Märchen, 2. Teil
Aus RSCT94
"Wahh... Wahh..."
So oder so ähnlich muss ich mich angehört haben, als am Samstag, den 27. Juli 2002 in aller Herrgottsfrühe mein Wecker klingelte. Wer sich auch immer den Spruch "Morgenstund' hat Gold im Mund" ausgedacht hat - er hatte dabei sicherlich nicht das Bild eines verschlafenen Rollenspielers im Kopf, der sich frühmorgens aus dem Bett stemmt und in Richtung Dusche latscht.
Warum das alles?
Nun, der passionierte Leser von Walters Text oder auch nur der Überschrift wird es sicherlich schon ahnen: Es war Zeit für den Uni-Con 2002. Wie auch die Jahre zuvor hatte der AKF (Aktionskreis Fantasy an der Uni Kiel) geladen, um eine der größten Versammlungen Fantasy-Begeisterter Norddeutschlands abzuhalten. Grund genug also für zwei Mitglieder unseres allseits geschätzten RSCT `94 (Heilig! Heilig! Heilig!), den langen Weg in Richtung Fördestadt auf sich zu nehmen. Es sollte ein unterhaltsamer Tag werden, denn neben der Convention stand noch ein Besuch im Kieler Nachtleben an - wohl dem, der Bekannte in Kiel hat, die einen Gratis-Schlafplatz zur Verfügung stellen können. Dazu aber später mehr, denn nun mein bescheidener Bericht zu den Ereignissen, so wie ich sie erlebt habe.
Mit Walters blitzendem Ferrari (oder war es doch ein volljähriger Kadett?) ging es auf die Autobahn in Richtung Kiel, vorbei an Massen von Dänemark-Touristen, die auch ja nicht den Bettenwechsel in ihrem Urlaubsziel verpassen wollten. Trotz der reichlich chaotischen Ausschilderung in Uni-Nähe gelang es uns doch, rechtzeitig den Schauplatz des Geschehens zu erreichen. Leider scheiterte ein Versuch meinerseits, Walter als minderjährigen Sohn gratis mit hineinzuschmuggeln (er hätte sich doch besser rasieren sollen...), also drückten wir beide unsere 3 Euro ab und stürzten uns ins Geschehen.
Unser erster Weg führte uns erst einmal zum Fanzine-Stand, wo Martin Becker (seines Zeichens Mirakel-Chefredakteur aus Elmshorn) wie auf fast allen Conventions wacker die Stellung halten wolle, um Unmengen (Drei? Fünf?) von selbsterstellten Heften unter das zahlungswillige Volk zu bringen. Während ich mich gleich bei einer DSA-Runde eintrug, mußte Walter erst einmal feststellen, dass die Orga anscheinend vergessen hatte, dass er eine Blaue-Mappe-Runde meistern wollte. Aber eine kleine Anfrage bei eben dieser sorgte schnell für Abhilfe und bald schon prangte stolz ein kleiner Zettel auf der Pinwand der angebotenen Runden:
Abenteuer: "Hahnenei" (Einführungsabenteuer)
System: Blaue Mappe (Fantasy)
Uhrzeit: 11.00 Uhr
Spielleiter: Stefan Unger
So prangte der Zettel dann da... 10:30... wurde vorsichtig beäugt... 10:45... wollte sich da gerade jemand eintragen? 10:50... düdelü... 10:55... als Walter fünf Minuten vor geplanten Beginn schon aufgeben und sich selbst in eine andere Runde eintragen wollte, sorgte ein schlechtes Schauspiel meinerseits ("WOW! Hier wird auch Blaue Mappe gespielt?") gepaart mit einigen Überredungskünsten doch noch dafür, dass sich doch noch einige Mitspieler fanden. Walter war total happy (O-Ton: "Du Sack! Ich wollte mich gerade als Spieler in einer anderen Runde eintragen!").
Punkt 11 Uhr fingen dann die Spielrunden an. Die Blaue-Mappe-Runde ist in Walters Text ja schon beschrieben; wer "Das Hahnenei" bei ihm schon einmal gespielt hat, weiß, dass es sich hierbei um ein sehr spaßiges Abenteuer handelt. Meine DSA-Runde, die sich mit Unterbrechungen (u.a. die bereits erwähnte Versteigerung) über den ganzen Tag erstrecken sollte, erwies sich ebenfalls als recht amüsant. Im Auftrag eines Tiefhusener Handelsherren ging es als Eskorttrupp in eine am Rande des Orklandes gelegene Siedlung namens Blumenthal. Diese war von einigen Geweihten nach einer göttlichen Vision als Verständigungsstätte zwischen Orks und Menschen gegründet wurden und erwies sich als der Schrecken wohl des gesamten Baugewerbes. Die Häuser dieses Ortes wurden nämlich nicht gebaut, nein, sie wuchsen allesamt über Nacht aus dem Boden. Naja, seltsame Orte gibt es in Aventurien... Wie dem auch sei, in Blumenthal gerieten wir an eine Magierin, welche schon seit Tagen auf einen weiteren Wagentreck mit wichtigen magischen Utensilien wartete - und da wir natürlich eine echte Heldengruppe waren, beschlossen wir spontan, ihr gegen entsprechende Unkostenerstattung bei der Suche zu helfen. Der Rest ist Standard: Wir fanden den Wagentreck (natürlich geplündert), folgten den Spuren der Räuber, liefen dabei fast einem mehr als 100 Männer starken Heer aus Dämonenanbetern über den Weg und murksten schließlich ein paar finstere Orks ab. Danach ging es noch in ein klassisches Dungeon (das Versteck der Orks), verpaßten den großen Endgegner, nachdem wir trotz 4 Stunden Ausprobieren nicht an einer ausgeklügelten Falle vorbeikamen und sackten am Ende jeder 300 Abenteuerpunkte ein, nebst jeder Menge Erfahrung (Zitat meines etwas weltfremden Magiers, nachdem er mit einem eher zufällig geklappten Ignifaxius einen Ork weggerotzt hatte: "Das hat ja noch NIE geklappt!" *jubel*)
Nach dem Ende des Abenteuers hatte auch Martin seinen Stand abgebaut und zusammen mit Alexander (Fanziner und Macher von Arason.de) schauten wir uns noch die letzten Züge von Walters zweitem Robo-Rallye-Sieg an. Kurz nach 22.00 Uhr ging es dann zu viert (Walter, Martin, Alexander und meine Wenigkeit) zu Martin, wo wir uns erst einmal ein paar gute Getränke gönnten, bei denen uns auch noch Christoph (aus Tornesch) Gesellschaft leistete. Kurz vor 24.00 Uhr zog es uns dann aber doch ins Nachtleben und wir nahmen den beschwerlichen Weg in Richtung Bergstraße auf uns. Da Kekse und Bier nicht satt machen, führte uns unser erster Weg erst einmal zum Döner-Mann, wo zweimal Döner-mit-alles (Alexander und ich), einmal Döner-mit-alles-nur-nicht-Zicki-Zacki (Yup, das hat Walter wirklich so bestellt) und einmal Curry-Wurst-mit-Pommes (Martin) kredenzt wurde. Direkt neben unserem Tisch stand ein Fernseher uns so gab es gratis seichte Unterhaltung in Form von... naja, ihr wißt schon... die Sachen halt, die ein Sender wie 9 Live um diese Zeit eben sendet... *hust*
Die nächsten gut 5 Stunden waren gefüllt mit - wie Walter ja schon berichtete - Wein, Weib und Gesang. Es ist ja immer wieder schön, die guten alten Lokalitäten aus der Studienzeit mal wieder zu sehen, allerdings stellt sich mir dabei eine Frage: Dieser "Szene-Klub" (Gott, ich hasse dieses Wort) neben dem Tucholsky hieß ja früher immer "Böll". Es wird die selbe Musik dort gespielt. Es steht noch die selbe Einrichtung dort drin. Zur Hölle, sogar mein altes Kaugummi von vor über einem Jahr habe ich dort wiedergefunden... aber warum heißt der Laden jetzt "Carpe Diem", während das Böll einige Räume weiter gezogen ist?
Nun, davon ließen wir uns allerdings nicht abhalten, bis 4.30 Uhr unseren Spaß zu haben. Zurück ging es im Morgengrauen, wo bereits die Schlafsäcke auf uns warteten. Geweckt wurden wir durch ein Ereignis, welches Walter seltsamerweise in seinem Text nicht erwähnte, welches ich aber wie folgt wiedergeben müßte.
Situation: Wir, noch alle im Tiefschlaf um kurz vor 11. Ein Handy klingelt und Walter geht ran.
Walter: "Hmmmmpfff?"
[Eine nicht zu verstehende Stimme am anderen Ende sagt etwas.]
Walter: "Ja, Mutti. Ich bin so gegen 15.00 zuhause."
Das lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert...
Gegen 13.00 Uhr ging es dann aber doch aus den Federn und wir machten uns nach einer Palette belegter Wurstbrote auf in Richtung Heimat. Die Rückfahrt verlief recht unspektakulär (Mal von dem beinahe erlittenen grausamen Tod durch ein waghalsiges Wendemanöver abgesehen...) und nachdem wir Martin und Alexander in Elmshorn abgesetzt hatten, trafen wir - wie angekündigt - gegen 15.00 Uhr wohlbehalten in Tornesch ein.
Fazit: Eine wirklich gelungene Tour mit einem achtbaren Con und einem guten "Rahmenprogramm". Ab sofort merke ich mir den Uni-Con als Pflichttermin im Kalender vor und das kann ich jedem Interessierten auch raten.
Sven
