Ex Profundis Veridibus 10
Aus RSCT94
Was haben der aztekische Gott Quetzalcoatl, die Sümpfe Louisianas und ein Oktober-Wochenende in Nordfriesland gemeinsam? Nun, nicht viel, mag der geneigte Leser denken, doch dies ist falsch. Nehmen sie sich also ein paar Minuten Zeit, lehnen sie sich zurück und lassen sie sich eines besseren belehren.
Inhaltsverzeichnis |
Ein Wochenende im Oktober
Als erfahrene Convention-Besucher waren wir in diesem Jahr erstmals auf den Verein Green Abyss und seine Aktivitäten im Cthulhu-Live-Bereich gestoßen. Da wir bei den 4stündigen Präsentations-Abenteuern auf dem Adventure Con im Februar und dem Uni Con im Juni sehr viel Spaß hatten, beschlossen wir als wackere Vertreter des RSCT, uns für ein gesamtes Wochenende für eine solche Cthulhu-Convention anzumelden. "Wir", dies waren Lilli alias Amelié Chanel, Daniel als der Gelehrte Konrad Sommer und euer geschätzter Autor Sven als Handlungsreisender Johnathan Valmont. Flugs hatten wir unsere Anmeldung zu Martin (Jungeblut) geschickt und uns einige Wochen später dann auf die Reise ins beschauliche Ebbüllwarft in der Nähe von Niebüll gemacht. Dort hatten die Veranstalter ein gemütliches Gästehaus angemietet, um dem etwas mehr als einem Dutzend Mitspielern ein stilvolles Ambiente zu bieten. Diese trudelten nach und nach ein und es spricht eindeutig für die Qualität der Green-Abyss-Veranstaltungen, dass einige der Mitspieler den weiten Weg aus München hinter sich gebracht hatten, um dabei sein zu können. Die Wartezeit verbrachten wir mit einem gemütlichen Plausch, gegenseitigem Kennenlernen und als wir uns dann im Stile der 20er Jahre umgezogen hatten und es langsam dunkel wurde, fühlten wir uns tatsächlich wie in eine andere Welt versetzt...
In den Sümpfen Louisianas
Ein Unwetter brachte uns Spieler im Anwesen Theodor Bruckners zusammen, welches mitten in den Sümpfen Louisianas gelegen war. Die Dienerschaft hieß uns willkommen und bewirtete uns köstlich, doch Cthulhu wäre nicht Cthulhu, wenn hier alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre. Und so kam es dann auch: Schon bald sorgten seltsame Geistererscheinungen für Verwirrung und zogen uns in Geschehnisse hinein, die absolut nicht alltäglich waren. Wie wir nach und nach herausfanden, hatte der Gastgeber mit seinen Forschungen ein Unheil beschworen, welches uns nun gewaltig an den Kragen wollte. Unsere Aufgabe war es nun, aus einer sicheren Todesfalle zu entkommen und unsere eigene Haut zu retten. Dass dies kein leichtes Unterfangen war, ahnen sie sicherlich schon - erschwert wurde das ganze dadurch, dass wir nicht einmal genau wussten, wem wir in diesem Spiel trauen konnten und wem nicht. Was hatte der Professor zu verbergen? Welche Rolle spielte der mysteriöse Oleg Kratochič, der angeblich ein Freund des Gastgebers ist? Und ist vielleicht Betty, die eigentlich verstorbene Gattin, am Ende vielleicht doch nicht so böse wie es zuerst erschien? Fragen über Fragen, die wir erst einmal klären mußten - und die wir doch nicht vollends beantworten konnten.
Die Sache mit der Gottheit
Und warum der ganze Trubel? Ich werde es euch sagen: Wenn jemand sich so sehr in seine Arbeit vertieft wie Theodor Bruckner, dann wünscht er sich natürlich auch, dass seine Annahmen auch den Tatsachen entsprechen. Problematisch wird dies, wenn sich diese Arbeit mit einem alten aztekischen Gott mit dem unaussprechlichen Namen Quetzalcoatl befasst. Dieser neigt nämlich dazu, einmal beschworen, äußerst humorlos zu reagieren und damit ein nicht zu unterschätzendes Problem darzustellen. "Problem" bitte ich jetzt einmal im Sinne von "nahende Apokalypse" zu verstehen...
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Nähere Informationen und einen großen Stapel mit Bildern finden sich übrigens auf der Green-Abyss-Homepage. Die auf dieser Seite dargestellten Fotos stammen auch von dort und wurden von Florian Lorenz und Sabrina Jungeblut gemacht. |
Und - wie war's?
Zu jedem Con-Bericht gehört auch ein Fazit. Dieses möchte ich auch an dieser Stelle natürlich nicht schuldig bleiben. Es ist immer schwer, dabei eine gewisse Objektivität zu wahren, doch versuche ich erst einmal bei den Aspekten zu bleiben, die man als negativ ansehen könnte: Das Abenteuer war sehr rätsellastig. Viele der Aufgaben bestanden darin, logische Denk- und Zahlenrätsel zu knacken, die in einem äußeren Rahmen sehr nett verpackt waren, manchmal aber einen gewissen Rätselheft-Charme hatten. Wer solche Rätsel mag, der wird schnell darin versinken - wer damit nicht so gut zurechtkommt, der muss sich immer wieder ausklinken.
Doch zu den Punkten, die mir besonders positiv im Gedächtnis geblieben sind - und das sind einige. Zu nennen ist dabei vor allem der meines Erachtens sehr faire Preis. Für einen Betrag, den ich an einem guten Abenden auf dem Kiez schon mal in Spirituosen investiert habe, wurde uns hier ein komplettes Wochenende von Freitag bis Sonntag geboten, welches keine Wünsche offen ließ: Eine gemütliche Unterkunft mit bequemen Betten, Vollverpflegung inklusive Frühstück, leckerem Mittagessen im Südstaaten-Stil und sogar Kaffee und Kuchen. Ein ganz großes Lob geht hierfür an die Küche.
Das weiteres Highlight ist die Green-Abyss-typische Flut an Requisiten und liebevoll ausgestalteten NSCs. Martin hat uns nach dem Abenteuer erzählt, dass bereits Wochen vor der Convention sein Arbeitszimmer einer Abstellkammer glich und vor alten aztekischen Altären und anderen Gegenständen nur so überquoll. Mit viel viel Mühe wird der Spieler tatsächlich in eine andere Welt versetzt. Wo auf anderen Conventions die Phantasie der Spieler manchmal harte Arbeit leisten muß ("Stellt euch vor, das hier wäre ein Dungeon."), so bekamen wir an diesem Wochenende nahezu alles vorgesetzt, konnten alles anfassen und auch tatsächlich benutzen. Die Liste ging dabei von Kleinigkeiten wie dem Berg Aztekengold in Form von Schokotalern (die Kassiererinnen müssen seltsam geguckt haben...) über alte Artefakte bis hin zu einem komplett eingerichteten Altarraum. Ein solcher Aufwand stellt meines Erachtens das absolute Optimum dar, das man zu zivilen Kosten erreichen kann. Doch es wäre nichts ohne NSCs, die ihre Rollen wirklich verinnerlichen und schauspielerisch zu überzeugen wissen. Auch an dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Lob an die wackeren Darsteller und Martin für das einmal wieder sehr kreative Script. Was bleibt also für die Nachwelt zu erhalten? Ich denke, meine Meinung dürfte in dem obigen Text deutlich geworden sein. Wer Interesse an Cthulhu hat und sich auch nicht davor scheut, seine Rolle auch einmal abseits den bekannten Spieltisches auszuspielen, dem seien die Green-Abyss-Veranstaltungen sehr ans Herz gelegt. Von der Einführung am Freitag Abend bis zum actiongeladenen Finale Samstag nacht hatten wir nonstop gute Unterhaltung. Aus diesem Grund freut es mich besonders, dass wir die Jungs und Mädels von Green Abyss im Jahr 2006 auch für den NordCon gewinnen konnten.
Sven

