Ostermarathon 2005
Aus RSCT94
Liebes Tagebuch,
wir schreiben das Jahr 2005. Wieder einmal stand das Osterfest vor der Tür und klopfte solange vehement an, bis es schließlich eingelassen wurde. Fast zwei Jahrtausende ist es her, seitdem die Römer den armen Osterhasen ans Kreuz genagelt haben und überall auf der Welt verbringen brave Christen diese Tage in stillem Gebet und strenger Abstinenz.
Wirklich überall?
Nun, wie der smarte Leser es vermutlich ahnt, sollte es das Schicksal ein wenig anders meinen mit einigen Mitgliedern unseres RSCT94. Was sich daraus entwickelte, mag man bereits aus der Überschrift ableiten, doch laßt euren treuen Berichterstatter am Anfang beginnen: Donnerstag, den 24. März 2005 Es ist etwa 20.00 Uhr abends und ich komme gerade von der Arbeit. Da das Display auf meinem Telefon nervös blinkt und mir einen Anruf von Markus anzeigt, rufe ich ihn auf seinem Handy zurück. Etwa eine Viertelstunde später sitze ich in einer spontanen Rollenspielrunde im Stadtwerkehaus. Geleitet wird diese Runde von Daniel, der es sich nicht nehmen läßt, die wackeren Streiter seiner Runde (neben Markus und mir noch Mirco und Kai) erst einmal mit dem Untergang einer gesamten Stadt und dem Tod der Heldengruppe zu konfrontieren – und das alles bereits in der Eröffnungsszene. Der Kenner weiß es schon: Ich spreche von dem Abenteuer "Kanäle von Grangor", einem echten Klassiker.
Die Session dauerte bis spät in die Nacht hinein und erwies sich als überaus spannend. Durch ein Wunder der Göttin Rahja wurden wir einige Stunden in der Vergangenheit versetzt, wo dann für alle außer uns und einigen Jüngern des Namenlosen die Zeit angehalten war. Zwar schafften wir in dieser Sitzung nur den ersten Teil des Abenteuers, dies tat dem Spielspaß allerdings keinen Abbruch. Irgendwann (war es bereits 3.00 Uhr?) setzt Daniel dann den Cut und wir begaben uns wieder auf den Heimweg.
Karfreitag, den 25. März 2005
Erwähnte ich bereits die Reizthemen "Stille Gebete" und "Strenge Abstinenz"? Ja? Nun, wer noch immer davon überzeugt ist, dass sich diese Grundfesten des Glaubens bei Mitgliedern des RSCT94 durchgesetzt haben, der sei eines besseren belehrt. Jede Gefahr der ewigen Verdammnis im Fegefeuer zum Trotz trafen sich an diesem Abend drei Jungs (Walter, Mirko und euer Autor) und drei Mädels (Julia, Sophia sowie Nadin als Nicht-RSCT-Verstärkung) in Walters neuer Residenz, um noch einige Überbleibsel seiner Einweihungsfeier zu vernichten. Dieses Vorhaben gelang auch recht gut, bevor es uns gegen Mitternacht dann in Richtung Reeperbahn zog. Dort verbrachten wir eine sehr angenehme Nacht im Pat O’Briens, wo es neben leckeren Getränken (Cider & Co.) noch sehr angenehme Musik gab.
Ob der gute Mirco es nachher vielleicht bereut hat, trotz einer persönlichen Einladung von Julia nicht mitgekommen zu sein? Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht – je nachdem wie unterhaltsam die parallel stattfindende D.S.A.-Runde im Stadtwerkehaus (Markus leitete ein Abenteuer aus "Questadores") war...
Samstag, den 26. März 2005
Nun ging es Schlag auf Schlag. Kaum aus dem Bett gekrabbelt, stand auch schon der nächste Programmpunkt an: Die allererste Bowling-Meisterschaft des RSCT94. Diese verdankten wir Lilli bzw. ihrem Großvater, der Eigentümer der Flora-Bowling-Bahn in Elmshorn ist und uns einen Preisnachlaß gewährte. Diesen nutzten wir dann natürlich auch und machten die Bowling-Bahn unsicher – was uns mal mehr, mal weniger gut gelang. Gespielt wurden drei Durchgänge, von denen die besten beiden gezählt wurden, was schließlich zu folgendem Endergebnis führte:
1. Mirco 341 Punkte
2. Nils 253 Punkte
3. Markus 221 Punkte
Mirco holt sich damit nach der Tichu-Meisterschaft 2004 souverän seinen zweiten Titel und darf sich fortan "erster RSCT-Bowling-Meister" nennen. Sein großer Vorsprung resultiert übrigens aus einer bärenstarken 211 im ersten Durchgang. Etwas abgeschlagen auf den weiteren Plätzen landen neben meiner Wenigkeit noch Simon, dessen Freundin Krissi, Stefan, Mirko, Lili, Nicolas, Carsten und Horst (Ja, den gibt’s tatsächlich noch...). Aber wie heißt es doch so schön? Dabei sein ist alles. Ich denke, es wird nicht das letzte Vereins-Bowling sein.
Von der Bowling-Bahn ging es für Mirko und mich erst einmal in den nächsten Supermarkt, wo wir uns mit totem Fleisch eindeckten, welches dann mit einigen anderen Leuten bei einem spontanen Ostergrillen vertilgt wurde. Danach noch schnell beim Osterfeuer vorbei und zurück in das Stadtwerkehaus, wo wir auf Carsten und einige andere RSCTler (Markus, Nils, Lilli und Daniel) treffen, die gerade eine D.S.A.-Runde anfangen wollen. Tja, was macht der versierte Rollenspieler da? Richtig - er steigt natürlich mit ein. So erleben wir dann noch einige unterhaltsame Stunden in Aventurien. Carsten konfrontiert uns mit einem mysteriösen "Häuserbrand samt Zombieproblem". Dieses wird von uns natürlich in der gewohnt überlegten Weise angegangen... kreative Einfälle der eher unappetitlichen Art (Stichwort für Insider: "Handpuppe") übergehe ich an dieser Stelle lieber.
Irgendwann spät in der Nacht (so langsam gewöhnen wir uns daran...) endete dann diese Session.
Ostersonntag, den 27. März
Tag 4. Ich selbst schwächelte und verbrachte ihn mit anderen Aktivitäten, allerdings trafen sich abends Mona, Markus, Mirco und Lilli, um unter Mirkos Leitung das Abenteuer "Im Traumlabyrinth" zu spielen. Naturgemäß kann ich von dieser Runde nicht allzu viel berichten, aus Mirkos Erzählungen ist mir allerdings folgende Situation im Gedächtnis geblieben:
Die Helden bewegen sich in einen seltsamen Raum hinein, in dem ein Stolperdraht gespannt ist, hinter den sich eine Grube mit Scherben befindet.
Spieler: Ich steige langsam und gaaanz vorsichtig über den Draht.
Meister: Unachtsam läufst du direkt in den Draht, bleibst daran hängen und fällst in die Grube. *würfel* 8 SP.
Spieler: HÄ?!? Das habe ich doch überhaupt nicht gesagt! Ich erhebe mich vorsichtig...
Meister: Du wälzt dich noch einmal so richtig schön in den Scherben. *würfel* ... nochmal 12 SP.
Spieler: ?!?
Des Rätsels Lösung: In diesem Raum liefen Vorhaben und Realität genau umgekehrt ab, was natürlich zu einiger Verwirrung führen kann. Besagter Spieler überlebte diesen Raum aber natürlich, nachdem er das Prinzip verstanden hatte.
Ostermontag, den 28. März
An diesem Tag stand das traditionelle Finale des "Radio Hamburg Osterhitmarathon" an. Also ging es für eine kleine Gruppe, bestehend aus Mirko, Mona, Alice und mir mit dem Auto nach Hamburg, wo wir uns allen Ernstes in das Gedrängel am Speersort wagten, um uns dort den Auftritt von Lotto King Karl anzusehen. Business as usual, ein solider Auftritt und vor allem die Erkenntnis, dass ohne "Fußball und Dosenbier" alles noch viel schlimmer wäre. Prost!
Die eigentliche Fortsetzung unseres "Ostermarathons" fand erst in den Abendstunden statt. Wie angekündigt setzte Daniel die "Kanäle von Grangor"-Runde vom Donnerstag fort und natürlich ließen wir alle uns es nicht nehmen, auch wieder mit dabei zu sein. Wir entlarvten schließlich eine falsche Rahja-Geweihte und vernichteten ein Haar des Namenlosen, um gegen 4.00 Uhr nachts als Belohnung dafür satte 1.250 Abenteuerpunkte (Klein, neonfarben, ihr kennt sie...) entgegen zu nehmen. Hat sich wirklich gelohnt, auch aus rollenspielerischer Sicht, denn das Abenteuer ist wirklich nett gemacht.
Dienstag, den 29. März
Die eigentlichen Osterfeiertage waren nunmehr vorbei, doch wohl dem, der noch einige Tage Resturlaub hat. Mein Weg führte mich an diesem Tag u.a. ins Down Under, wo gemeinsam mit Walter, Mirko, Mona und Sandra einige Cocktails und Chicken Wings ihren Weg ins Nirvana finden – der übliche Dienstag eben. Da ich auch noch den nächsten Tag nicht arbeiten mußte, bot ich spontan an, abends eine weitere D.S.A.-Runde zu leiten. Schnell waren die nötigen Spieler dafür zusammen getrommelt: Mirko, Daniel, Mirco, Lilli und Kai.
Mit rotglühenden Augen erhebt sich der dunkle Schatten bedrohlich vor euch. "Ihr habt mich also gefunden? Das denkt ihr vielleicht, Menschlein... ich habe auf euch gewartet! Habe euch in meinen Träumen gesehen, habe gesehen, wie ich euer köstliches Fleisch von den zuckenden Knochen reißen und in eurem Blut baden werde..."
Man stelle sich folgende Situation vor: Ein komplett abgedunkelter Raum, in der Mitte ein Tisch, an dem fünf Leute sitzen. Eine weitere Gestalt hüpft und springt um die Gruppe herum, um sie abwechselnd anzubrüllen oder ihnen detaillierte Beschreibungen eines geplanten Blutbades zuzuflüstern. Der eine oder andere Spieler muß schon ein wenig schlucken...
Wie kam es zu diesem Szenario? Ich hatte vor einigen Wochen den D.S.A.-Klassiker "Stromaufwärts" geleitet. In diesem Abenteuer verschlägt es die Helden in die Wildnis des Überwals, wo sie u.a. einer Werwölfin namens Iriwa begegnen. Da diese von den Helden nicht getötet wurde, hatte ich mir überlegt, Iriwa noch einmal in ein Abenteuer einzubauen... und genau dies sollten wir an diesem Tag spielen: Die Gruppe machte sich erneut in den Überwals auf, um Iriwa im Auftrag ihres sterbenden Vaters zu finden und sie vielleicht von ihrem Fluch zu befreien.
Doch das Heldenleben ist nicht leicht: Ein äußerst fanatischer Praios-Geweihter bekam Wind von der Sache und setzt es sich ebenfalls zum Ziel, Iriwa zu erlösen... allerdings nicht durch das Peraine-Wunder der heiligen Theria, sondern durch "die einzige wahre Methode", nämlich das "reinigende Feuer des Herrn Praios". Im Laufe des Abenteuer lernten die Helden dieses kleine grauhaarige Männchen (dessen Sprache und Gestik irgendwie an so einen Diktator aus Braunau erinnerten...) zu hassen, waren dadurch aber in einen Zwiespalt geraten: Schließlich war das ja ein Praios-Geweihter und damit eine Autorität.
Im Überwals stießen die Helden noch auf eine einsame Köhlerhütte, in der eine Bestie ein Massaker unter der dort (nicht mehr...) lebenden Familie angerichtet hatte. Auf eine nähere Beschreibung möchte ich an dieser Stelle verzichten, sondern lediglich darauf verweisen, dass sich während meiner Schilderung der Hütte eine Spielerin die Ohren zugehalten hat und auch die anderen nicht allzu glücklich aus der Wäsche guckten... Rollenspieler sind eben zart besaitete Menschen.
Letzten Endes schaffte die Gruppe es aber doch noch, die Werwölfin aufzutreiben (siehe oben), den Praios-Geweihten samt seinem Gefolge zu überwinden und dem wahren Verantwortlichen für das Massaker den Garaus zu machen. Als Belohnung gab es neben den obligatorischen Abenteuerpunkten noch einen Anteil am florierenden Pelzhandel in Walserwacht.
Erneut gegen 4.00 Uhr nachts endete dieses Abenteuer und damit auch der lange Ostermarathon 2005.
Fazit
Ja, das war es also – Ostern 2005. Wenn man bedenkt, dass wir eigentlich nur das Bowling im Vorwege geplant hatten, sind sechs aufeinanderfolgende Tage mit Aktivitäten des Rollenspielclubs schon eine beachtliche Leistung. Ich habe diese Tage in einem kleinen Bericht zusammen gefaßt, damit wir uns vielleicht auch in fünf Jahren noch daran zurück erinnern können, was wir Ostern 2005 so alles gemacht haben. Gleichzeitig bietet dieser Text auch, nachdem die Wochenberichte leider eingeschlafen sind, einen komprimierten Überblick über das, was den RSCT94 meines Erachtens ausmacht: Wir haben zwar alle ein gemeinsames Hobby, können aber auch außerhalb des Rollenspiels mal was miteinander unternehmen - und sei es, Mirco bei seinem fünften Strike hintereinander anzufeuern oder eine Nacht auf dem Kiez zu verbringen.
Sven
PS.: Sinnentleerte Untertitel fördern das Denkvermögen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte ihren Arzt oder den freundlichen Rollenspieler aus ihrer Nachbarschaft. Und grüßt mir die Pornonauten.
