Odyssee 2008

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Bericht - Bilder

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Schon seltsam: Nach unserem ersten Besuch auf der Odyssee im Jahre 2003 hatten wir es irgendwie nur in geraden Jahren geschafft, die Reise nach Berlin anzutreten. Dieser Regel folgend, war 2008 natürlich wieder ein "Odyssee-Jahr". Grund genug also, für einige fleißige Con-Fahrer aus unseren Reihen, unserer Bundeshauptstadt einmal wieder einen Besuch abzustatten und "nebenbei" ein wenig Rollenspiel in entspannter Atmosphäre zu betreiben. Von dem, was wir auf dieser Convention alles erlebt haben, will ich euch an dieser Stelle berichten.

Einleitung: Die tapferen Heroen auf der Anreise

Im Vorfeld der Convention hatten einige Mitglieder unseres Vereins ihr Interesse bekundet, einmal (wieder) zur Odyssee zu fahren. Diese Gruppe schrumpfte jedoch kurz vor dem Termin auf zwei Personen zusammen, nämlich Merten und den Autor dieser Zeilen. Da Walter am selben Wochenende zusammen mit Marcel zur deutschen Diplomacy-Meisterschaft nach Berlin fuhr, schlossen wir uns dieser kleinen Fahrgemeinschaft an. Pünktlich um 13 Uhr ging's also erst einmal vom Tornescher Bahnhof aus in Richtung Hamburg, wo wir uns eine Stunde später im allseits bekannten Atlantis zur Weiterfahrt verabredet hatten. Welch ein glücklicher Zufall: Ingolf, der Eigentümer des Ladens, hatte nämlich noch zwei Freikarten für die Odyssee, die er uns Stammkunden natürlich gerne überließ, als er erfuhr, wo wir mit unseren Taschen, Isomatten und Schlafsäcken hinwollten. Schnell steckte ich noch ein paar Werbeflyer für das Atlantis und den LogenCon ein und los ging's.

Dank eines Staus dauerte die Fahrt in Walters Auto ein wenig länger als erwartet, so dass wir gegen 18 Uhr 30 erst in Berlin eintrafen. Unterwegs hatten Merten und Marcel auf der Rückbank sogar ein wenig Schach gespielt, außerdem haben wir uns die Fahrtzeit mit spaßigen Spielen im Stile von "Wer bildet aus Autokennzeichnen die besten Pornotitel?" vertrieben. Noch einmal 45 Minuten mit der U-Bahn und dem Bus später erreichten Merten und ich dann den Veranstaltungsort der Odyssee.

Zahlen, Daten, Fakten

Thema: Erde
Nachdem vor zwei Jahren das Element "Wasser" als Leitfaden für die Odyssee galt, kam diese Mal ein anderes Element ins Spiel, "Erde". Ein Element, nach dem ein ganzer Planet benannt wurde, das vielseitig vom tückischen Treibsand bis hin zum hohen Gebirge vertreten ist, unter dessen tonnenschwerer Last sich geheimnisvolle Höhlensysteme verbergen... Erde bietet viele Möglichkeiten, sei es der Kampf um Land oder die Taktik der verbrannten Erde, Mauern aus Stein, die einen am Aus- oder Einbruch hindern oder die letzten verrinnenden Körnchen Sand in der Uhr.

Wie immer galt, dass das Thema nur ein Leitfaden und keineswegs eine absolute Vorgabe sein sollte, aber die eine oder andere Idee basierte auf diesem Element!

An dieser Stelle nenne ich nun erst einmal einige harte Fakten zur Odyssee-Convention. Wer dort bereits einmal war oder meine letzten Berichte gelesen hat, der kann diesen Abschnitt getrost überspringen. Also: Die Odyssee fand in diesem Jahr wieder im Haus der Jugend "Albert Schweitzer" im Berliner Stadtteil Steglitz statt. "Wieder" sage ich deshalb, weil die Con im letzten Jahr - ich hoffe, ich irre mich da jetzt nicht, bin ja nicht da gewesen - in einem Ausweichgebäude veranstaltet wurde, da im Haus der Jugend umfangreichen Renovierungsarbeiten durchgeführt wurden. Diese haben sich wirklich gelohnt, denn aus dem etwas muffigen Haus mit dem spröden Charme der 50er Jahre ist unmehr ein gut saniertes Gebäude geworden, das sich durchaus sehen lassen kann. Großer Saal mit Bühne und Tresen, etliche kleinere Räume für einzelne Rollenspielrunden, ein windgeschützter Innenhof, eine große Turnhalle samt Duschen als Übernachtungsmöglichkeit - was will das Rollenspielerherz mehr? Die Location bekommt von mir glatt das Prädikat "Sehr gut".

Die Odyssee hat es sich ja seit jeher auf die Fahnen geschrieben, die eher unbekannten Systeme zu fördern. Insofern suchte man "Mainstream"-Systeme wie DSA, Shadowrun oder D&D vergeblich, was der Auswahl aber keinen Abbruch tat. Es ist schon erstaunlich, wie viele teilweise obskure Systeme es gibt, die trotz ihres geringen Verbreitungsgrades nicht unbedingt schlechter sind als die bekannteren Publikationen.

Hinsichtlich der Spielrunden setzte die Odyssee wieder auf das altbewährte Blocksystem, was bei einer Veranstaltung in dieser Größenordnung nur Sinn macht. Dies bedeutet, dass die Spielrunden in verschiedene Blöcke (hier waren es über das Wochenende deren fünf) eingeteilt sind und jeweils parallel beginnen. Das führt zwar manchmal zu etwas Gedrängel, wenn die Runden ausgehängt werden, allerdings entsteht relativ wenig Leerlauf. Im Vergleich zum LindenCon etwa war die Relation zwischen Spielleitern und potentiellen Mitspielern in Ordnung, so dass eigentlich jeder irgendwo einen Platz ergattern konnte, ohne dass es zu tumultartigen Szenen beim Aushang der Runden kam. Zum Stichwort "Größenordnung" sei gesagt, dass sich nach Angaben der Veranstalter etwa 130 Gäste auf der Odyssee tummelten.

Für das leibliche Wohl dieser Gäste war natürlich auch gesorgt: Neben dem immervollen Con-Becher (Tee und Kaffe satt für nur 5,- Euro) gab es günstige Softdrinks, Grillwürste, Suppe, Nudelsalat, Kuchen und morgens als Extra-Service auch noch Frühstück.

Okay, soweit die Fakten. Laßt uns also mal gucken, was wir so daraus gemacht haben...

Freitag, 8. August

Nach unserer Ankunft und dem freundlichen Empfang lag erst einmal ein Rundgang durch das Gebäude an. Es ist schon erstaunlich, wie viele bekannte Gesichter man entdeckt, wenn man häufiger auf Rollenspiel-Conventions ist. Obwohl die Spielrundenaushänge bereits eine halbe Stunde lang hingen, konnten Merten und ich uns Plätze in einer Cthulhu-Runde von Markus ergattern, die um 20 Uhr begann. Dabei spielte unsere Runde die Mitglieder einer langweiligen Farmersfamilie im mittleren Westen der USA... doch halt, stop! "Langweilig" ist bei Cthulhu immer das Zeichen dafür, dass etwas ganz furchtbares passieren wird - und genau so kam es dann auch. Etwa drei Stunden später hatte sich unsere paranoide und langsam in den Wahnsinn entgleitende Familie selbst fast ausgelöscht. Keine überragende, aber durchaus interessante Session. Da es noch relativ früh war, beschlossen wir, in der selben Besetzung ein weiteres Cthulhu-Abenteuer zu spielen, wobei Markus als Meister Unterstützung von Igal bekam. Gemeinsam führten die beiden uns in eine kafkaeske Szenerie in einer Irrenanstalt, die wirklich... wirklich... seltsam war. Die Müdigkeit von der anstrengenden Anreise machte mir leider zu schaffen, so dass ich gegen 2 Uhr in der Nacht nicht wirklich unglücklich war, dass mein Charakter getötet wurde. Wie sich nachher herausstellte (die restlichen Spieler waren noch etwa eine Stunde zugange), war eben dieser Charakter in Wirklichkeit ein böser Kultist mit Amnesie, so dass sein Tod nicht sonderlich betrauernswert ist. Zufrieden suchte ich also meinen Schlafsack auf und betete noch einmal kurz dafür, dass kein außergewöhnlicher Schnarcher die Turnhalle als Übernachtungsdomizil auserkoren hatte.

Samstag, 9. August

Der Veranstalter
Veranstalter der Odyssee ist der Verein Nexus e.V., ein Verein zur Förderung der phantastischen Kultur, der seit 1992 in Berlin und einigen Jahren auch im Süden Deutschlands sowie auf Messen und Conventions in anderen Regionen tätig ist. Unter phantastischer Kultur verstehen die Mitglieder nicht nur Rollenspiele, auch wenn das der Schwerpunkt des Vereins ist. In erster Linie organisiert man regelmäßige Treffen für Rollenspieler/innen in Berlin, sammelt und verteilt Informationen über Läden, Organisationen, knüpft Kontakte zu anderen Vereinen etc. und schafft somit eine Infrastruktur (nicht nur) für seine Mitglieder.

Außerdem versuchen die Mitglieder, sich nicht nur zum Spielen zu treffen, sondern gehen auch gemeinsam ins Kino, veranstalten Picknicks, ein Kickerturnier im Jahr und geben den Berliner Rollenspieler/innen so Raum, sich kennenzulernen und Kontakte auch für private Spielrunden zu knüpfen.

Gegen 9 Uhr erwachte ich und stellte zufrieden fest, dass mein Gebet offenbar erhört wurde. Gut erholt ging's also erst einmal unter die Dusche und dann in den großen Saal, wo das Frühstück leider noch ein wenig auf sich warten ließ. Gut, die Grillwürste vom Vortag sorgten dafür, dass ich nicht gleich den gräßlichen Hungertod erleiden mußte. Nach Unmengen an Brötchen und Aufschnitt wurden die potentiellen Spielrunden für den heutigen Tag im Programmheft gesichtet. Schnell waren Merten und ich uns einig, dass die Cthulhu Now-Runde von Autor Frank Heller eindeutig die reizvollste Alternative darstellte und wir positionierten uns so vor dem Spielrundenaushang, dass einer von uns auf jeden Fall beide Namen rechtzeitig dort eintragen konnte. Dies gelang auch tatsächlich und so landeten wir zusammen mit zwei anderen Mitspielern in dem Szenario "Abwärts", welches übrigens in Kürze in der Zeitschrift "Cthuloide Welten" veröffentlich wird. Aus genau diesem Grund werde ich auch nicht allzu viel über das Abenteuer verraten, nur soviel: Es spielt in einem Hochhaus und ein Fahrstuhl kommt darin vor. Eine nette und vor allem knackig-kurze Runde, die wir nach 2 Stunden gemeistert hatten. Da Frank selbst wohl nicht damit gerechnet hatte, dass wir derart schnell vorgehen würden, hatten wir nun also ein wenig Luft bis zum Beginn des nächsten Spielrundenblocks. Diese Zeit nutzten wir, um zusammen bei einem günstigen Italiener in der Nachbarschaft etwas essen zu gehen. Dabei entwickelte sich eine interessante Diskussion zum Thema Rollenspiel, die einige Aspekte von Franks Workshop mit dem Thema "Pen&Paper-Rollenspiel, ein sterbendes Hobby?" vorweg nahm.

Den Workshop selbst hätte ich mir trotzdem gerne angehört, allerdings lag dieser parallel zum nächsten Spielrundenblock um 17 Uhr. Ich entschied mich für letzteres und trug mich zu einer Runde Arcane Codex' bei Leif ein. Das System hatte ich 2007 auf der LindenCon bereits gespielt, so dass der Einstieg relativ leicht fiel. Unser Meister tat sein bestes, um uns ein relativ kurzes, aber dennoch unterhaltsames Abenteuer erleben zu lassen. Besonders die flüssigen Kampfregeln bei Arcane Codex gefallen mir recht gut. Merten landete in einer Runde 7te See, die sehr schön gewesen sein soll.

Neben einem Rollenspiel-Quiz stand um 22 Uhr der nächste größere Programmpunkt an - ein "Abenteuer" mit dem Titel "Gedächtnissplitter". Wer den Film "Memento" kennt, dem wird das Prinzip vage vertraut vorkommen: Vier Spieler werden nacheinander auf die Bühne gerufen und müssen mit einem einzigen gemeinsamen Charakter einen Plot lösen. Da eben dieser Charakter unter einem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses leidet, wissen sie dabei nicht, was der Spieler vor ihnen gemacht hat. Nur ein paar Stichpunkte auf Zetteln waren jeweils erlaubt, um wichtige Infos an den nächsten Spieler weiter zu geben. Eine interessante Idee, die ich mir sicherlich auch gerne angeguckt hätte, wenn Nimer mich nicht am Vormittag darum gebeten hätte, bei der Sache mitzumachen. Na ja, Bühnenerfahrung auf der Odyssee hatte ich ja schon vorher (Stichwort: Geburtstagssingen im Jahre 2004...

Es folgte die traditionelle Tombola, bei der ich mit meinen fünf Losen tatsächlich drei Preise gewinnen konnte: Einen... hm... scheußlichen LARP-Bildband mit offenkundig homoerotischen Elfenbildern, einen ledernen Einband für ein Buch und... tadaaa... den absoluten Hauptpreis des Abends: Das legendäre Xena-Brettspiel. Bei diesem schließt sich der Kreis, da die Odyssee-Veranstalter einen großen Stapel dieser Brettspiele vor einigen Jahren einmal günstig auf dem NordCon erworben haben - und wir dachten, wir wären die Dinger damit endgültig los. Das Brettspiel tauschte ich übrigens später mit einem anderen Odyssee-Besucher gegen einen weiteren Ledereinband - hauptsächlich deshalb, weil in meinem Rucksack kein Platz mehr war und ich das Spiel nicht bei Wind und Wetter am Sonntag durch Berlin schleppen wollte. Puh.

Da ich keine große Lust auf eine längere Nachtrunde hatte, gesellte ich mich noch eine Weile zu Merten, Robert und Claudia (Yep, die Nürnberger trifft man auch überall...) und wir spielten einige Runden TransAmerica". Ein kurzweiliges Brettspiel, bei dem jedoch das Glück einem manchmal einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen kann.

Irgendwann in der Nacht ging es dann wieder in Richtung Turnhalle zum Schlafen.

Sonntag, 10. August

Auch an diesem Tag wurde ich relativ früh wach, was vermutlich an meinem klingelnden Handy lag, für das mich die Leute neben mir vermutlich gerne hingerichtet hätten. Nun ja. Schnell unter die Dusche und dann zum Frühstück, welches heute ebenso lecker wie gestern war. Die Spielrundenauswahl heute war leider nicht mehr allzu groß, doch fündig wurden Merten und ich trotzdem. Wir beide landeten in jeweils einer Runde "Engel", wobei meine von Debbie und Mertens von Dani geleitet wurde. Ein Wiedersehen gab's dabei für mich und meinen Charakter dabei auch mit einer Mitspielerin vom LindenCon vor einigen Wochen. Die Runde dauerte zwar nicht allzu lange, allerdings hat mir das System wieder einmal sehr gut gefallen und die Mitspieler waren auch alle durchaus unterhaltsam.

Gegen 15 Uhr war unsere Spielrunde und die gesamte Odyssee dann leider auch schon vorbei. Merten, besagte Mitspielerin aus der Engel-Runde (die ich in Ermangelung eines guten Namensgedächtnisses einfach mal passend "Engelchen" nenne...) und ich legten im strammen Laufschritt die 1,6 Kilometer bis zum Bahnhof Steglitz zurück. Von dort aus ging es für Merten und mich wie auf dem Hinweg einmal quer durch die Stadt, wo Walter und Marcel bereits am Treffpunkt warteten.

Die Rückfahrt verlief ohne Zwischenfälle, Pornotitel oder Schachmeisterschaften. Wohlbehalten kamen wir also wieder in der trauten Heimat an.

Fazit

Wieder einmal eine Convention, wieder einmal eine Odyssee - diesmal allerdings im positiven Sinne. Mich hat die Convention ein Wochenende lang gut unterhalten. Auch wenn ich diesmal keine neuen Rollenspiele kennengelernt habe, war es doch wieder sehr angenehm, Systeme zu spielen, die wir daheim nicht oder nur selten spielen (Arcane Codex, Engel). Cthulhu ist ja ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Die Odyssee ist keine Convention wie jede andere und genau das macht den Reiz dieser Veranstaltung aus. Ich mag den Organisatoren nur raten, so weiter zu machen wie bisher, denn wirklich etwas zu verbessern gibt es eigentlich nicht. So lohnt sich die Anreise von "hinter Hamburg" auch im nächsten Jahr sicherlich wieder.

Sven

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