Blaue Mappe:Das Staatssystem Vallands
Aus RSCT94
Offiziell wird Valland seit seiner Unabhängigkeit vom Fürstenhaus der Bodir regiert, allerdings hat dieses in den letzten hundert Jahren seinen innenpolitischen Einfluss nahezu komplett an die Valländer Händlergilde verloren. Der jeweilige Vorsitzende der Händlergilde, der merkwürdigerweise immer durch den aktuellen Vorsteher des Lafeum-Tempels ernannt wird, ist seit Jahren „erster fürstlicher Berater“ und derjenige der die Innenpolitik vorgibt. Er wird jedes Jahr neu ernannt und niemand darf dieses Amt öfter als fünfmal inne haben.
Gesetze, Verordnungen und sonstige Vorschriften werden bei Notwendigkeit in der Händlergilde ausgearbeitet, beraten und beschlossen und dem Fürsten dann nur noch zur offiziellen Verkündung vorgelegt. Wenn der Fürst dann aber tatsächlich selber einmal auf eine innenpolitische Idee kommen sollte, trägt er diese meist der Gilde vor, die das Ganze dann zähneknirschend umsetzt, damit der Fürst nicht komplett bloßgestellt wird. Auf diese Weise entstehen teilweise recht merkwürdige Gesetze, die später beschrieben werden sollen.
Traditionell ist das Steckenpferd der Fürsten die Außenpolitik, in welche sie sich auch von niemandem reinreden lassen. Ansonsten beschränkt das Fürstenhaus sich auf repräsentative Aufgaben, die Verwaltung der fürstlichen Güter und sein oberstes Richteramt, dass – gesetzlich verankert – immer von der Ehefrau des regierenden Fürsten ausgeübt wird.
Die Händlergilde hat auch komplett die finanzielle Verwaltung des Reiches übernommen und so ist es kein Wunder, dass die Besteuerungsvorschriften doch als eher großzügig bezeichnet werden können. Einmal im Jahr werden von Aiken aus allerdings Steuereintreiber in das Landesinnere gesandt, die nicht selten bis zu fünf Monate unterwegs sind. Die Valländer bringen diesen Steuereintreibern regelmäßig großen Respekt und Ehrfurcht entgegen. Niemand würde es wagen diese zu betrügen oder zu überfallen, da ansonsten nur die Steuern angehoben würden, um die Mindereinnahmen auszugleichen. Derzeit liegt der Steuersatz bei noch nicht einmal ganz einem Fünfzigstel.
Valland unterhält traditionell keine Armee, verfügt aber über hervorragend ausgebildete Grenztruppen, die vor allem die rigorosen Zollvorschriften überwachen, sowie über die üblichen Stadtgarden und Dorfbüttel. Einen Geheimdienst gibt es ebenfalls nicht.
Nebenbei bemerkt ist das Fürstenhaus übrigens die einzige bestehende Adelsfamilie in ganz Valland. Sollte man dort also einmal auf einen Grafen, Baron, Herzog oder gar Prinzen treffen, ist dieser mit ziemlicher Sicherheit ein Hochstapler oder zu Besuch aus einer anderen Region (aber wer besucht schon Valland?).
