6. LindenCon
Aus RSCT94
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Bericht - Bilder |
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Fakten, Fakten, Fakten |
Hoppla - ist denn schon wieder ein Jahr vergangen? Dies war mein Gedanke, als ich vor einigen Tagen meinen Kalender aufschlug und mir eine kurze Notiz "LindenCon - unbedingt hinfahren" förmlich entgegen sprang. Nach den positiven Erfahrungen des letzten Jahres bestand für mich kein Zweifel, dass ich diese nette "kleine" (dazu später mehr) Convention wieder besuchen wollte. Da ich die über 800 Kilometer Hin- und Rückweg von Hamburg bis nach Leipzig natürlich nicht alleine zurücklegen wollte, stampfte ich ein paarmal mit den Füßen auf, trommelte weinend mit den Fäusten auf den Boden und schluchzte so herzzerreissend, dass sich schließlich zwei Personen erbarmten, mich auf der langen Reise zu begleiten. So oder so ähnlich muß es wohl gewesen sein.
Vielleicht auch nicht.
Fakt ist: An diesem Freitag, den 27. Juni 2008 stiegen drei Rollenspieler aus dem hohen Norden am frühen Nachmittag ins Auto: Björn vom SDNV, der von sich selbst wohl behaupten kann, Deutschlands fleißigster Con-Besucher zu sein. Ebenfalls mit von der Partie war Ian, der frei nach dem Motto "Korn bringt ihn nach vorn" natürlich eine Flasche seines Leib- und Magengetränkes dabei hatte. Komplettiert wurde dieses Trio von Sven (Ja, das bin ich), eurem treuen Con-Berichterstatter.
Was ist denn der LindenCon?
Insider und Leute, die meine Berichte der letzten beiden Jahre bereits gelesen haben, können diesen Abschnitt gerne überspringen. Allen anderen sei kurz erklärt, worum es bei der LindenCon eigentlich geht. Na, noch da? Okay, here we go: Die LindenCon ist eine dreitägige Veranstaltung, die sich vor allem mit dem Thema "Rollenspiel" beschäftigt. Sie findet im und um das Gebäude des Leipziger Jugendclubs "Die Insel" statt. Für das leibliche Wohl sorgen ein Teezelt und die "Taverne", ein Zelt, in dem es zu äußerst günstigen Preisen Grillfleisch, Würste, Soljanka, Schmandflecken, Softdrinks und noch vieles mehr gab. Wer gerade nicht mit Essen beschäftigt ist, der sitzt meist in einer der zahlreichen stattfinden Rollenspielrunden, nimmt an einem Workshop teil, guckt sich den Händlerstand an oder sitzt einfach nur gemütlich in der Sonne bzw. am Lagerfeuer und quatscht mit den vielen bekannten Gesichtern. Wer darüber hinaus noch ein wenig Zeit findet, der kann entweder im Gebäude bzw. in einem der aufgestellten oder mitgebrachten Zelte auch ein wenig schlafen...
Am grundsätzlichen Ablauf des LindenCons hat sich im Prinzip also wenig geändert - und das ist auch in Ordnung so, denn viele Dinge hat man als LindenCon-Besucher inzwischen lieb gewonnen und möchte sie nicht missen. Aber nun zu meinem kleinen Erlebnisbericht...
Der Freitag
Das Schicksal meinte es bei der Anreise nicht gut mit uns und schickte uns einen Stau auf der Autobahn, der uns etwa eine Stunde Zeit kostete. So kamen wir leider erst gegen 19 Uhr 30 in Leipzig an, wo der erste Spielrundenblock bereits lief. Wie in den letzten Jahren setzte die Orga auch in diesem Jahr wieder auf dieses System, bei dem jeder Runde feste Startzeiten vorgegeben werden. Dies ist für die Organisation einer mittelgroßen Convention sicherlich sinnvoll, gibt aber denjenigen, die etwas später kommen, leider einige Leerlaufzeiten. Doch wir nutzten diese Zeit sinnvoll, unterhielten uns mit etlichen Leuten, gönnten uns die ersten Steaks vom Grill und inspizierten natürlich auch das Con-Gelände. Nachdem die Sonne langsam untergegangen war, sorgte das Lagerfeuer für viel Atmosphäre, genau wie die inzwischen schon 'traditionell' zu nennende Poi-Show.
Gegen 23 Uhr 15 wurden die Nachtrunden ausgehängt und es zeichnete sich erstmals ab, was an den kommenden Tagen Gewissheit werden sollte: Rollenspieler sind manchmal wie Tiere, insbesondere wenn es darum geht, sich in eine Spielrunde einzutragen und durch heftiges Drängeln dem Nebenmann den letzten freien Platz wegzunehmen. Da in diesem Block keine für mich so interessante Runde stattfand, konnte ich mir das einigermaßen belustigt von außen ansehen. Björn schaffte es irgendwie, in einer Shadowrun-Runde zu landen und Ian spielte einige Stunden Descent. Ich selbst unterhielt mich noch etwa bis 2 Uhr nachts am Lagerfeuer mit einigen Leuten und suchte dann meinen Schlafsack auf.
Der Samstag
Als ich am nächsten Morgen aufwachte und auf meine Uhr blickte, stellte ich fest, dass ich fast 6 Stunden geschlafen hatte - die bequeme Schlafmöglichkeit mit Luftmatratze in einem der Schlafzelte sei dank. Auf dem Weg zum Frühstücksbuffet traf ich auf meine beiden Mitreisenden, die nur etwa 2-3 Stunden Pause hatten und entsprechend verschlafen aussahen. Nach Brötchen mit Nutella, Aufschnitt und Käse verging diese Müdigkeit aber schnell. Auf die Dusche verzichtete ich an diesem Tag, nachdem ich etwa 20 Minuten vor der einzigen Duschmöglichkeit gestanden hatte, in der sich offenkundig jemand verbarrikadierte. Irgendwas ist ja immer.
So langsam ging es also auf den ersten Spielrundenblock zu und die immer größer werdende Zahl der Besucher ließ mich böses ahnen... sollte ich mich wirklich in das Gedrängel wagen? Da ich den Eindruck hatte, dass die Anzahl der Spielrunden für die vorhandenen Mitspieler ohnehin etwas knapp bemessen war, beschloss ich kurzerhand, eine DSA-Runde zu leiten, nachdem einige Con-Besucher neben mir enttäuscht festgestellt hatten, dass eine solche in diesem Block nicht angeboten wurde. Kurzum: Ich konnte mir die Schlacht der mit Bleistifen und Kugelschreibern bewaffneten Meute vor dem Rundenaushang entspannt von hinten ansehen, während meine Runde innerhalb von gefühlten 2 Sekunden voll war.
Die Spielrunde selbst erwies sich als recht angenehm und machte den Mitspielern trotz des innerhalb von 5 Minuten ausgedachten Plots sehr viel Spaß, wenn ich dem Feedback am Ende Glaube schenken kann. Gute Abenteuer müssen nicht unbedingt von langer Hand vorbereitet sein und oftmals ergeben sich viele Ideen auch erst während des Spiels. Parallel zu diesem Spielrundenblock lief übrigens ein interessant aussehender Workshop, in dem Interessierte eine kleine Einführung in die Poi-Kunst bekamen. Später am Abend präsentierten diese ihre erworbenen Fähigkeiten dann sogar mit echten brennenden Pois - so manch einer hätte dazu wohl nicht den Mumm, also mein vollster Respekt dafür.
Nach der Spielrunde fand die große Tombola statt, für die ich zehn Lose erworben hatte. Die meisten der zahlreichen Gewinne wurden der Orga von diversen Partnern zur Verfügung gestellt, darunter Regelwerke, Bücher und Zeitschriften. Das Glück war mir allerdings weniger hold, da ich nur mit einem Los etwas gewinnen konnte, nämlich einen Bildband mit Larp-Fotos. Für mich als passionierten Larp-Verweigerer natürlich ein Preis, den ich großzügig unserer Versteigerung auf dem ConTor spenden werde. Die Erlöse gehen natürlich an einen gemeinnützigen Zweck, also habe ich zumindest eine gute Tat getan.
Der nächste Spielrundenblock nahte und diesmal wollte ich in einer Runde mitspielen. Also überredete ich Robert, dass er mir einen Platz in der von ihm angebotenen Engel-Runde freihielt. Dies tat er freundlicherweise auch, so dass die nächsten Stunden für mich verplant waren. Dieses System habe ich vorher noch nie gespielt, aber nach der kurzweiligen Einführungsrunde denke ich, dass ich mir das System in naher Zukunft auch kaufen werde. Gerade das würfellose Regelsystem mit den Tarotkarten stellt eine nette Abwechslung dar.
Als die Runde beendet war, stand die zweite Feuer- und Poishow an, die erneut auf sehr viel Anklang stieß. Außerdem bot Falk an seinem Stand eine Met-Verköstigung an, die sich in vielerlei Hinsicht als nett erwies. Wann kann man sonst schon so viele verschiedene sorten probieren? Für die Nacht wurde ich dann erfolgreich darum gebeten, eine zweite DSA-Runde zu leiten. Dieses kleine Detektivabenteuer währte bis etwa 4 Uhr morgens.
Der Sonntag
Der Schlaf in dieser Nacht fiel leider etwas weniger lang aus. Dies hatte zwei Gründe: Auf dem Gelände lief eine Vampire-Live-Runde, die teilweise doch etwas lautstärker wurde. Übertönt wurde sie aber von Ian, dessen Schnarchen wohl alles in den Schatten stellte. Auch dafür mein vollster Respekt, denn diese Laute hervorzubringen ist wirklich eine Leistung.
Der Morgen begann wie bereits der Vortag mit einem leckeren Frühstück, gefolgt von einem erneuten Duschversuch. Dieser gelang leidlich, denn ich erinnerte mich leider einen Tick zu spät daran, was ich im Vorjahr bereits angemerkt hatte: Die Duschen sind ausschließlich kalt. Gut, wenigstens wach ist man danach.
Ich hatte nun folgende Wahl: Entweder trage ich mich noch in eine zweite Runde ein oder ich leite ein drittes Mal. Ich entschied mich schließlich für die zweite Option und saß wenig später in meiner dritten DSA-Runde. Auch diese lief sehr entspannt ab und sorgte für etliche zufriedene Gesichter.
Gegen 16 Uhr waren wir dann etwa fertig und packten unsere Sachen, während die Orga bereits fleißig Zelte abbaute und Bänke zusammen klappte. Eine kurze Verabschiedungsrunde später saßen wir dann auch schon wieder im Auto und legten bei teilweise brütender Hitze die über 400 Kilometer in Richtung Heimat zurück.
Fazit
Soweit mein persönlicher Ablauf des LindenCons. Alles in allem hat mir die Veranstaltung einmal wieder sehr viel Spaß gemacht und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass die LindenCon eine meiner Lieblingsveranstaltungen ist. Hätte ich nicht drei Runden geleitet, so wäre ich mit ein wenig Einsatz sicher in anderen Spielrunden untergekommen, aber so war es vollkommen okay. Die Orga ist wirklich immer freundlich und hilfsbereit und sorgt dafür, dass die gesamte Convention einen netten familiären Touch hat. Das Gelände mit Gebäude und Zelten ist gut, stößt allerdings langsam an seine Grenzen. Das bringt mich auch direkt zu einigen Punkten, die man für die Zukunft vielleicht verbessern sollte: Da sich langsam herumgesprochen hat, dass die LindenCon lohnenswert ist, geht die Besucherzahl stetig nach oben. Im letzten Jahr sprach ich noch von "(geschätzten) 150 bis 170 Besuchern", in diesem Jahr würde ich die Zahl bei knapp über 200 Besuchern einordnen. Die zusätzlichen Besucher sorgen dafür, dass es allmählich eng wird, was man insbesondere dann sehen kann, wenn neue Spielrunden ausgehängt werden. Ich weiß, dass für das nächste Jahr ein Umzug bereits angedacht ist und würde diesen der Orga auf jeden Falls ans Herz legen. Vielleicht sollte man auch überlegen, vom bisher recht starren Blocksystem abzugehen, um die oben mehrmals erwähnten Schlachten beim Aushang der Spielrunden ein wenig zu entspannen. Ansonsten sollte alles wie bisher bleiben, denn viel besser kann man eine Veranstaltung dieser Größe kaum gestalten.
Wie auch immer: Ich lasse mich von der LindenCon 2009 einfach mal überraschen - wenn ich es einrichten kann, dann werde ich auf jeden Fall wieder hinfahren.
Sven
