Blaue Mappe:Bäder und Bibliotheken
Aus RSCT94
Zwei Besonderheiten, die Valland zu bieten hat, werden jedem Reisenden spätestens im zweiten oder dritten Dorf auffallen: Jede noch so kleine scheinbar zufällige Zusammenkunft von Häusern - auch Ort genannt - hat ihr eigenes Freibad und ihre eigene Bibliothek.
Überall in Valland finden sich heiße Quellen, die beinah kochend aus dem Boden schießen und dann als kleines Rinnsal oder Bächlein langsam erkalten. Vielerorts werden diese Quellen nicht nur als Wasserreservoir genutzt sondern auch als Wärmequelle. Hierfür wird das heiße Wasser entweder in ein Tunnelsystem unter den Häusern des Ortes entlang geleitet oder die Häuser werden halt direkt über den Bach gebaut, den die Quellen speisen. Schon seit langen Jahren haben die Valländer allerdings auch den Vorzug eines warmen Bades in freier Natur entdeckt und so entstanden in unmittelbarer Nähe der Quellen überall größere Sitzbäder, in denen häufig bis zu zwanzig Personen Platz finden. In vielen kleineren Dörfern haben diese Bäder längst die Gaststätte als abendlichen Treffpunkt verdrängt und so finden sich allabendlich die Einwohner zum gemeinsamen Bad nebst anregender Unterhaltung bei ihnen ein. Auch in den Städten findet diese Art des gesellschaftlichen Beisammenseins immer mehr Zuspruch. Wenn sie also einen Valländer kennen lernen wollen, gehen sie nicht abends in die Gaststätte, gehen sie baden.
Die langen Perioden der vollkommenen Dunkelheit und auch das häufige Einschneien im Winter verlangen von den Bewohnern Vallands oftmals untätiges Warten im warmen Eigenheim. Um diese Zeit möglichst gut zu überbrücken und nicht vor Langeweile verrückt zu werden oder andere verrückt zu machen, verfielen sie irgendwann darauf, sich gegenseitig das Lesen und Schreiben zu lehren. Dies hat zur Folge, dass inzwischen sicherlich achtzig Prozent der Valländer des Lesens und Schreiben mächtig sind und es wie selbstverständlich weiterverbreiten. Beinah jeder Valländer ist daher von Natur aus ein Dichter, Lyriker, Chronist, Belletrist oder Geschichtensammler. In Valland existiert folgende Abwandlung eines berühmten Lebensmottos des Reiches der tausend Nationen: "Alles was man im Leben tun muss, ist ein Haus zu bauen, ein Kind zu zeugen und ein Buch zu schreiben." Ein einmal fertiggestelltes Werk wird dann traditionell der öffentlichen Bibliothek gestiftet, wo es zur allgemeinen, kostenlosen Ausleihe gegen einen normalerweise hohen Pfand zur Verfügung gestellt wird. In jedem noch so kleinen Orte ist daher im Laufe der Zeit eine Bibliothek entstanden, gespeist nur durch das literarische Schaffen seiner aktuellen und der längst verstorbenen Bewohner. Gerade für Abenteurer oder Forscher beherbergen diese kleinen Bibliotheken unverzichtbare Schätze an Legenden und Mythen.
