Nicht bloß eine weitere Convention
Aus RSCT94
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Bericht von Sven - Bericht von Mirco - Bericht von Mona - Bericht von Walter |
Da Sven den Zeitablauf, in dem wir die Odyssee 2003 erlebt haben, relativ genau geschildert hat, kann ich es mir sparen, das gleiche noch mal zu machen. Stattdessen geben ich zum Con allgemein und den Spielrunden im speziellen meinen Senf hinzu, ersteres vermutlich in kürzeren Kommentaren, letzteres womöglich etwas ausführlicher. Also los.
Die erste Runde, an der zumindest drei von uns teilnahmen, Chiadamooyr von Pia Hufschlag, spielt in einer Welt, parallel zu der unseren, was zumindest das technische Niveau angeht. In dieser Welt leben unterschiedliche Wesen, deren Namen ich spontan nicht wiedergeben kann - wie schon der Name der Welt oder des Spiels kann man sie sich nicht so einfach merken... Jedenfalls kann man sagen, dass die Technik, über welche die Wesen dieser Welt verfügen, ungefähr die gleichen Leistungen erbringt wie die unsere, aber völlig andere Wege gegangen werden, um dies zu erreichen, denn alles basiert irgendwie auf Lasertechnologie. Fahrzeuge schweben auf Licht dahin, Waffen verschießen ausschließlich Laserstrahlen, Datenübertragung funktioniert wohl mit Lichtimpulsen und Laserschweißtechnik ist ein sehr angesehener Beruf. Da gibt es Leute, die Alles mit allem verschweißen können, Holz mit Glas, Metall mit Steak oder wie auch immer. Unsere Charaktere waren im Abenteuer alle miteinander verwandt und in der Stadt Tiniii beheimatet. Wie auch der Name der Stadt, mussten wir unseren Charakteren Namen geben, die eine Endung mit drei i haben. Wohl eine Sitte in diesem Ort. Die Stadt wiederum könnte man bestenfalls als "moderat unübersichtlich" bezeichnen, obwohl chaotisch eine bessere Bezeichnung wäre. Jeder, der sich in dieser Stadt niederlässt, baut seine Behausung einfach irgendwo drauf oder an irgendetwas an, ohne Plan und nur mit den nötigsten statischen Auflagen. Dazwischen werden Versorgungsleitungen gezogen, Wasser, Abwasser und so weiter. In dieser Stadt saßen wir also beisammen und durften den neuen Lasergrill ausprobieren, den sich unsere Familie geleistet hatte... das nur nebenbei, aber am nächsten Morgen erhielten wir alle den Brief eines Notars, bei dem wir vorstellig werden sollten. Auf Nachfragen erfuhren wir, dass es sich um eine Erbschaftsangelegenheit handelte. Da wir wissen wollten, wer von unseren Verwandten verstorben war, gingen wir hin. Dort stellte sich heraus, dass der verstorbene ein unbekannter Onkel war, ein bekannter und Fähiger Wissenschaftler, der seinen (unsympathischen) Söhnen sein Vermögen, uns aber sein... Gerät vermachte. Klingt komisch, ist aber so. Es ist ein Gerät, das in dieser Welt jeder hat. Eine Art Laserkanone, mit der man bei der Geburt geistig verbunden wird und eine enge Beziehung eingeht. Das Teil speichert alle Erinnerungen aus dem Leben der jeweiligen Person und ist ungefähr unzerstörbar. Mit dem Laser darf man nicht schießen außer in Notwehr, weil es sonst dem Anwender ebensoviel Schaden zufügt, wie dem Beschossenen. Wie so oft habe ich den Namen eines solchen Gerätes vergessen... zumal es einen allgemeinen Namen und einen eigenen für jedes Volk zu geben scheint. Jedenfalls versuchten wir, rauszufinden, was über den Onkel da so drinsteht (es gibt spezielle Leute, die mit den Informationen darin arbeiten), doch immer wieder wurde uns gesagt, dass die späteren Teile des Speichers zu sehr verschlüsselt seien. Dann suchten wir das Museum auf, in dem der Mann gearbeitet hatte. Wir bekamen ein gutes Angebot, denn das Museum wollte das... Dings von uns kaufen, weil alle Forschungsergebnisse irgendwie zerstört worden waren, von einer unbekannten Person. Der Kerl, der die Informationen auf dem ...Dings verschlüsselt hatte, arbeitet für dieses Museum, so dass es kein Problem darstellen sollte, noch mal an die Informationen zu gelangen. Leider hatten wir das Teil in ein Schließfach gesperrt. Als wir es holen wollten, mussten wir feststellen, dass die Bank überfallen und das Dings entwendet worden war. Nach und nach kamen wir (sehr zufällig) auf die Spur der Diebe und deren Auftraggeber, nach einem Kampf, den ich als sehr lang empfand, war das Abenteuer dann auch schon beendet. Bei meinem Versuch, die Geschwister mit Lasertechnik zu verarzten sind mir dann kleinere Fehler unterlaufen (also Patzer). Der Effekt war, dass unter anderem ein Finger mit dem Laserstrahl abgesägt wurde... Als Fazit über dieses System möchte ich sagen, dass es sehr interessant ist, aber einige Nachteile hat. Das Regelsystem schein sehr tabellenlastig zu sein, was das ganze etwas unflexibel macht... unsere Spielleiterin hatte den Kampf vorher vorbereiten können, weil sie unsere Charaktere kannte (weil sie die vorgegeben hat) und die Werte der Gegner. Man muss im Kampf und auch sonst irgendwelche Werte mit dem W20 +Modifikator überwürfeln (ungefähr wie bei D&D). Außer Attribute, die muss man unterwürfeln (wie bei DSA), glaube ich. Das ist sehr schwierig beim Einsatz von Fertigkeiten und (Laser)Magie, wenn man eine Erfolgschance von 50% hat, ist man schon verdammt gut. Zumindest kam mir das so vor. Die Namensgebung der einzelnen Dinge ist eine andere Sache... Pia hat ein bisschen den Eindruck erweckt, dass sie eine komplette Sprache für die Welt entwickelt hat, aber die Namen kamen mir auf Anhieb nicht so vor, als wären sie einfach, griffig und gut zu merken. Vielleicht ist das Geschmackssache. Als dritter Nachteil, zumindest bei Detektivgeschichten, gilt für mich eines der Hauptaspekte des Spiels, dieses personalisierte Laser-Gedächtnis-Ding, denn Detektivgeschichten reduzieren sich damit wahrscheinlich fast immer darauf, solche Teile zu finden, um die Wahrheit herauszubekommen, denn Täter irgendwelcher Morde nehmen diese Dinge natürlich mit oder verstecken sie gut. Man kann natürlich jedes Mal behaupten, die Informationen darauf sind viel zu gut verschlüsselt, als dass irgendjemand sie lesen könnte, ist auch keine Befriedigende Lösung. Habe ich erwähnt, dass man nach drei Wochen stirbt, wenn man seinen Laser verliert? Möglicherweise ist dieses Rollenspiel interessanter, wenn dieses Gerät keine wichtige Rolle spielt. Ein nettes Erlebnis war dieses Rollenspiel aber auf jeden Fall.
Komme ich trotzdem zum nächsten... Soweit ich mich erinnere handelt es sich dabei um InSpectres mit Robert Pfaff als Spielleiter und Mitarbeiter des Unternehmens Disaster Machine Productions, welches dieses amerikanische Rollenspiel übersetzt und zur Spielemesse in Essen in Deutschland auf den Markt bringen will. InSpectres ein sehr einfaches, aber dafür sehr lustiges System, bei dem die Charaktere Angestellte einer Franchise-Filiale eines Unternehmens sind, das sich auf Geisterjagt spezialisiert hat. In diesem Fall durften wir uns den Ort der Filiale aussuchen (und wählten New York). Die Charaktererschaffung ist derart kurz, dass wir uns eigene Helden erstellen konnten bzw. mussten. Mit vier Attributen, sowie Stress und Coolness, die Einfluss auf den Charakter nehmen könne, ist das Regelsystem relativ einfach. Man wirft einfach eine Anzahl W6 entsprechend der Höhe des Attributes (von 1 bis 4), um erfolgreich zu sein, und wählt das höchste Ergebnis. Ab einer vier darf man als Spieler die Rolle des Spielleiters übernehmen und schildern, wie erfolgreich die Aktion gelaufen ist. Eine 4 entspricht dabei dem minimalen Erfolg, eine 6 hingegen ein perfektes Ergebnis, wodurch man erhebliche Freiheiten bei der Schilderung der Handlung erlangt. Je lustiger, erfolgreicher und phantasievoller man diese Beschreibung hinbekommt, desto eher kann man sich "Franchisewürfel" hinzuverdienen, das ist eine Art Bezahlung, beziehungsweise Erfahrung. Die Anzahl dieser Würfel sind durch den Umfang des Auftrages begrenzt. Bei Ergebnissen unter vier schildert der Spielleiter, was passiert. Dann gibt es noch die Stresswürfe... immer, wenn ein Charakter sich gruselt oder gestresst ist, würfelt der Spieler eine Anzahl W6, die der Spielleiter festlegt, wobei das niedrigere Ergebnis gilt. Das kann dann Einfluss auf die nächste Würfelprobe oder auf die Attribute haben (meistens negativen). Wenn das niedrigste Ergebnis eine 6 ist, bekommt man einen Coolnesswürfel, den man zum Beispiel einmal zu einem Wurf hinzunehmen kann. Das waren die Regeln auch schon (fast). Nun zur Geschichte des Abenteuers: In der NewYorker U-Bahn ist ein Zug zwischen zwei Stationen spurlos verschwunden. Wir bekamen also eine Draisine gestellt und machten uns auf den Weg in den Schacht. Zuvor muss ich erklären, wie ich ans Tipp-Ex kam... Unsere Gruppe hatte sich als Tracht schwarze "Men in Black"-Anzüge ausgesucht (ja, mit Sonnenbrille), während ich einen ehemaligen Tischler gespielt habe, der lieber Holzfällerhemden trägt als so feine weiße Teile mit Krawatte... also behauptete ich, dass das weiße Hemd noch in der Wäsche sei. Ein Mitspieler gab mir also das Tipp-Ex, damit ich das Hemd weiß anmalen konnte. Aber so was mache ich natürlich nicht... das schöne Hemd! Jedenfalls bekamen wir eine Draisine zur Verfügung gestellt und wollten in den Schacht hinein fahren, aber während ich auf das Gerät springen wollte, bewegte es sich plötzlich wie von Geisterhand ein Stück nach vorne - durch unsere Spezialsonnenbrillen konnten wir dann einen Poltergeist erkennen, der das Teil anschob. Wir konnten ihn zum Glück verscheuchen... er lief in einen engen Spalt quer zum Schacht. Wir versuchten anzuhalten, um ihn weiter verfolgen zu können, aber nachdem ich die Draisine absichtlich zum entgleisen gebracht hatte, um sie schneller zum stehen zu bringen, befanden wir uns plötzlich in einer Höhle, die dort nun gar nicht hin gehörte. Dort griff uns ein riesiges Fledermauswesen an, aber wir konnten es überwältigen und sogar befragen. War nachher annähernd, wollte nur seine Ruhe haben. So fanden wir heraus, dass die Poltergeister die U-Bahn durch die Wand gezerrt hatten. Wir hoben die Draisine auf die Gleise zurück, um ein Stück zurück zur Spalte zu fahren, als plötzlich die vermisste U-Bahn auftauchte und unsere Draisine mit uns an Bord voran schob. Der Lenker der U-Bahn war ein Zombie, scheinbar der Drahtzieher der Aktion. Vielleicht ein Toter U-Bahn Lenker, der nicht von seinem Beruf lassen konnte... Einer von uns schmiss die Windschutzscheibe mit einem Werkzeug ein und sprang hindurch ins Cockpit. Ich schraubte den Deckel vom Tipp-Ex und warf die Flasche ins Gesicht des Zombies, um ihn zu blenden und abzulenken, aber die Auswirkung war besser als erwartet - Der Zombie verkrustete und explodierte. Anschließend, einer der InSpectres bekam viele eklige Fetzen ab... letztendlich fuhren wir erfolgreich im U-Bahnhof ein und ließen uns feiern... Das Abenteuer war recht kurz, aber sehr spaßig. Allerdings muss ich sagen, dass es sehr ungewohnt für mich war, als Spieler Entscheidungen zu treffen, die eigentlich Aufgabe des Spielleiters ist... aber man kann sich daran gewöhnen, vor allem, wenn ein Spiel so lustig ist wie dieses. Es scheint sich um ein sehr gutes System für zwischendurch zu handeln... der Spielleiter braucht nur eine Grundidee, der Rest entwickelt sich schon, wenn die Spieler einigermaßen würfeln und selbst gute Ideen haben.
Jetzt habe ich schon so viel über zwei Spielrunden geschrieben, dass ich mich bei den kommenden zweien wohl besser etwas kürzer fasse... bei der nächsten handelt es sich um eine Runde "Call of Cthulhu", was wohl nicht direkt ein PrO-System ist, aber ich habe eben einfach mal mitgemacht, weil ich es noch nie versucht habe. Und man soll ja neue Systeme kennen lernen auf so einer Convention... Unser Spielleiter hieß Christian Noack. Dass wir dieses Spiel in der Nachtrunde gespielt haben, könnte zum Genre passen, denke ich, aber so gruselig war es letztendlich dann doch nicht. Es ging hierbei um einen Musikprofessor aus Leipzig, ein Bekannter aller Spieler, der diese brieflich um Hilfe in Wien bat, da er von IHNEN verfolgt würde. In meiner Rolle, ebenfalls als Musikprofesser "Professor Werner Vögler" (der Name hat mehr oder weniger begeistert), musste natürlich sofort dorthin. Dort angekommen lernten wir als Charaktere uns erst mal kennen, da wir noch nichts miteinander zu tun hatten und stellten fest, dass der Mann bereits verstorben war. Scheinbar handelte es sich dabei um "Selbstmord durch eigenen Kopf am Wandspiegel zertrümmern". Verdächtig war dabei, dass die Tochter des Professors auf dem Balkon ausgesperrt war und eine schweren Nervenschock erlitt (sie befand sich zum Zeitpunkt unserer Ankunft bereits in Behandlung eines gewissen Sigmund Freud...), während die Zimmertür von innen abgeschlossen war. Wir forschten nach und stießen im Schwarzwald nach und nach auf einen Kult, der durch das Opfern von Babys die eigene Lebenserwartung stark verlängerte. Wichtig bei einem solchen Ritual schien eine disharmonische Tonfolge (nicht als Melodie zu bezeichnen) zu sein, die, wenn fehlerhaft angewendet, schlimme Folgen haben könnte. Unser pensionierter Oberst konnte das aktuelle Ritual stören, indem er einen der Kultisten erschoss und so die "Melodie" störte. Die anderen Kultisten starben daraufhin auch. Die Runde hat grundsätzlich Spaß gemacht, obwohl auch zutrifft, was Sven zu dem Thema geschrieben hat (wir waren zu viele Spieler und manche von ihnen haben ein wenig genervt, fanden sich gegenseitig nicht so sympathisch).
Zu guter letzt beschreibe ich die Nachmittagsrunde vom Sonntag, Der letzte Exodus heißt das System, Jürgen Mayer unser Spielleiter. Auch dies ist ein System, das Disaster Machine Productions ins deutsche übersetzt vertreibt (bereits erhältlich). Wir spielten also eine Gruppe Messiasse, die in Eden einst eine Pyramide bewacht hatten, in welcher alte göttliche Relikte aufbewahrt wurden, unter anderem die Bundeslade (wie in Indiana Jones). Nach der Zerstörung des Tempels nahe dieser Pyramide wurden wir alle getötet und sind nun reinkarniert. Wir mussten dann feststellen, dass die Bundeslade einen Hinweis auf den Ort enthält, an dem Moses das Meer geteilt und anschließend diese ägyptische Armee versenkt hat. Nur handelte es sich in (Spiel)Wirklichkeit um eine Armee des Bösen, die dort noch immer darauf wartet, wieder eingesetzt zu werden. Wir mussten also verhindern, dass die Antichristen an diese Information gelangen... Auch dieses Spiel hat Spaß gemacht, so dass ich spontan ein Regelwerk erwarb. Dass man dieses Spiel mit Pokerkarten statt Würfeln spielt, ist mal was neues.
Mirco
