Live-Ticker 2008
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NordCon 2008 - ein Liveticker in drei Akten
Hallo.
Ist dort jemand?
Hallo, dort draußen.
Die Zeilen, die ihr hier lest, sind ein Experiment und zugleich eine echte Weltpremiere. "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit", möchte man sagen, doch ich hülle mich lieber in Bescheidenheit und überlasse dem geneigten Leser eine Bewertung des Nachfolgenden. Ich schreibe diese Zeilen, es ist gerade 2:08 Uhr in der Nacht und ich befinde mich in der Pachthof-Schule, in der in diesem Jahr erstmals der NordCon stattfindet. "Wireless LAN" und ein durchgängig besetzter Infostand lauten die Zauberworte, die dieses Experiment möglich machen. Doch bevor ich euch weiter verwirre, blicken wir zusammen erst einmal ein wenig in die Vergangenheit...
Mitte 2007
Der NordCon 2007 schließt seine Pforten und damit endet ein großes Kapitel in der Geschichte dieser Veranstaltung. Da uns die Location nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung steht, sind wir gezwungen, für das nächste Jahr ein neues Gebäude zu finden. "Wir", das sind übrigens die freiwilligen und ehrenamtlichen Mitglieder der vier Rollenspielvereine "Rollenspielclub Tornesch 94", "Sodalitas Dei Nomine Vacantis", "Störtebekers Erben" und "Die Loge", die diese Veranstaltung seit einigen Jahren gemeinsam auf die Beine stellen. Das gute alte Hamburg-Haus in Eimsbüttel gehörte also der Vergangenheit an und wir mussten uns auf die mühsame Suche nach einer neuen Örtlichkeit begeben. Unsere Anforderungen waren dabei klar: Ein Gebäude mit einer großen Halle oder etwas vergleichbarem, viele einzelne Räume für Spielrunden und Workshops und am besten direkt daneben eine Wiese für die LARP- und Ambiente-Aktivitäten. Wer nun glaubt, in einer Weltstadt wie Hamburg gäbe es solche Gebäude zuhauf, der hat wahrscheinlich noch nie versucht, eine solche anzumieten. Fast überall gab es einen Haken an der Sache oder die Eigentümer wollten nicht an gemeinnützige Vereine wie uns vermieten. "Rollenspiel hat was mit Satanismus zu tun" ist eben doch eine viel zu weit verbreitete Meinung in unserem Lande. Nach langer Suche und vielen Absagen hatten wir schon eine wirklich traurige Presseerklärung vorbereitet, in dem wir unsere Gäste darüber informieren wollten, dass es den NordCon im Jahre 2008 nicht mehr geben würde... doch dann kam sich in allerletzter Minute doch noch der Rettungsanker, auf den wir alle gewartet hatten. Die Schule am Pachthof und deren wirklich freundlicher Rektor boten uns an, unsere Veranstaltung bei ihnen durchzuführen - ein Angebot, das wir natürlich nicht ablehnen konnten... und wollten.
Halten wir fest: Der NordCon war also gerettet und sollte erstmals in seiner Geschichte in einem anderen Gebäude stattfinden. Ich gebe zu, dass wir unser altes Hamburg-Haus mit all seinen Schwächen im vergangenen Jahrzehnt lieben gelernt haben, dafür aber konnten wir in diesem Jahr einige Dinge so verändern, wie wir sie eigentlich schon immer mal haben wollten: Endlich konnten wir satte 48 Stunden am Stück geöffnet haben, endlich mussten wir nicht mehr viel zu viele Spielrunden in viel zu kleine Räume stopfen und... und... und... diese Liste ließe sich noch weiter ausführen, doch genug der langen Rede.
Kommen wir endlich zum Wesentlichen, beschrieben aus meiner höchsteigenen subjektiven Sichtweise.
Freitag: Aufbau & Anfang
15 Uhr: Treffen mit Ian und Adrian am Bahnhof. Zusammen lassen wir die tiefe holsteinische Provinz (Tornesch) hinter uns und reisen in die große Stadt. Via Altona und Berliner Tor geht es nach Hamburg-Horn. Auf dem Weg treffen wir noch auf Hauke, fallen dann einmal längs aus der U-Bahn-Station und befinden uns schon direkt vor dem Eingang der Pachthof-Schule, die in diesem Moment tatsächlich noch wie eine Schule aussieht. Migrationskinder spielen Ball auf dem Schulhof und... moment - da hinten bauen ein paar Gestalten ein Zelt auf. Merke: Wir sind richtig.
17 Uhr: Etwa 30 Helfer sind fleißig am Rackern und verrichten unbezahlte Sklavenarbeit. Zelte werden aufgebaut, schwere Kisten von Horizont A zu Horizont B geschleppt und nebenbei brüllt Baerbael irgend etwas in einer Lautstärke über den Schulhof, als hätte er zwei Megaphone zusammengeschaltet. Dabei hat er nicht einmal eines.
17 Uhr 40: Die ersten Händler und Aussteller beginnen damit, ihre Stände aufzubauen. Mit dabei sind u.a. das Atlantis aus Hamburg, die Jungs und Mädels von Pegasus, Ulisses, Spieldoch und noch viele weitere mehr.
18 Uhr 30: Wir machen uns mit einem kleinen Trupp daran, die Spielrundenräume einzurichten. Das Problem dabei: Die Sitzmöbel von Drittklässlern und das entsprechende Sitzfleisch von durchschnittlichen Rollenspielern sind selten kompatibel. Um böse Unfälle und zertrümmertes Mobiliar zu vermeiden, müssen wir Bierzeltgarnituren (Tische und Bänke) durch das Gebäude schleppen. Einen Lastenaufzug gibt es natürlich nicht. Die Welt ist schön und ich spüre meine Arme kaum noch.
19 Uhr 45: In einer Viertelstunde öffnen wir unsere Pforten. Unser Wach- und Schlagtrupp, der trotz seines teilweise martialischen Äußeren eigentlich ganz nett ist, hält die wartenden Massen nur mühsam zurück. Die Spannung steigt.
19 Uhr 52: Wir von der Rundenorga stellen fest, dass Carstens Drucker auf einmal spinnt. Verzweifelt geben wir dem ollen Kasten einen Tritt und greifen zuerst einmal auf handgeschriebene Zettel zurück. Spielrunden-Orga, wie sie vermutlich der Neanderthaler besser hinbekommen hätte. Zum Glück haben wir die bereits vorangemeldeten Runden schon vorher ausgedruckt und können wenigstens diese in optisch absprechender Form präsentieren.
20 Uhr: Der Ansturm beginnt und überrascht uns wirklich positiv. Der Freitag scheint gut angenommen zu werden, trotz des leicht regnerischen Wetters. Das Gebäude macht einen exzellenten Eindruck, die Gäste sehen erst einmal zufrieden aus. Gut so.
20 Uhr 30: Der erste ganz große Ansturm ist vorbei. Claus fährt nach Hause, um einen Ersatzdrucker zu organisieren. Ansonsten: Alles im grünen Bereich, der Ablauf funktioniert scheinbar. Walter wuselt wie immer mit der Funke am Ohr durch das Gebäude und wirkt dabei wichtig. Korrekur: Er ist wichtig.
21 Uhr 15: Claus ist mit dem Drucker da. Wir sind erregt. Zwischendurch schlendere ich einmal durch das Gebäude, mache ein paar Fotos und stelle zufrieden fest, dass scheinbar vieles glatt läuft.
22 Uhr 01: Die Zeitschaltuhr des Gebäudes stellt fest, dass es der richtige Moment ist, sämtliche Lichter zu löschen. Auf einmal ist alles dunkel. Der Hausmeister rotiert und überbrückt die Uhr - leider gelingt ihm das nicht im Erdgeschoss. Dort herrscht erst einmal atmosphärisches Dämmerlicht.
22 Uhr 33: Das Licht brennt wieder. Es gibt spontanen Szenenapplaus. Nebenbei erfahren wir, dass wir etwa 450 zahlende Gäste haben. Eine Zahl, mit der wir für diesen ersten Tag durchaus zufrieden sein können.
23 Uhr 45: 'Fischmarkt live' in der Pachthof-Schule. Ich verkaufe einem Besucher einen der immervollen Con-Becher, indem ich ihm als Bonus noch zwei Kugelschreiber und zwei Teelichte hinein packe. Dieses Angebot kann er einfach nicht ablehnen. Außer an diesen zähen Bengel gehen die Becher aber sehr gut und vor allem einfacher weg, garantieren sie für nur 12,- Euro doch neben einem netten Andenken noch während des gesamten Cons Kaffe und Tee satt.
23 Uhr 59: Wow, der erste Con-Tag ist gleich vorbei. Super. So langsam leert sich das Gebäude und wir am Info-Stand bekommen ein wenig Ruhe. Ortwin stiefelt vorbei und hat ein...en Saft besorgt. Da bin ich natürlich mit von der Partie. Auf den NordCon!
Samstag: 24 Stunden Rollenspiel und mehr
0 Uhr 26: Irgendwer spielt mit dem Funkgerät herum und Janny macht einen lockeren Spruch. Baerbel, Toni & Co. verstehen irgend etwas falsch und denken, der Info-Stand werde von einem Trupp Hooligans oder ähnlichem Kroppzeug überfallen. Knapp am Weltrekord auf 400 Meter vorbei stürmern sie das Gebäude und finden vollkommen ausgepumpt dort nur eine lachende Crew vor. Janny wird fast der Arm ausgekugelt.
1 Uhr 40: Die Nachtcrew am Infostand reduziert sich. Im Gebäude ist alles ruhig. Etliche Spielrunden laufen noch, neue aber werden keine mehr angemeldet. Wir beschliessen, die Wireless-LAN-Verbindung auszunutzen und einen Live-Ticker zu erstellen. Ich lade die Bilder von meiner Digitalkamera hoch und verfasse den Bericht bis hierhin. Ich bin gespannt, was für den Rest der Nacht noch passiert.
3 Uhr 29: Baerbel sieht aus wie der Tod auf Socken. Der gute Mann ist geschafft. Ich selbst bin noch relativ fit, abgesehen von leichten Halluzinationen.
4 Uhr 19: Ein Spieler kommt vorbei und beklagt sich darüber, dass seine alten Klassenräume von vor 24 Jahren so winzig geworden sind. Ich verkneife mir die Bemerkung, dass er einfach nur an Leibesfülle gewonnen hat. Der Helfer neben mir philosophiert darüber, dass die Welt ein Baum sei. Ich glaube, wir sollten ihn schlafen schicken. Als ich ihn freundlich darauf hinweise, faselt er irgend etwas von Kampfsporterfahrungen. Ich halte ihn für einen relativ langsamen Läufer und nehme diese Bemerkung daher nicht sonderlich ernst. Muaha.
4 Uhr 54: Leichte Müdigkeit macht sich breit. Vertrete mir daher die Beine bei einem Rundgang durch das Gebäude. Es laufen noch erstaunlich viele Runden, deren Spieler zum größten Teil auch noch recht munter aussehen. Im Gegensatz zu mir, dem fast die Augen zufallen. Von Ortwin bekomme ich spontan noch ein... isotonisches Sport-Getränk in die Hand gedrückt. Ortwin ist ein guter Mensch, stelle ich fest. Als seine Runde irgend etwas von "Rough Sex" faselt, verlasse ich fluchtartig den Raum. Zurück am Infostand schlägt Carsten vor, dass wir die Alveraniars-Runden beim nächsten Mal nicht auswürfeln lassen sollten, sondern um 5 Uhr nachts aushängen. Das wäre ein Spaß. Ob die Leute dann wie beim Tokio-Hotel-Konzert dann vor dem Rundenaushang campieren würden?
5 Uhr 25: Beschließe, mir im streng geheimen Orga-Raum ein wenig Schlaf zu gönnen. Äh... es gibt keinen streng geheimen Orga-Raum. Sprecht mir nach: Es. Gibt. Keinen. Streng. Geheimen. Orga. Raum. Ihr habt nie davon gehört.
8 Uhr 39: Ich wache wieder auf, geweckt vom lieblichen Klang einer ständig zuknallenden Tür, krakeelenden Rollenspielern und irgendwelchen Idioten draußen auf der Straße, die einen munteren Schreiwettbewerb veranstalten. Das Leben ist ja so putzig. Setze mich gleich wieder an den Computer und ergänze diesen Live-Ticker. Um mich herum eine Menge gelber Gestalten - keine Aliens, allesamt Helfer in ihren Shirts, die sich auf den heutigen Tag freuen. Nur Johannes trägt ein schwarzes Shirt. Spalter!
9 Uhr 10: Soviel zum Thema "Gebäudesicherheit": Der Schulhausmeister lässt versehentlich seine Bürotür zufallen und versucht 20 Minuten verzweifelt, diese mittels einer Kreditkarte zu öffnen. Bevor er diese zerstört, greift Baerbael helfend ein - und öffnet die Tür mit einer einzigen Handbewegung.
10 Uhr 03: Der Versuch, Mischa und Johannes bei der Kinderbetreuung abzugeben, scheitert leider. Vielleicht habe ich die beiden einfach zu schlecht als 10jährige verkauft. Die ersten Eltern geben ihre (echten) Blagen dort ab.
10 Uhr 46: Endlich wieder Zeit, den Con-Ticker zu aktualisieren. Der Andrang ist sehr erfreulich, das Wetter spielt mit und auch die Stimmung draußen auf der Wiese ist super. Wir sehen einem großartigen Con-Samstag entgegen und das ist auch gut so. Nebenbei blödeln wir über nicht vorhandene Info-Texte von Spielrunden - keine Werbung ist manchmal besser als schlechte Werbung, oder? Walter entdeckt nebenbei diesen Live-Ticker und kichert neben mir.
11 Uhr 28: Mona mißbraucht Christian. Zwar nur im übertragenen Sinne, indem sie ihm ein Werbeplakat ans Shirt heftet, aber er leistet dennoch keinen Widerstand und läuft fortan als menschliche Litfaßsäule durch die Gegend. Gerüchteweise haben sich bereits namhafte Konzerne bei ihm gemeldet, um weitere Werbeflächen zu buchen. Lena Falkenhagen, die auf dem besagten Plakat abgebildet ist, gefällt es jedenfalls.
12 Uhr 28: Ich mache mich auf den Weg zu Saturn, um ein Kartenlesegerät zu besorgen, damit ich auch heute meine Bilder auf unseren Rechner und damit ins Internet übertragen kann. Auf dem Rückweg schaue ich einmal kurz auf dem Straßenfest vorbei, welches quasi direkt vor unserer Tür stattfindet.
13 Uhr 12: Wieder zurück auf der NordCon übertrage ich die Bilder ins Net, immer wieder unterbrochen von Spielrundenanmeldungen. Der Laden läuft. Einige Helfer haben ihre Essensgutscheine bereits eingelöst und loben das angebotene Essen der Trutzhavener Feldküche und von Dailys. Merke, dass auch mein Magen langsam komische Geräusche von sich gibt... oder war das gerade der als Ork verkleidete Typ vor mir, der mich so böse anguckt?
13 Uhr 52: Karli Witzko taucht am Info-Stand auf und wirkt irgendwie verwirrt. Dem Mann muss geholfen werden! Als wir Janny anfunken, materialisiert der augenblicklich direkt neben ihm. Alles ist gut.
15 Uhr 35: Ein weiterer Gang über die Wiese beschert mir einen Stapel neuer Fotos. Ich bastele eine zweite Galerie. Ansonsten: Nichts außergewöhnliches.
15 Uhr 50: Für alle Kurzentschlossenen - in etwa einer Stunde fängt Baerbaels Workshop zum Thema "Deeskalation" statt. Falls ihr ihm über den Weg lauft, sprecht ihn doch einfach mal darauf an... und achtet darauf, dass ihr dabei einen möglichst freien Fluchtweg habt. Gerüchteweise ist dieser Workshop nämlich in unser Programmheft gerutscht, ohne dass Baerbael davon wußte.
16 Uhr 12: Nach dem letzen Stand haben wir bereits soviele Gäste, dass wir keine Programmhefte mehr ausgeben können. Außerdem wurde hier ein Autoschlüssel als Fundsache abgegeben. Das ist offenbar eine gute alte Tradition - in den letzten Jahren wurde eigentlich immer ein Schlüssel irgendwo gefunden... und teilweise nicht einmal abgeholt. Man stelle sich vor: Da kommt jemand mit dem Auto, fährt mit dem Bus nach Hause und bemerkt das nicht einmal. Tz.
16 Uhr 13: Claus startet die Werbekampagne für diesen Live-Ticker durch einen Aushang. Die Anzahl am Klicks erhöht sich signifikant.
16 Uhr 32: Julia wird genötigt, einen Gastbeitrag zu leisten. Here we go: Vermutlich das einzige Mal, dass sich Stefan genötigt gefühlt hat, meinen Namen nicht zu verunglimpfen, damit ich diesen Beitrag verfasse. Gerade wundert es mich wieder mal, wie der Infostand eigentlich funktioniert: Eine unsinnig hohe Anzahl von Helfern versucht sich durchgehend diskret im Hintergrund zu halten, wird aber trotzdem ab und an angesprochen und wälzt dann die drohende Aufgabe blitzschnell auf irgendeinen anderen Helfer ab, der es nicht rechtzeitig geschafft hat, beschäftigt auszusehen. Niemand scheint Ahnung zu haben, ständig wird an Leute weiterverwiesen, die nicht anwesend sind und trotzdem gehen die Leute mit einem glücklichen Lächeln auf dem Gesicht vom Infostand weg - bis sie merken, dass sie eigentlich gar keine Information bekommen haben. Aber dafür gibt es ja den Orga-Raum: Der zuständige Helfer ist plötzlich nicht mehr auffindbar. So, es sieht aus, als käme Arbeit gen Infostand - ich muss weg!
16 Uhr 33: Julia bekommt einen Verweis wegen des Ausplauderns von streng geheimen Interna. Der Toilettendienst für die nächsten Stunden ist damit gesichert.
16 Uhr 56: Claus wird als Held gefeiert, weil er eine kolossale Feuersbrunst unter Einsatz seines eigenen Lebens verhindert hat. Seine Hilfsmittel: Zwei Flaschen Fritz-Cola, die dem qualmenden Eimer für Zigarettenkippen den Garaus machten. Wir ernennen Claus hiermit zum neuen Brandschutzbeauftragten des NordCons und Helden erster Klasse. Außerdem steigt die Nervosität vor Baerbaels Workshop.
17 Uhr 05: Die ersten Beschwerden laufen bei uns auf, dass Baerbel nicht zu seinem eigenen Workshop erschienen sei. Niemand traut sich ernsthaft, ihn deswegen anzufunken. Gerüchte gehen um, dass er sich irgendwo verschanzt habe und eventuelle Vergeltungsschläge androhe.
17 Uhr 44: Lilli trifft ein und meldet sogleich eine Shadowrun-3.5-Runde für erfahrene Spieler. Sie will ihre Shadowrun-Kenntnisse vom NordCon 2006 auffrischen.
19 Uhr 24: Erste Beschwerden über die Aktualität des Live Tickers treffen ein. Wir bessern nach und nötigen Tom Finn zu einem Eintrag. Go, Tom, go: .... Unglaublich, da hat man sein Soll gerade erfüllt, und schon wird man wieder zum Schreiben genötigt :-) Nein, ernsthaft, der NordCon ist wieder unglaublich schön. Ein klasse Gelände, eine klasse Orga. Und ganz gewiss werde ich euch auch die Folgejahre die Treue halten :-) So, und jetzt gebe ich wieder ab. Liebe Grüße, Tom Finn ....
19 Uhr 49: Es steht 1:1 bei Spanien gegen Schweden. Gespannt warten wir auf vielerlei Dinge: Den Beginn des zamonischen Lügenduells, Jannys grandiosen Workshop (vor dem er sich ebenso drücken will wie Baerbael) und natürlich unser Bergfest. Nur noch wenige Minuten und wir haben die Hälfte des Cons hinter uns...
20 Uhr 03: Der Workshop ist zuende. Zusammenfassung: - Man benötigt Eigenmoitvation um sich als Nerd für andere Nerds den Arsch aufzureißen. Das Essentielle der Motiavation ist den anderen so tief in Grund und Boden zu stampfen, dass man ihn mit jeder einfachsten Bemerkung wieder aufbauen kann. Kurz gefasst: Wir sollten uns alle der Bewußtseinsebene eines Staubpartikels nähern. Zwischenbemerkung von Janny: Ich war in erster Linie überwältigt - und das ist kein Geständnis dass mir leicht oder gar oft von der Zunge geht - von der Bereitschaft der Teilnehmer zur absoluten Unterwerfung unter eine durchsichtige Argumentation ... ok, ich muss zugeben: Mit reichlich Verve vorgetragen.
20 Uhr 40: Petrus bringt reichlich Lokalkolorit ins Spiel - draußen herrscht jetzt bestes Hamburger Wetter, d.h. ein kräftiger Platzregen durchnässt die ganzen Leute auf der Wiese. Drinnen wird es auf einmal merklich voller.
21 Uhr 30: Kurioses Foto von Maren (Gastautorin dieses Abschnittes): Sven wird spontan mit Objekten aus unserer Fundkiste ausgestattet - Fundsachen-Man ist geboren!
21 Uhr 55: Der Info-Stand spielt Schiffeversenken über unsere Funkfrequenz. Wir rechnen minütlich damit, dass irgendjemand mit hochrotem Kopf das lustige Spielchen gleich unterbindet. Die Wetten stehen auf Baerbael. Ansonsten: E3 - Versenkt!
23 Uhr 11: "Am Infostand nur Ärsche" (Original-Zitat). Der Minutenzeiger läuft unaufhaltsam immer weiter und das Niveau hier sinkt auf erschreckende Ausmaße. Mittlerweile kann jede noch so niedrige Hürde locker im aufrechten Gang unterschritten werden.
23 Uhr 40: Zwei Spaßvögel sorgen für Unruhe, indem sie sich einem Anwohner gegenüber als Zivilpolizisten ausgeben. Wenig später kursiert das Gerücht, die "Jungs in blau" seien auf dem Gelände und kurz davor, sämtliche Aktivitäten zu unterbinden. Unsere Security reagiert und Walter wird nach draußen gerufen. Als der sich einige Minuten nicht meldet, sehen wir ihn alle schon im Knast. Das wäre... nicht gut. Zum Glück klärt sich die Sache eine halbe Stunde später auf und der NordCon kann normal weiter laufen.
Sonntag: Der Endspurt
0 Uhr 29: Ergänzung zum bereits genannten sinkenden Niveau. Pascal möchte unbedingt "jemanden durchfeudeln". Begehe den Fehler, mir das bildlich vorzustellen. Nicht gut, überhaupt nicht. Ich kann vermutlich die nächsten 20 Stunden nicht schlafen und dieses Männchen sitzt glucksend neben mir. Toll. Das Leben ist bunt. Niveau? Niveaaaau? Hallo?
0 Uhr 33: Oh, verdammt. Haben gerade festgestellt, dass wenn wir bestimmte Buchstaben aus diesem Text löschen, immer wieder das Wort 'SATAN' übrig bleibt. Das gibt mir doch ein wenig zu denken. Der SDNV hat anscheinend einen zu großen Einfluss auf diese Veranstaltung. Was als investigativer und sachlicher Con-Bericht startete, artet so langsam aus. Und das ist nicht meine Schuld, meine Damen und Herren. Ich verweise auf diese kichernden Gestalten rund um mich herum. Das schlimmste an der Sache: Niemand von uns hat zu diesem Zeitpunkt Alkohol getrunken. Das wird uns vermutlich niemand glauben, aber... ach, ihr glaubt mir ja eh nicht.
1 Uhr 26: Carsten hat jetzt übernommen: Hilfe, wir brauchen eine Ablösung, Hilfe!! Aaaaaargh! Urg! Verdammt, da haben sie es mit den Buchstaben und den Wörtern begriffen und jetzt, jetzt habe sie das mit dem Sprechen vergessen. Bitte eine Kinderbetreuung für den Infostand. Sofort!
1 Uhr 56: Als Beschäftigungstherapie für diese infantile Bande hier rund um mich herum schlage ich eine Vorlesestunde des Con-Tickers vor. Abwechselnd lesen wir den oben geschriebenen Text vor. Diejenigen, die des Lesens (nicht mehr) mächtig sind, lauschen gebannt und sind somit erst einmal ruhig gestellt. Da hinten schließen Mona und Julia die Glastür, damit die Wiesen-Orga in ihrem Schlafraum nicht gestört werden. Dunkle Gestalten schleichen über die Flure - Vampire... oder doch die bereits beschriebenen Halluzinationen?
2 Uhr 19: Gastbeitrag Pascal: Kaum sind Sven und Carsten weg steigt das Niveau wieder. Vielleicht liegts auch daran, dass Stefan wieder mal da ist. Eine Flut Spieler kommt die Treppe herunter: Ihre Runde ist vorbei. Miriam gibt eine Helferflasche ab - aber der Infostand will Eike nicht haben!
4 Uhr 25: Seit dem letzten Eintrag ist es immer leerer geworden. Ein Rundgang durch das Gebäude hat ergeben, dass alle anwesenden Gäste entweder friedlich in ihren Rollenspielrunden sitzen oder in den seltsamsten Positionen in verschiedenen Räumen schlafen - auf den Tischen, unter den selben, auf dem Boden, halb stehend in der Ecke... nachdem nach und nach alle Helfer zu Bett gegangen sind, beschließe ich, Carsten von meiner Luftmatratze zu rollen. Er gibt dabei seltsame Geräusche von sich, die ich ignoriere.
4 Uhr 26: Nach 2 Stunden Schlaf werde ich geweckt. Die Spielrunden-Orga muss wieder besetzt werden. Sven legt sich schlafen.
5 Uhr 13: Es ist ruhig. Nähere mich dem Ende von Gothic 1. Bald kann ich mit dem Nachfolger anfangen.
8 Uhr 30: Janny meckert rum, dass der Live-Ticker nicht aktuallisiert wurde. Brötchen für die Helfer werden eingekauft, wo auch immer man am Sonntag morgen Aufschnitt herbekommt?!?
9 Uhr 42: Der Con brennt, das Haar sitzt... bei fast allen, nur nicht bei Walter, der gerade vor mir steht und dessen Frisur heute nacht mal wieder ohne ihn eine wilde Party gefeiert hat.
9 Uhr 43: Gastkommentar von Walter: Wir geben Sven seine Brille zurück und entfernen den Teddybären, mit dem er sich die letzte Minute unterhalten hat.
9 Uhr 44: Oh. Hätte den Irrtum erkennen müssen - der Teddy war größer als Walter. Gerade hat er sich darüber beschwert, dass Lilli, die im selben Raum übernachtet hat, so sexy schnarcht wie ein Bauarbeiter. Er hat noch nicht herausgefunden, dass wir seinen Schlafraum gegen einen kleinen Obulus an Obdachlose vermietet haben. Keine zwei Meter von mir entfernt faselt ein Helfer irgend etwas davon, dass auch Frauen Haare auf der Brust haben können. Lilli bestätigt das eifrig. Informationen, die ich eindeutig niemals - ich wiederhole: NIEMALS - haben wollte.
10 Uhr 52: Lilli liest den obigen Beitrag und bestreited jedwede Beteiligung an der nächtlichen Ruhestörung. Dazu schiebt sie die Unterlippe nach vorne und stampft mit dem Fuß auf. Ansonsten läuft der Sonntag ruhig an - alles andere hätte uns auch echt überrascht. Wenigstens ist das Wetter draußen ganz gut, so dass wir uns auf einen schönen dritten Akt in unserer kleinen Con-Geschichte freuen können. Doch bereits jetzt hängt das Damoklesschwert "Abbau" drohend über unseren Köpfen. Es verspricht noch ein langer Tag zu werden.
12 Uhr 01: Wandsbek - Hagelschauer. Altona - Regenfront. NordCon-Gelände - Eitel Sonnenschein. Wer das hier liest und dem Schmuddelwetter entfliehen will, der sollte die letzten acht Stunden NordCon nutzen.
12 Uhr 12: Zu früh gefreut. Der Regen ist da. Wieder einmal werden Jugger, Barden, Orks und holde Jungfrauen draußen auf eine harte Probe gestellt. Das nennt man Authentizität in Reinkultur - im Mittelalter und bei Tolkien war eben auch mal schlechtes Wetter und diese besondere Erfahrung möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten. Hm. Hoffentlich hört es bald wieder auf.
13 Uhr 08: Der Regen hält an und scheint auch in nächster Zeit nicht nachlassen zu wollen. Wir müssen die Bühne auf der Wiese sichern, bevor die Technik Schaden nimmt.
15 Uhr 50: Wir streifen kreuz und quer durch das Gebäude und über das Außengelände, um die letzten NordCon-Becher an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Nicht immer sind unsere Überredungskünste von Erfolg gekrönt, aber alles in allem wird unsere große Kiste allmählich leerer.
16 Uhr 25: Große Siegerehrung am Infostand. Die drei Gewinner der Rollenspielrundenteilnehmerchallenge werden geehrt. Sie erhalten die wertvollen Buchpreise für mehrstündiges ausdauerndes Stillsitzen. Für Rollenspieler eine bemerkenswerte Leistung.
16 Uhr 50: Die Tabletopper haben abgebaut. Die Vorbereitungen - ja, auch jetzt kurz vor Ende werden noch Dinge vorbereitet - für die große Abschlußsause beginnen. Ein Heer von Helfern schwärmt aus um tatkräftig das grandiose, fast schon legendäre Finale des Nordcons mit Tanz (Show), Weib (Gewandungswettbewerb) und Gesang (Thomas beim Versteigern) präparieren.
16 Uhr 58: Claus bringt die Newsmeldung von 16 Uhr 50 endlich zu ende.
17 Uhr 28: Thomas Römer am Infostand: War auch an der neuen Location toll - Daumen gedrückt für die kommenden Jahre! Mal schauen, was jetzt die Bahn an Überraschungen bereit hält.
18 Uhr 00: Während für unsere Gäste nun die große Abschlussveranstaltung beginnt, macht sich ein Großteil der Helfer daran, die Räume und das Außengelände wieder auf Vordermann zu bringen. Ab und an hören wir lautes Lachen oder Klatschen aus dem großen Saal und werden daran erinnert, dass viele unserer freiwilligen Helfer diese Veranstaltung vor Jahren das letzte Mal selbst und nicht nur vom Hörensagen miterlebt haben. Stattdessen kümmern wir uns um die nicht immer ganz appetitlichen Hinterlassenschaften des durchschnittlichen Con-Besuchers.
Gegen 23 Uhr: Wir haben fertig! Der Hausmeister hat soeben das Gebäude abgenommen. Morgen früh sind noch etliche Sachen zu verladen, aber für heute sind wir erst einmal durch.
0 Uhr 18: Eine Heimfahrt und eine Dusche später starte ich noch einmal meinen Computer, um von zuhause aus diesen Bericht wenigstens zu einem vorläufigen Abschluss zu bringen. Aber wie heißt es so schön? Nach dem NordCon ist vor dem NordCon!
Fazit
So, mittlerweile sind einige Tage seit dem NordCon vergangen und es ist Zeit, diesen Text zu vollenden und dabei einen kritischen Blick auf unsere Veranstaltung zu werfen. Vorab möchte ich aber noch erwähnen, dass etliche unserer Helfer auch noch am Montag etwa 10 Stunden damit beschäftigt waren, diverses Equipment vom Schulgelände in einen Transporter zu verladen und quer durch die Stadt zu transportieren. Wenn ich an früherer Stelle davon gesprochen habe, dass jemand aussah wie "Der Tod auf Socken", so kann ich für diese Helfer feststellen: Streicht die Socken, der Rest stimmt noch. Das bringt mich auch zu einem Punkt, den ich besonders hervorheben möchte: Ohne unsere zahlreichen Helfer wäre der NordCon niemals möglich gewesen und dafür geht erst einmal ein ganz großes Dankeschön an alle.
Wie war der NordCon nun? Wenn wir den Umfragebögen Glauben schenken können, dann wurde das neue Gebäude von 95 % unserer Gäste positiv aufgenommen, genau wie die verlängerten Öffnungszeiten. Sicherlich können wir einige Dinge noch optimieren, die zu Recht kritisiert worden sind, aber hey - wir üben ja schließlich noch. Da wir von den Verantwortlichen vor Ort bereits ein positives Feedback erhalten haben, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der NordCon auch in den kommenden Jahren an der Pachthofschule stattfinden kann. Es würde uns auf jeden Fall freuen, wenn wir euch dann wieder als Gäste oder vielleicht sogar als freiwillige Helfer begrüßen könnten.
Gruß,
Sven
(Stellvertretend für die gesamte NordCon-Crew)

