Blaue Mappe:Die Taribont-Minen
Aus RSCT94
Einsam und unwirklich ragt sie auf, die den bekannten Taribont-Minen ihren Namen gebende Hügelkette mitten im Val. Von Außen kahl und unbewachsen, von Innen beinah völlig ausgehöhlt, sind diese Hügel Standort für die derzeit größten valländischen Minen. Circa tausend Arbeiter leben hier ständig unter der Erde, eine überirdische Siedlung kommt schon allein aufgrund der Witterung nicht in frage. Nur selten kommen die Arbeiter in den Genuss von Sonnenschein und noch seltener haben sie dann auch die Gelegenheit diesen zu genießen.
Offiziell unterstehen die Minen der Aikener Händlergilde, aber seit etwa dreißig Jahren hat eigentlich nur der derzeitige Minenvorsteher und oberste Vorarbeiter Gorborn Bremam, ein etwas zu groß geratener kugelrunder Smill, die alleinige Herrschaft über die Fördergruben übernommen. In den Minen wird seit langem eine Art "modernes Sklaventum" ausgeübt und Gorborn ist sozusagen der oberste "Sklavenhalter" vor Ort. Um Arbeit in den Schächten und Gruben zu bekommen, muss der Arbeitswillige einen Vertrag unterzeichnen, der ihn verpflichtet fünf Jahre lang ohne Bezahlung, bei kärglichster Unterkunft und Versorgung alles zu tun, was ihm befohlen wird. Eine Verweigerung eines Befehles wird mit Arrest bis zum Ablauf der Vertragsdauer plus ein Jahr bestraft. Auch dies ist von vornherein vertraglich geregelt. Am Ende der fünf Jahre erhält der Arbeiter allerdings eine gar fürstliche Entlohnung, die so hoch ist, dass er sich für gewöhnlich zur Ruhe setzen kann. Nicht wenige heuern nach Ablauf des Vertrages noch einmal für fünf Jahre an, diesmal dann aber - ob ihrer "Erfahrung" in den Taribont-Minen - als Aufseher oder Vorarbeiter.
Bekannt sind die Minen in Valland nicht nur für ihre qualitativ außergewöhnlichen Gold- und Edelsteinvorkommen sondern auch für ihre eher zweifelhaften Anwerbungsmethoden. Schon oft fand ein Betrunkener morgens in den Straßen von Aiken eine Zweitausfertigung des Taribont-Vertrages in seinen überraschten Händen...
Bei meinem Besuch in den Minen wurde ich von Gorborn persönlich durch einige der interessantesten Teile geführt, da er in mir wohl einen potentiellen "Sklaven" sah. Nie werde ich sein enttäuschtes, die Wut unterdrückendes Gesicht vergessen, als ich mich von ihm verabschiedete, ohne einen Vertrag unterzeichnet zu haben. Die Lebensbedingungen für die Arbeiter sind mit "grausam" noch reichlich milde umschrieben und die Arbeit selber doch sehr "umfangreich". Von mehreren ereilten mich sogar Bitten, doch ihren Familien auszurichten, dass sie noch leben und bald zurückkehren würden, andere baten mich insgeheim ihnen bei einer Flucht von hier zu helfen, aber ich alleine konnte nichts für sie unternehmen. Ich war später eigentlich nur froh, diesen Ort sofort und nicht erst nach fünf Jahren verlassen zu können.
