Odyssee 2006
Aus RSCT94
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Bericht Sven - Bildergalerie |
Immer wieder erreichen uns Zuschriften wie diese hier:
| Liebes RSCT-Team,
ich (14) bin total verzweifelt: Mein Freund, der eigentlich total lieb ist, will immer nur "Shadowrun" oder "Das Schwarze Auge" mit mir spielen. Ich aber sehne mich nach mehr. Bin ich noch normal oder vielleicht nymphoman? Oder ist mein Freund frigide? Außerdem meinte eine Freundin von mir, man könne vom ungeschützten Rollenspiel schwanger werden. Stimmt das? Susi |
Liebe Susi,
du brauchst keine Angst haben. Du befindest dich in einem Alter, in dem dir viele Dinge vielleicht seltsam vorkommen, obwohl sie zum Erwachsenwerden dazu gehören. Da ist es vollkommen normal, wenn du experimentieren willst. Vielleicht hat ja auch dein Freund Lust darauf, einmal etwas neues auszuprobieren. Er wird dir bestimmt nicht böse sein, wenn du dich ihm anvertraust. Sprecht über eure Wünsche...'
Was ist die Odyssee?
Zur Beantwortung dieser Frage zitiere ich einfach mal die Homepage des Veranstalters:
Bei der Odyssee handelt es sich ganz grundsätzlich erst einmal um eine Spielveranstaltung. Es geht darum, dass viele Menschen zusammenfinden und zusammen spielen, miteinander kommunizieren und dabei eine Menge Spaß haben. Es handelt sich aber nicht um beliebige Brett- oder Kartenspiele, sondern um Rollenspiele, manchmal auch "Pen & Paper - Rollenspiele" genannt, da man dabei eben häufig Bleistifte und Papier verwendet. Zusätzlich zu den Rollenspielen werden Lesungen und Workshops angeboten.
Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen, während denen hauptsächlich Rollenspiele gespielt werden, konzentriert man sich bei der Odyssee auf die eher unbekannten, kleineren und von Einzelpersonen/kleinen Gruppen selbst gemachten Spielsysteme. Obwohl es sich eigentlich um Randerscheinungen handelt, warten viele von ihnen doch immer wieder mit besonderen Ideen und Einfallsreichtum oder einfach mal ganz anderen Herangehensweisen an das Rollenspiel auf, wodurch die Odyssee eine ganze Menge zu bieten hat und regelmäßig ein engagiertes und interessiertes Publikum anlockt.
Die größten und bekanntesten Spielsysteme sind von der Veranstaltung ausgeschlossen (dies gilt für Das Schwarze Auge, Dungeons & Dragons und Shadowrun), um den einzigartigen Charakter der Odyssee unverfälscht zu erhalten.
Soweit die offizielle Beschreibung. Bereits zum zehnten Male hat in diesem Jahr der Verein Nexus e.V. aus Berlin die Odyssee veranstaltet, womit die Con mittlerweile zu den traditionsreichsten gehört. Veranstaltungsort war wie in den letzten Jahren das Haus der Jugend "Albert Schweitzer" im Stadtteil Steglitz unserer schönen Landeshauptstadt.
Die Crossover-Fahrt
Nachdem wir im letzten Jahr wegen eines gleichzeitig stattfindenden Musik-Festivals leider passen mussten, ließen wir es 2006 natürlich nicht nehmen, der Odyssee einen Besuch abzustatten. "Wir", waren in diesem Falle Walter alias Stefan "Klein, aber nicht zu übersehen" Unger und euer treuer Autor, Sven "Wäre ich nicht dabei, würden alle meinen Bericht vermissen" Reinhold. Verstärkt wurden wir beiden RSCTler von Björn "Ich war schon auf 1.000 Conventions" Fuhrmeister und Jost "Ich muss mitkommen, weil mein Zivi übers Wochenende nicht da ist" vom SDNV.
Freitag, der 25.08.2006
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Um 15 Uhr sammelten wir Björn und Jost in Altona ein und machten uns auf den nicht allzu langen Weg in Richtung Berlin. Die Fahrt durch Hamburg verlief wegen des Feierabendverkehrs quälend langsam, während wir auf der Autobahn trotz einiger Baustellen relativ freie Fahrt hatten. In Berlin angekommen, mussten wir dann erstmals die Wegbeschreibung von der Homepage des Veranstalters zu Rate ziehen - und diese ließ uns leider im Stich. Ich weiß nicht, ob es an der Beschreibung an sich oder der Unfähigkeit sämtlicher Insassen lag, allerdings versteckte sich die dort angegebene A104 vehement vor unseren Blick. Okay, nach einigem Suchen gelangten wir schließlich über einen Umweg und die A103 zu unserem Ziel, das uns wohlbekannte Haus der Jugend. Es war etwa 19.30 Uhr, also etwa eine halbe Stunde, nachdem die Odyssee ihre Pforten geöffnet hatte.
Zunächst stand eine Erkundung des Gebäudes und die Begutachtung der Anwesenden an. Unter diesen befanden sich sehr viele bekannte Gesichter, da die Odyssee über einen relativ festen Stamm an Besuchern verfügt, die man auch auf anderen Conventions, wie etwa der LindenCon oder der RatCon unter den Gästen findet. Eine (kleine) Hiobsbotschaft erwartete uns gleich am Anfang: Die Turnhalle stand in diesem Jahr leider nicht als Schlafplatz zur Verfügung, da irgendein "Witzbold" diese mittels eines Gartenschlauches durch ein geöffnetes Fenster unter Wasser gesetzt hatte. Als Ausweichmöglichkeit wurde in diesem Jahr der vordere Saal für die Übernachtungen frei gehalten, weshalb das Platzangebot in diesem Jahr etwas kleiner ausfiel als sonst. Apropos "Gartenschlauch": Mehr oder weniger zufällig stand die gesamte Convention diesmal unter dem Motto "Wasser". Entsprechend dieser Vorgabe sollten alle Abenteuer etwas mit diesem Element zu tun haben und zahlreiche Aushänge mit Zitaten zum Thema wiesen darauf hin. Eine nett gemeinte Idee, die ein verbindendes Element darstellte, meines Erachtens aber nicht unbedingt nötig war. Der Rest war wie gewohnt: Ein liebevoll gestaltetes und vor allem praktisches Programmheft, vergleichsweise günstige Verpflegungspreise und stets ansprechbare Helfer, die diesen Namen auch zurecht tragen. Pünktlich um 20 Uhr, dem Beginn des ersten Spielrundenblockes, begrüßte Organisator Simon dann die bereits gespannt wartenden Gäste und wies auf das Blocksystem hin, bei dem Spielrunden jeweils zu bestimmten Zeiten beginnen und enden, um sich nicht gegenseitig zu überschneiden. Dies hat sich bewährt und ist meines Erachtens für eine Convention dieser Größe ideal. Nicht ganz so ideal war dann das Aushangsystem. Bei vielen anderen Veranstaltungen dieser Art kann man sich ja direkt am Aushang einen Platz sichern, bei der Odyssee kann man sich dort nur über den Spielort informieren und muss sich dann so schnell wie möglich dorthin begeben, um sich einen der freien Plätze zu ergattern. Dadurch ist die Situation beim Aushang natürlich entspannter, allerdings ist es umso stressiger, wenn man zu langsam war und dann erst wieder zum Aushang zurücklaufen muss, um sich eine andere Runde auszugucken. Ich war auf jeden Fall schnell genug, um mir einen Platz in Roberts Cthulhu-Runde zu sichern. In dieser saßen mit Björn und Roberts Freundin Claudia durchaus bekannte Gesichter. Auch die anderen Mitspieler waren sehr nett, so dass sich eine durchaus entspannte Session entwickelte. Der Plot des Abenteuers war nicht sonderlich spektakulär, aber für eine kleine Freitags-Runde vollkommen ausreichend: Als Gäste an Bord eines Luxusliners wurden wir Zeugen einiger unheimlicher Vorgänge, bis sich letzten Endes herausstellte, dass wir alle bereits seit langer Zeit tot waren. Irgendwann in der Nacht - es muss wohl gegen 2 Uhr gewesen sein - endete das Abenteuer. Die Tatsache, dass nun unser gemütlicher und mit Teppich ausgelegter Raum frei wurde, nutzten Björn und ich dann auch gleich, um diese Location für uns in Beschlag zu nehmen und unsere Schlafsäcke dort auszubreiten. Dies erwies sich als gute Entscheidung, da die Nacht hier doch wesentlich ruhiger verbracht werden konnte als im vollen Schlafsaal, in dem sich einige Schnarcher einen Lautstärke-Wettstreit lieferten - natürlich zum Nachteil der anderen Leute, die dort nächtigen wollten. Wer meinen Bericht aus dem Jahr 2003 gelesen hat, weiß, wer hier gemeint ist, ohne dass ich Namen nennen muss. |
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Samstag, der 26.08.2006
9 Uhr: Mein Handy-Wecker reißt mich aus dem Schlaf. Eine Katzenwäsche und das (gute, aber günstige) Frühstück später beginnt auch schon der erste Spielrundenblock für diesen Tag. Ich lande in einer Runde Fallout, die von Steven Appel geleitet wird. Das Abenteuer trägt den Titel "Hugo, der freundliche Ghul" und es erweist sich schnell als glückliche Entscheidung, hier teilzunehmen. In einer postnuklearen Welt machen sich unsere Charaktere auf die Suche nach einem Wasserconverter. Bis sie ihn gefunden haben, vergehen einige spannende Stunden. Loben möchte ich insbesondere die Vorbereitung unseres Meisters, der sich zu den gestellten Charakteren vorher wirklich Gedanken gemacht und diese in ein munteres Intrigenspiel untereinander verstrickt hat. So soll ein Con-Abenteuer aussehen! Als das Abenteuer beendet ist, gucke ich mir die Vorführung zweier Kurzfilme im Schlafsaal an, darunter das seltsam-spaßige The Elephant's dream, einem frei verfügbaren und von der EU geführten Animationsfilm.
Es war nun also 16 Uhr. Anstatt uns nun für den nächsten Spielrundenblock einzutragen, gönnten Walter und ich uns die traditionelle Berlin-Tour. Diese führte uns ins Zentrum von Steglitz, wo wir in einem Lokal, der "Guten Stube", die Live-Konferenz der Fußball-Bundesliga verfolgten. Danach ging es dann mit zwei netten Mädels ein Konzert besuchen. Erst kurz vor 0 Uhr schlug ich wieder im Haus der Jugend auf, da ich an diesem Abend eine Runde Risus als Spielleiter angemeldet hatte.
Doch ich hätte auch noch länger auf dem Konzert bleiben können, denn es fanden sich lediglich drei Mitspieler für meine Runde, was mir genau einer zu wenig war. Also sammelten wir im Gebäude erst einmal alle Spieler und Leiter ein, deren Runden nicht zustande gekommen waren. Irgendwie landete ich dann in der Gurps-Runde von Rainer Joachim. Ich weiß nicht, ob es an dem Bier, das ich vorher getrunken hatte, der bereits späten Stunde, dem Plot oder dem Leiter lag, aber irgendwie entwickelte sich diese Runde nur äußerst schleppend. Gegen 3 Uhr zog ich dann die Reißleine und verabschiedete ich mich zum Schlafen. Anstelle von Björn hatten es sich in dieser Nacht zwei jüngere Mädels in meinem Stamm-Schlafraum bequem gemacht - gottseidank (natürlich) beide keine Schnarcherinnen. So schlief ich dann auch relativ schnell ein.
Verpasst habe ich an diesem Tag neben einem Spielrundenblock übrigens die (nach Aussagen der Zuhörer) großartige Lesung von Boris Koch sowie die Versteigerung und Tombola, die mit über 2 Stunden eindeutig zu lang(-weilig) gewesen sein soll.
Sonntag, der 27.08.2006
Same procedure as last day: Wieder klingelt mein Handy, wieder schäle ich mich ein wenig verschlafen aus dem Schlafsack. Statt der Katzenwäsche gibt es an diesem Tag eine richtige Dusche, so dass ich weitaus munterer diesen dritten Con-Tag angehen kann. Beim Frühstück läuft mir Walter über den Weg, der einen recht munteren Eindruck macht. Erst später erfahre ich, dass er bis 4 Uhr unterwegs war und vorher doch eine größere Menge Cider vertilgt hat. Tja, manchen Leuten sieht man es eben nicht an - im Gegensatz zu einigen anderen Besuchern, welche die gesamte Nacht über durchgespielt hatten und nun fast im Sitzen einschliefen. Aber was nicht tötet, härtet eben ab!
Für den um 10 Uhr beginnenden letzten Spielrundenblock dieser Convention hatte ich mich für eine Runde Twerps entschieden, die von Dirk Strohkirchen geleitet wurde. Zuerst hatten wir zu wenige Spieler, so dass ich kurzerhand Claudia und Robert rekrutierte und wir uns zu fünft ins Abenteuer stürzen konnten. Wieder einmal erwies sich meine Wahl als goldrichtig, denn das humorvolle Crossover-Abenteuer mit Helden aus verschiedenen Genres (Ninjas, klassische Fantasy, Science Fiction) erwies sich als äußerst kurzweilige und spaßige Unterhaltung. Mein Charakter, "Sir Tristram der Großartige", wartet übrigens gespannt auf eine eventuelle Fortsetzung im nächsten Jahr.
Gegen 16.30 Uhr war die Convention dann beendet und wir machten uns auf den Weg in Richtung Heimat. Diese erreichten wir dann nach gut fünfstündiger Fahrt trotz eines 24 Kilometer langen Staus vor Hamburg und sintflutartigen Regenfällen relativ wohlbehalten.
Was gibt's noch zu sagen?
Wer den obigen Bericht aufmerksam gelesen hat, den wird das folgende Fazit wohl wenig überraschen. Drei gute bis sehr gute Spielrunden, nur ein einziger Flop und dazu mal wieder etwas von Berlin gesehen - die Fahrt zur Odyssee lohnt sich immer wieder. Wie bereits in den letzten Jahren hat der Nexus eine nicht zu große, dafür umso gemütlichere Convention auf die Beine gestellt, die immer wieder einen ganz besonderen Flair hat. Man kennt viele der zwischen 120 und 150 Besucher zumindest vom Sehen, so dass fast schon eine familiäre Atmosphäre entsteht. Der in meinen Augen große Vorteil der Odyssee ist die freiwillige Beschränkung auf eher unbekannte Systeme, wobei ich z.B. Cthulhu eigentlich nicht mehr als solches bezeichnen würde. Wer also Lust hat, einmal über den Tellerrand mit dem Aufdruck "DSA", "D&D" oder "Shadowrun" zu blicken, der wird auf der Odyssee eine wirklich positive Überraschung erleben. Mir persönlich gefällt die Odyssee sogar besser als z.B. die RatCon.
Also: Wer nicht hinfährt, ist selber schuld!
Sven
PS.
Ja, Susi: Vom ungeschützten Rollenspiel kann man schwanger werden.
