On Tour - Die Band auf dem Odyssee Con

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On Tour - Die Band auf dem Odyssee-Con


Ein weiterer Con, ein weiteres Mal quer durch Deutschland, ein weiteres langes anstrengendes Wochenende, ein weiteres Mal jede Menge Spaß - hoffentlich. So oder ähnlich waren meine Gedanken, als ich am Freitag Nachmittag gegen kurz vor drei damit begann, meine Begleiter für den Odyssee-Con in Berlin einzusammeln bzw. als ich mich auf den Weg machte, die Band zusammenzustellen. Zuerst ging es, im wie immer blitzenden Ferrari, zu "Mumblin' Mona M", der Backgroundtänzerin unserer Truppe, die von uns allen definitiv das meiste Essen dabei hatte. Danach war es "DJ Sven", der mit seinem übergroßen Rucksack als nächster zur Gruppe stieß, bevor schließlich und endlich "Shakin Mirco Schubert" und seine riesige Reisetasche (Ich vermute ja bis heute, er hatte dort drin mindestens eine Leiche.) die Band komplettierte.

Gemeinsam nahmen wir dann die größte Tortur unserer Fahrt in Angriff, die Durchquerung Hamburgs von Nordwest (Tornesch) nach Südost (Horner Kreisel) während des Feierabend- und Wochenendverkehrs an einem Freitag Nachmittag um 16 Uhr bei 25 Grad. Nachdem diese schlappen 40 km etwa anderthalb Stunden in Anspruch genommen hatten, nahm der dusslige Fahrer auf der Autobahn dann gleich am ersten Dreieck die falsche Abzweigung, was uns eine idyllische Rundfahrt durch das schöne Trittau auf der Suche nach der richtigen Autobahn einbrachte. Bis Berlin verlief dann alles reibungslos und wir fanden unfallfrei den Bierpinsel. Dann allerdings kam es wieder wie es kommen musste: Wir verfuhren uns trotz der optimalen Kartenlesekünste von Mirco in unserer Bundeshauptstadt. Der Plan gab nichts mehr her, also wurden ein paar Eingeborene befragt, was uns aufgrund unserer mangelhaften Türkisch-Kenntnisse anfangs nicht wirklich in die richtige Richtung brachte. Als wir dann aber an einer Bushaltestelle auf drei Leute trafen (Ein besoffener Handwerker, eine Rentnerin und ein Schwarzer), die auf unsere Frage nach einer bestimmten Straße in drei verschiedene Richtungen wiesen, sich aber schließlich in einer zwei-zu-eins Kampfabstimmung auf die Beschreibung des Schwarzen (Ist das eigentlich die politisch korrekte Bezeichnung?) einigten, was uns dann doch endlich zum richtigen Ziel führte und gegen 20.30 den Con mit unserer Anwesenheit beehrte.

Da ich schon ab 20.00 hätte meistern sollen, waren wir zwar ein wenig spät, aber immerhin. Während die anderen drei in einer Runde eines unaussprechlichen Rollenspiels landeten, dass von Pia Hufschlag gemeistert und entwickelt wurde, gelang es mir vier Spieler für eine Runde "RISUS" aufzutreiben. Irgendwie hatte mein Aushangtext "Ihr wolltet immer schon mal Nacktbilder von Anna Kournikova haben? Guuuuuuuut. Euer Chefredakteur nämlich auch....." wohl doch verlockend geklungen...... Viereinhalb spaßige, witzige, urkomische, durchgängig geblödelte und leicht anarchische Stunden später hatten die vier Helden (Reporter für die Bunte) es schließlich geschafft, die Fotos waren besorgt, diverse Prominente verulkt, die Drogen verbraucht, der Ruf von Annas Mutter ruiniert sowie endlich mal bewiesen, dass auch ein Held mit dem Klischee "Kreuzberg-Türke" durch sein Foto-Handy ziemlich wichtig werden kann. Nach ein bisschen Smalltalk mit den Spielern sowie den PrO-Leuten hieß es für mich dann ab ins Bett (bzw. auf den Turnhallenboden) und auch die anderen drei Bandmitglieder fanden sich im selben Moment dort ein, was eigentlich nichts spektakuläres gewesen wäre, wenn nicht....ja....wenn nicht unser DJ Sven so eine tolle Luftmatratze gehabt hätte. Und so eine schwache Lunge. Und so einen tollen quietschenden Blasebalg. Und so unendliche Geduld..... Nach sage und schreibe fünfzehn Minuten hatte er es endlich geschafft seine dusslige Luftmatratze mit Luft zu füllen und durch das extreme Quietschen alle bereits in der Halle schlafenden aufzuwecken und das obwohl er vor der Halle stand. Mit einem stolzen Grinsen und begleitet von hämischen Rufen sowie Beifallsstürmen und einer La-Ola-Welle latschte DJ Sven dann schließlich im Triumphzug mit seiner Matte ein und alle konnten endlich schlafen.....

Der nächste Morgen. Vermutlich ein Samstag. Nachdem ich ohne größere Eier- oder Tomatenwurfattacken die Moderation der Systemvorstellungen des PrO überstanden hatte, schenkte die gesamte Band sich den ersten Block des Tages und unternahm einen kleinen Zug durch die Gemeinde. Mit Bus und Bahn ging es also zu Potsdamer Platz, Alex und Brandenburger Tor. Außer einem burgerlich königlichen Menü ist von unserer Fahrt lediglich eine Tausendschaft (oder mehr?) Verrückter erwähnenswert, die vor dem Brandenburger Tor kniend, die Arme erhoben, betend Jesus um Erlösung und Reinigung anflehten. DJ Svens verzweifelter Versuch, sich unauffällig unter diese merkwürdigen Leute zu mischen schlug geringfügig fehl, da er eindeutig nicht als frisch geheilter ehemals Lahmer durchging. Auf dem Rückweg gelang es mir dann noch meine Führungsqualitäten zu beweisen, indem ich die anderen drei über den falschen Bus, zur falschen Haltestelle und schließlich improvisiert zum richtigen Ort (dem Con-Gebäude) lotsen konnte, ohne dass ihnen aufging, dass ich ebenso orientierungslos war wie sie.

Als nächstes folgte der zweite Teil der Systemvorstellung, diesmal mit mir und unserer 'Blauen Mappe'. Da alle anderen mit PC und Multimediashow ihre Vorführung machten, war ich mit meinem "Sechs-Stichworte-Zettel" zwar ein wenig underdressed, aber nichtsdestotrotz sieben Minuten beschäftigt. Direkt im Anschluss wollte ich eigentlich "Blaue Mappe" meistern, aber es fand sich leider nur ein Mitspieler, den ich schließlich in einer GURPS-Runde unterbrachte, bevor ich selber zur Annor-Gruppe stieß, zu der bereits Mona gehörte. Ein paar entspannende Stunden, nur unterbrochen durch eine hervorragende Rollenspieldokumentarfilmvorstellung (Das längste Wort in einem Bericht - ich bin der Größte....), später schlossen wir auch dieses Abenteuer zur Zufriedenheit der ganzen Gruppe ab und begaben uns in den Saal zur großen Tombola.

Zwölf Lose waren im Besitz der vier Bandmitglieder und immerhin sechs Preise sahnten wir damit ab. Von zwei "Midgard"-Regelwerken über ein "Last Exodus"-Regelwerk bis hin zu Darkforce-Karten, Ringboten und einem Kartenspiel reichten unsere Gewinne, die wir sofort sicherheitshalber im Auto verstauten. Während die anderen nun für die restliche Nacht dem Cuthulu-Mythos frönten, besuchte ich hinten im Garten bei Kerzenschein zuerst die wirklich hervorragende Lesung von Boris Koch, bevor ich mich einer ausgiebigen Smalltalkrunde im Cafe hingab, die schließlich gegen zwei Uhr für mich ihr Ende fand (Großen Dank übrigens an Daniela für ihren Spontanworkshop zu den sieben Arten der Rollenspieler und Dank an Pia und wiederum Daniela für "Rollenspielmeister als Ausbildungsberuf bzw. Studiengang".).

Nächster Morgen. Ein Sonntag sehr wahrscheinlich. Die anderen schrecken mich gegen sechs Uhr aus dem Schlaf als sie nach Ende ihrer Runde lautstark in die Turnhalle poltern. Wälze mich hin und her und stehe dann gegen viertel vor acht schließlich auf. Nach Dusche und Frühstück erfolgt dann der Umzug von der bisherigen Location "Haus der Jugend" in die "Burg", dem Con-Gebäude für diesen Tag. Die anderen drei landen in einer "Last Exodus"-Runde, während ich einer Everway-Runde meine Aufwartung mache. Sehr einfaches, entspanntes Fantasysystem, ohne Würfel, mit vielen Interpretationsmöglichkeiten der stattdessen verwendeten Karten sowie einer obergenialen Charaktererschaffung. Werde ich mir auf jeden Fall zulegen und im Verein vorstellen. Habe den Meister auch prompt für ConTor 2004 eingeladen (ebenso wie einige andere an diesem WE).

Als letztes nahmen wir dann noch alle die große Versteigerung mit, bevor wir uns auf den Heimweg machten, der diesmal nur diverse Autobahnvollsperrungen, Unfälle und Staus beinhaltete, aber trotzdem sehr unterhaltsam verlief. Mein Fazit: Odyssee ist ein sehr, sehr schöner kleiner Con mit hervorragenden Meistern und Spielern, der vor allem von seinen diversen, verschiedenen und seltenen Systemen lebt und daher eine mehr als nur angenehme Abwechslung zu allen anderen Cons darstellt. Gerade das zieht wohl auch das insgesamt sehr kreative und für alles zu begeisternde Publikum an. Desweiteren fiel mal wieder auf, wie gut doch das Blocksystem eigentlich ist, dass andere Cons ruhig übernehmen könnten. Wenn irgend möglich bin ich nächstes Jahr wieder da. Mein Dank geht an Nimer (für die hervorragende Orga), Hans (für die souveräne Rundenorga), Andrea (für die Küche) und all die anderen deren Namen ich vergessen hab oder nie wusste. Wir sehen uns spätestens auf dem NordCon wieder....

Walter

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