh "Aufstehen!", da ich erneut mein Glück versuchen wollte, am großen MPA teilzunehmen. Das Auswürfeln begann um 8 Uhr und diesmal standen weitaus weniger als die 140 Leute vom Vortag in der Warteschlange. Ich legte mit 3 W20 jedoch erneut eine zu hohe Zahl vor (eine 32), so dass ich erneut relativ schnell die Gewissheit hatte, dass ich nicht dabei war. Ein wenig enttäuscht macht ich mich also auf die Suche nach einem Kiosk, um eine Tageszeitung vom heutigen Tag zu bekommen, doch ich wurde leider nicht fündig. Ohne Zeitung frühstückte ich also erst einmal in der Caféteria und unterhielt mich dabei kurz mit einem meiner Mitspieler vom Vortag. Um 10 Uhr dann die weitere Möglichkeit, wenigstens an einem Stand-alone-Abenteuer der Alveraniare teilzunehmen. Erneut griff ich zu den drei Würfeln, in der festen Überzeugung, diesmal eine grandiose Zahl unter 10 dabei heraus zu bekommen - und blickte Sekundenbruchteile später auf zweimal die 19 und eine 13. Bäh! Da mir die hohen Zahlen an diesem Tag also hold zu sein schienen, trug ich mich spontan in eine Demorunde des neuen D&D-4.0-Systems ein, von dem ich bereits eine Menge gehört hatte. "Pures Hack & Slay", "Kein richtiges Rollenspiel mehr", das waren die Eindrucke, die andere bisher an mich heran getragen haben. Um in Zukunft mitreden zu können, war diese Spielrunde also genau das richtige.
Mein Spielleiter in dieser Runde war Matthias, der seinen Job durchaus gut machte. Zusammen mit fünf anderen Mitspielern erforschte mein Kleriker einen Dungeon... äh... geplünderten Tempel und beseitigte dabei zahlreiche Gegner. Zwar nicht unbedingt das, was ich von einem Rollenspiel erwarte, aber das System ging relativ flott udn hat als Kampfsimulation sogar Spaß gemacht. Mein Fazit: Kann man mal spielen, so ganz meine Welt ist diese Art des Rollenspiels allerdings nicht.
Nachdem die Runde durch war, packte ich noch schnell meine Sachen und wir machten uns auf den Weg in Richtung Heimat, wo wir abends auch wohlbehalten eintrafen.
Das Fazit: Licht & Schatten
Wie man meinem Bericht vielleicht entnehmen kann, hat mich die RatCon auch in diesem Jahr wieder nicht vollends überzeugen können. Die Orga vor Ort war wirklich freundlich und auch stets bemüht, alles so glatt wie möglich laufen zu lassen, allerdings halte ich etliche grundsätzliche Entscheidungen für nicht besonders gelungen. Dies fängt bei den mangelhaften Schlafmöglichkeiten an, erstreckt sich über die relativ teure Verpflegung und endet schließlich bei dem meines Erachtens etwas dünnen Rahmenprogramm. Okay, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber ich hätte da gerne eine vielfältigere Auswahl gewünscht. Alles in allem kann ich sagen, dass ich zwar ein durchaus gelungenes Wochenende hatte, andere Conventions die RatCon in meiner persönlichen Favoritenliste aber mittlerweile meilenweit hinter sich gelassen haben. Vielleicht ist dies ja auch der Grund dafür, dass die Besucherzahl nach meinen Schätzungen im Vergleich zu meinem letzten Jahr erneut ein wenig zurück gegangen ist. Vielleicht wäre ein frischer Wind und einige Neuerungen wie z.B. ein anderes Gebäude für die RatCon ja belebend? Freuen würde es mich auf jeden Fall.
Sven

