Blaue Mappe:Crusis – Aiken

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An einem lauen Spätsommertag machte ich mich frühmorgens auf, den letzten Abschnitt meiner Rundreise durch Valland in Angriff zu nehmen. Auf der vermutlich besten Straße im ganzen Land außerhalb einer Stadt würde ich lediglich drei Tage marschieren müssen und schon hätte ich den Ausgangs- und Endpunkt meiner Reise erreicht, in etwa so einfach dachte ich mir das. Unterwegs erlebte ich etwas, das viel über den Valländer an sich, seine Einstellung zu Leben und Besitz sowie sein Selbstverständnis aussagt, weshalb ich dieses eigentlich unbedeutende Geschehnis auf diesem ansonsten ereignislosen Reiseabschnitt doch recht ausführlich schildern möchte.

Bereits nach wenigen Meilen versperrte ein Erdrutsch, der wohl in der vorangegangenen Nacht niedergegangen war, die Straße in bestimmt drei Deformen Höhe. Auf meiner Seite waren zwar schon drei Trolle mit dem Abtragen der Geröllmassen beschäftigt, doch diese versicherten mir, dass die Straße frühestens in drei Tagen wieder passierbar wäre. Neben mir stand vor all dem Geröll noch der Wagen eines doch recht ratlosen Familienvaters aus Aiken, der mit seiner Frau und seinen vier Kindern auf Verwandtenbesuch in Crusis gewesen war und dringend zu seinem Schuhmacherladen zurückkehren wollte. Gemeinsam entwickelten wir die Idee einfach über den Erdrutsch hinweg zu klettern, was für die einzelnen Personen sowie für das Muli des Schuhmachers sicherlich, wenn auch mit Schwierigkeiten, möglich war. Aber wie sollten wir den Karren auf die andere Seite bekommen?

Wir beschlossen erst einmal zu zweit einen ungefährlichen Kletterpfad nach oben zu suchen und so die Schwierigkeiten für den Karrentransport zu erkunden. Schweißgebadet erreichten wir die Spitze des Gerölls; ich hatte mich verschätzt, meiner Erschöpfung nach zu urteilen musste die Spitze wenigstens vier Deformen über der Straße liegen. Auf der anderen Seite erblickten wir mehrere Karren und der Fahrer, die ebenfalls verzweifelt vor diesem Hindernis standen und uns gespannt von unten herauf anblickten. Der Schuhmacher, mit Namen übrigens Falir Nakarson, kam nun auf die Idee, einfach mit einem der Wartenden den Karren und das Muli zu tauschen und dann seinen Weg fortzusetzen. Ich, als Kronenburger Großstadtbürger und deutlich welterfahrenerer Mann als er es ja nun war, wies ihn darauf hin, dass niemand, der noch ganz bei Sinnen wäre, einem derartigen Tausch zustimmen würde, aber er wollte nicht auf mich hören und kletterte auf der anderen Seite hinunter. Und was soll ich sagen: Gleich der erste Händler, den er dort ansprach, verfiel in Begeisterungsstürme, verteilte sofort all seine Waren auf uns drei und schwerbepackt überwanden wir den Geröllhaufen ein weiteres mal, nur um uns dann mit den Kindern und der Frau Falirs noch mal diese Tortour anzutun.

Falir lud mich ein, die nächsten Tage mit ihm und seiner Familie zu reisen und ich nahm dankend an. So wurde ich dann auf meiner restlichen Reise wie ein ganz normales Familienmitglied behandelt, wurde bekocht, mit Wasser versorgt und kleinere Verletzungen von der Kletterpartie wurden wie selbstverständlich behandelt, ob ich nun wollte oder nicht - Widerspruch unmöglich. Auch lehnte Falir beinah schwer beleidigt jedweden Obolus für all Dieses ab und erwartete sogar von mir, dass ich, bis ich in Aiken eine Bleibe gefunden hatte - ich wollte dort länger verweilen -, bei ihm und seiner Familie wohnte. Mal wieder wurden keine Widerworte und Bezahlung geduldet. So bleibt mir also nur, zum Abschluss meines Werkes über meine Reise durch Valland, jeden darauf hinzuweisen, dass, sollte der Leser jemals nach Aiken kommen, Falir Nakarson am Trollplatz die besten Schuhe weit und breit macht.

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